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First Ladys und abgetrennte Gliedmaßen

Die Kinostarts ab Donnerstag, 26. Januar First Ladys und abgetrennte Gliedmaßen

First Ladys, Frontsanitäter und Pferde: Mit den Kinostarts der Woche werden nahezu alle Geschmäcker bedient. Welche Filme sich besonders lohnen, erfahren Sie in unseren Kinotipps.

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Porträt einer Einsamen: Natalie Portman verwandelt sich in „Jackie“ Kennedy

Quelle: R

First Lady allein zu Haus

Göttingen. Porträt einer Einsamen: Natalie Portman verwandelt sich in „Jackie“ Kennedy

Von Stefan Stosch

Ihr Kostüm will „Jackie“ in den Stunden nach dem Attentat partout nicht wechseln. Dabei sind deutlich erkennbare Flecken darauf, Blut, auch Gehirnmasse, wie wir später von ihr selbst erfahren werden. „Jackie“ – wir dürfen sie so vertraulich nennen, denn auch der Regisseur tut es im Filmtitel – trägt ihr pinkfarbenes Chanel-Kostüm beinahe wie eine beschädigte Ritterrüstung, als wolle sie sich an die Zeit klammern, bevor sie zur Witwe wurde. Bevor ihr bisheriges Leben zerbrach.

Ihr Mann John F. Kennedy wurde in Dallas im offenen Wagen erschossen, der Kopf des Sterbenden lag in ihrem Schoß. Wir schreiben den 22. November 1963. „Jackie“ Kennedy war bis eben gerade noch die gefeierte First Lady der Vereinigten Staaten von Amerika, Stilikone und kulturelle Leitfigur. Nun ist sie die einsamste Frau der Welt. Wir begegnen einer Traumatisierten, die sich im Ausnahmezustand befindet und doch die Fäden ihres Schicksals in der Hand behalten will, an denen so viele andere zerren.

Rund um den Tag der Ermordung von Kennedy arrangiert der chilenische Regisseur Pablo Larrain („El Club“) sein Drama. Alles andere als den üblichen Biopic-Einheitsbrei liefert er ab, keine dramaturgisch getaktete Gebrauchsanweisung zur Interpretation einer historischen Figur. Larrain erzählt mit „Jackies“ Augen und gelegentlich auch Mut zur Fiktion, ausgehend von einem Interview, das sie dem „Time Magazine“ nur eine Woche nach dem Tod ihres Mannes gab. Ein ums andere Mal betont sie in harschen Worten gegenüber dem namenlosen Journalisten (Billy Crudup), er solle bloß nicht glauben, dass ihre Worte ungefiltert hinausgehen würden: Selbstverständlich werde sie jeden einzelnen Satz zensieren. Dieses Interview soll „Jackies“ Botschaft an die Nation sein, wie ihr Mann in Erinnerung zu behalten ist.

Von diesem Interview aus begeben wir uns in assoziativen Rückblenden immer wieder zurück in die Zeit vor und nach dem Attentat. Wir sollen quasi unsere eigene Wahrheit über „Jackie“ herausfiltern und stoßen auf Widersprüche.

Da ist die seltsam naive „Jackie“, die für eine Homestory in guten Tagen ein Kamerateam ins Weiße Haus gebeten hat, und da ist die „Jackie“, die mit eisernem Willen darauf besteht, dass die angereisten Staatsoberhäupter bei der Trauerprozession zu Fuß durch Washington gehen. Da ist die liebende Mutter, die ihren beiden Kindern den Tod ihres Vaters erklären muss. Und da ist „Jackie“ allein zu Haus, die sich unter der Dusche das Blut aus den Haaren wäscht. Oscar-Preisträgerin Natalie Portman („Black Swan“) trägt diesen Film in jedem Augenblick mit einer beinahe entrückten Vorstellung – nur in einzelnen Augenblicken bricht ungehemmt die Bitterkeit über ihr Schicksal aus ihr hervor.

Der Zuschauer fühlt sich manchmal beinahe wie ein Eindringling. Aber das spricht keinesfalls gegen diesen Film, der zu dem verzweifelten Menschen hinter einer Ikone vordringt.

„Jackie“, Regie: Pablo Larrain, 100 Minuten, FSK 12

Voodoo-Königin Natalie Portman

Er ist voll des Lobes: Darren Aronofsky, der den Film „Jackie“ zunächst drehen wollte, dann als Regisseur absprang, aber Produzent blieb, sagt über die Hauptdarstellerin Natalie Portman: „Man dachte nicht, dass überhaupt irgendwer Jackie spielen könnte – eben weil sie so ikonisch ist. Aber irgendwie lässt dich Natalie vergessen, dass du Natalie zuschaust. Irgendwie – durch ihren Zauber und ihr Voodoo – kann sie in jeder Rolle verschwinden.“ Für Ersatzregisseur Pablo Larrain war ihre Besetzung Bedingung. Aronofsky hatte erst geplant, die Rolle mit Rachel Weisz zu besetzen.

Für Portman war der Chilene Larrain der ideale Regisseur, weil er „nicht die Ehrfurcht vor den Kennedys hat, die Amerikaner besitzen“. Demnächst ist Portman in „Song to Song“ zu sehen, einer Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der Musikszene in Austin/Texas. Der Film ist nach „Knight of Cups“ (2015) ihre zweite Zusammenarbeit mit Regisseur Terrence Malick. Fürs Fernsehen ist sie für die Hauptrolle in der HBO-Mysteryserie „Wir stehen alle komplett neben uns“ vorgesehen.

Westrente für Ostspione

Amüsante deutsch-deutsche Agentenkomödie: „Kundschafter des Friedens“

Von Stefan Stosch

Am Ende begibt sich dieser Film dorthin, wo schon so mancher Spionagefilm spielte: auf die Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam. Nur dass in diesem Fall keine Spione ausgetauscht werden, denn Deutschland ist schon seit gut einem Vierteljahrhundert wiedervereinigt. Stattdessen starren in unserer Gegenwart zwei ergraute Kalte Krieger auf ein Papier, das eine junge Agentin in Händen hält. Der eine ist aus Ost, der andere aus West, und auf dem DNA-Befund steht, wer von beiden der Vater der Jung-Spionin in ihrer Mitte ist.

Das ist eine unübliche Idee für einen Agentenfilm, aber passt zu Robert Thalheims „Kundschafter des Friedens“. Hier geht es um die Lebensbilanz einiger alter Herren, denen 1989 ihr Staat abhandenkam. Nun fechten sie noch einmal alte Konflikte aus und wollen zugleich ihre glorreiche Vergangenheit aufleben lassen. Getrickst, getäuscht und getarnt wird dabei nach Kräften. Es sollte nur niemand Action wie bei einem Bond-Film erwarten.

Dafür gehen die Senioren mit viel Schlawinerwitz zu Werke. Nötig sind diese „Kundschafter des Friedens“ (so lautete die euphemistische Bezeichnung für DDR-Spione im eigenen Land), weil nur sie sich in abgelegenen asiatischen Bergrepubliken auskennen.

Der alte „Zonen-James-Bond“ Jochen Falk soll mittels seiner alten Kontakte den entführten Präsidentschaftskandidaten Kazan in der fiktiven Republik Katschekistan wieder auftreiben. Denn diesen möchte die Bundesrepublik als Hoffnungsträger implantieren. Falk (Henry Hübchen) fordert erst einmal die volle Westrente und besteht zudem gegenüber den BND-Jüngelchen darauf, sein eigenes Seniorenteam zusammenzustellen. Er nominiert den Techniker Jaecki (Michael Gwisdek), der damit beschäftigt ist, in der „kapitalistischen Wegwerfgesellschaft“ kaputte Toaster zu reparieren; den auf Gewinnmaximierung fixierten Logistiker Locke (Thomas Thieme), der faule Fonds verhökert; und den einstigen Romeo-Spion Harry (Winfried Glatzeder), der in Katschekistan hängen geblieben ist. Ebendort hofft Falk, eine alte Rechnung mit seinem Ex-West-Gegenspieler Kern (Jürgen Prochnow) begleichen zu können.

Das ist eine Topbesetzung, und damit sind zunächst die Schauspieler gemeint, die ja auch ziemlich viel Vergangenheit diesseits und jenseits der einstigen deutsch-deutschen Grenze verkörpern. Die Spiellust der Truppe ist das Pfund, mit dem der Regisseur wuchern kann. Viel schiefgehen kann bei diesen Voraussetzungen nicht, tut es auch nicht. Doch hätte man sich wegen der Erwartbarkeit der Handlung noch mehr Dreistigkeit gewünscht. Thalheim war bislang eher in der sozialen Wirklichkeit unterwegs, da auch schon mit tragikomischem Witz („Netto“). Hier hätte er noch ein bisschen mehr ins Fantastische abheben dürfen, als er es ohnehin tut.

„Kundschafter des Friedens“, Regie: Robert Thalheim, 93 Minuten, FSK 12

Das Mädchen und die Horde

M. Night Shyamalan endlich mal wieder in Bestform: Multipler Horror in „Split“

Von Matthias Halbig

M. Night Shyamalan ist der Regisseur, den Hollywood nach „The Sixth Sense“ als Marke à la Hitchcock etablieren wollte – und der länger nur aufgeblasene Fantasia ablieferte. Jetzt zeigt er mit „Split“ seinen besten Thrill seit der Superheldenballade „Unbreakable“: Ein Mann hat 23 Persönlichkeiten und drei Geiseln. Ein Teil seiner Ichs erwartet die Ankunft des „Biests“. Seiner Psychiaterin ist unklar, was damit gemeint ist.

Zwei der entführten Mädchen sind extrem hysterisch, was die Überlebenschancen in Thrillern sinken lässt. Die Außenseiterin Casey (Anya Taylor-Joy) aber nimmt den Kampf im Keller auf. Ihre Kindheitserfahrungen lassen sie zuschlagen, wo der multiple Mann angreifbar ist: Sie schnappt sich das Kind in ihm, einen neunmalklugen Neunjährigen.

Taylor-Joy („The Witch“) überzeugt als Kämpferin, James Mc-Avoy ist mit seiner Darstellung der „Horde“ in dem gestörten Barry so beängstigend, dass den Zuschauer fröstelt. Die Schlusspointe dieses finsteren Films ist zugleich der Beginn eines neuen. Und obwohl wir gern wüssten, was darin passiert, hoffen wir um Shyamalans Karriereaufschwung willen, dass er ihn ungedreht lässt.

„Split“, Regie: M. Night Shyamalan, 117 Minuten, FSK 16

Gläubiger Pazifist im Kugelhagel

Mel Gibson im Krieg: „Hacksaw Ridge“

Von Martin Schwickert

Der Weg in die Hölle führt steil nach oben. Mehr als hundert Meter ragt das Kliff in den Himmel. Über ein Klettergitter steigen die US-Soldaten, die 1945 Okinawa erobern sollen, herauf. Oben erwartet sie der Feind. Der Kampf um die japanische Insel gehört zu den verlustreichsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges im Pazifik. Und doch gab es inmitten dieses Gemetzels einen Soldaten ohne Waffe. Desmond Doss hieß der Mann, ein Anhänger der „Siebenten-Tags-Adventisten“, der kein Gewehr in die Hand nahm, aber seine Pflicht erfüllen wollte. Als Sanitäter trug Doss 75 Verletzte vom Schlachtfeld und wurde später ausgezeichnet.

Mel Gibsons Faszination für das Sujet überrascht nicht. In „Die Passion Christi“ outete er sich als Regisseur als christlicher Fundamentalist, mit dem Oscar-prämierten „Braveheart“ offenbarte er seine Leidenschaft für blutige Schlachtengemälde. In „Hacksaw Ridge“ kann er beiden Obsessionen nachgehen. Überzeugend spielt Andrew Garfield („The Amazing Spider-Man“) den jungen Mann vom Lande, dessen Gesinnung mithilfe von traumatischen Kindheitserlebnissen erklärt wird. Er hat sich geschworen, nie wieder eine Waffe in die Hand zu nehmen, und meldet sich nach dem Angriff auf Pearl Harbor dennoch freiwillig.

Mit schmerzender Ausführlichkeit setzt Gibson die Brutalität des Kriegs in Szene. Projektile bohren sich zischend in Schädeldecken, Gliedmaßen fliegen durch die Luft. Gibson lässt die Eröffnungssequenz von Spielbergs „Saving Private Ryan“ wie einen Sonntagsspaziergang aussehen. Mit zunehmender Ratlosigkeit schaut man diesem Spagat zwischen visueller Gewaltorgie und pazifistischer Heldenverehrung zu. Gibson findet letztlich keine echte Nähe zur inneren Beschaffenheit und zu der religiösen Seelenmotivation dieses ungewöhnlichen Kriegshelden.

„Hacksaw Ridge“, Regie: Mel Gibson, 131 Minuten, FSK 16

Wendy und die Angst vorm Reiten

Vor 31 Jahren erschien „Wendy“, die Pferdezeitschrift für Kinder das erste Mal. Bis heute ist sie beliebt bei den jungen Freundinnen wiehernder Vierbeiner. War also nur eine Frage der Zeit, bis „Wendy – der Film“ gedreht wird. Heute startet er in den Kinos und erzählt von der zwölfjährigen Wendy, die wenig begeistert ist von der Idee ihrer Eltern, die gesamten Sommerferien auf dem heruntergewirtschafteten Reiterhof ihrer Großmutter zu verbringen.

Wendy (Jule Hermann) ist ja eigentlich eine überaus leidenschaftliche Reiterin, seit einem Unfall jedoch ist der blonde Teenager auf kein Pferd mehr gestiegen. Auf dem Reiterhof läuft ihr nun das Pferd Dixie über den Weg – und (wie das in Filmen dieser Art so ist) zwischen dem ängstlichen Mädchen und der braven Stute entwickelt sich eine besondere Beziehung. In dem für Kinder unterhaltsamen Film von Dagmar Seume („Hanni & Nanni 3“, „Tatort“-Folgen) scharrt der erwachsene Begleitzuschauer doch auf Dauer mit den Hufen. ag

„Wendy – der Film“, Regie: Dagmar Seume, 91 Minuten, FSK 0

Alice letztmals in Horrorlanden

„Resident Evil: The Final Chapter“

„Mein Name ist Alice“, heißt es in „Resident Evil: The Final Chapter“. „Und dies das Ende meiner Geschichte“. Bevor der letzte Film der Scifi-Reihe aber endet, versucht jene Alice, (Milla Jovovich) der viralen Apokalypse Einhalt zu gebieten. Höchste Eisenbahn: Kaum mehr als 4000 Menschen sind noch übrig. Über 7 Milliarden sind den bösen Plänen der Umbrella Corporation zum Opfer gefallen.

Um das Ende der Menschheit zu verhindern, muss Alice an den Ort zurückkehren, an dem all das Unheil 2002 seinen Anfang nahm: nach Raccoon City. Dort tut sie sich mit anderen Rebellen zusammen. Der volle (vorhersehbare) Zombiehorror. ag

„Resident Evil: Final Chapter“, Regie: Paul W. S. Anderson, 106 Minuten, FSK 16

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