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17:15 31.01.2018
Curtis "50 Cent" Jackson in einer Szene des Films "Criminal Squad". Quelle: dpa
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Göttingen

Hartes Pflaster, harte Jungs: „Criminal Squad“ mit 50 Cent

von Von Johannes Schmitt-Tegge, dpa

Ein Männerfilm bleibt ein Männerfilm, auch in Zeiten von #MeToo: Im Action-Drama „Criminal Squad“ hantieren muskulöse Typen mit schweren Waffen. Dank des cleveren Drehbuchs macht das durchaus Spaß. Rapper 50 Cent ist auch mit dabei.

Wer 50 Cent alias Curtis Jackson über die Jahre so rappen hörte, konnte glauben, dass der Mann verbal ziemlich hart austeilen kann. Da wurden Typen „von der Landkarte gepustet“, „Schädel geknackt“ und Blei „in deine Brust gepumpt“. Ähnlich geht es im neuen Actionfilm „Criminal Squad“ zu, wenn Jackson, Gerard Butler und ihre Nebenmänner als Bankräuber und kriminelle Polizisten zum Sturmgewehr greifen. Harten Jungs mit einer Vorliebe für harten Stoff dürfte das reichlich Spaß machen. Der sonst gerne vorlaute „Fifty“ bleibt dabei aber eine eher wortkarge, stoische Randfigur.

Als „weltweite Hauptstadt des Bankraubs“ wird Los Angeles in „Criminal Squad“ vorgestellt, alle 48 Minuten werde dort statistisch gesehen eine Bank ausgeraubt (das war Anfang der 1990er Jahren teils der Fall, 2016 gab es laut FBI in ganz Kalifornien aber nur etwa 460 Fälle von Bankraub). Entsprechend schwer bewaffnet geht eine Gruppe ehemaliger Elitesoldaten ans Werk, als sie sich in die US-Zentralbank einschleusen und mit 30 Millionen Dollar in unmarkierten Scheinen davon spazieren will. In Ray Merriman (Pablo Schreiber) findet die Truppe Schwerkrimineller ihren passenden Rudelführer.

Aber ein Bösewicht ist nur dann wirklich böse, wenn er Katz’ und Maus mit einem „good guy“ spielen kann. Und weil der Polizist „Big Nick“ O’Brien (Gerard Butler) nicht nur heftig trinkt und Prostituierte besucht, sondern eine ganze Band an kriminellen Ermittlern anführt, ist der Showdown zwischen den Alpha-Tieren so gut vorprogrammiert. „Am Set waren zehn Alpha-Männer“, erzählte Butler auch der Deutschen Presse-Agentur im Interview über den fast ausschließlich männlich besetzten Film. „Big Nick“ beschrieb er dabei als den „T-Rex“, den „Silberrücken“ unter den harten Kerlen.

Frauen dienen im Film eher als hübsches Beiwerk: Sie sitzen stumm am Tisch, strippen, verkaufen sich für Sex oder bleiben mit den Kindern zu Hause, während die Jungs Verbrechen begehen oder Verbrecher jagen. „Es ist ein sehr Testosteron-geladenes Set, eine wirkliche Typen-Show“, sagte Schreiber, „ein bisschen wie Kinder, die mit ihren Spielzeugen spielen.“ Dafür ließ Regisseur Christian Gudecast die Schauspieler Bootcamps durchlaufen, in denen beide Gruppen - also die Verbrecher und die kriminellen Polizisten - auch getrennt trainierten.

„Criminal Squad“, der im Original „Den of Thieves“ (Räuberhöhle) heißt und für den deutschen Markt etwas schief umgetauft wurde, lässt den Zuschauern die Wahl: Stellt man sich hinter den Präzisionstäter Merriman, den gescheiterten Familienvater „Big Nick“ oder gar den unscheinbaren Fahrer Donnie (O’Shea Jackson Jr.)? „Donnie hat es am schwersten - ich werde von den guten und den bösen Jungs verprügelt“, sagt Jackson. „Das Publikum muss selbst entscheiden“, sagt er. Clever genug sind Gudecasts Drehbuch und Charaktere dafür allemal.

Ein ur-amerikanischer Film ist „Criminal Squad“ schon ab den ersten Minuten. Jenseits des packenden Bankraubs und minutenlanger, sehr lauter Schusswechsel stellt er auch die Frage, wie ein Land so viele seiner Supersoldaten von einst vergessen und vernachlässigen konnte. Perspektivlos streifen diese Männer als Veteranen durchs Leben und werden kriminell, obwohl zu Hause Frau und Kinder warten. Das Verbrechen geschieht fast um des Verbrechens willen und nicht des Geldes wegen, als sei die berüchtigte Zentralbank Federal Reserve selbst eine Jagdtrophäe im Großstadtdschungel.

Wer hofft, 50 Cent hier als Schauspieler zu erleben, wird eher enttäuscht. Über zwei Stunden und 20 Minuten presst er mit zarter Stimme geschätzt nur ein Dutzend Sätze durch die Lippen. Optisch passt der Gewichte hebende Rapper, der schon echte Schießereien überlebt hat und in mehreren Filmen rund um Waffen, Geld und Drogen dabei war, trotzdem bestens ins Bild.

Auf die Frage eines Mannes, welcher Film denn gerade in diesem einen New Yorker Kinosaal gezeigt wurde, antwortet ein Sicherheitsbeamte in der Lobby anschließend dann auch: „Der mit 50 Cent.“

„Criminal Squad“, Regie: Christian Gudegast, 124 Minuten, Cinemaxx Göttingen.

„Das Leben ist ein Fest“ – Knallkomische Caterer

Eine Hochzeitsfeier und viele Schwierigkeiten. Die umwerfende französische Komödie „Das Leben ist ein Fest“ (Kinostart am 1. Februar) erzählt von einem Hochzeitsplaner, der unter den Spargelüsten seiner Kundschaft zu leiden hat. Der arrogante Pierre allerdings will ein rauschendes Fest, das niemand je vergisst. Auch diese Komödie – von den Machern von „Ziemlich beste Freunde“ – ist unvergesslich. Mehr Infos und Trailer gibt’s hier.

„Das Leben ist ein Fest“, Regie: Olivier Nakache und Eric Toledano, 116 Minuten, Cinemaxx Göttingen.

Erst zaubern, dann feiern – „Die kleine Hexe“

Karoline Herfurth hat einen flotten Besen, einen klugen Raben und lebt in einem gemütlichen, windschiefen Haus im Wald. Mike Schaerer hat Otfried Preußlers Kinderbuchklassiker „Die kleine Hexe“ verfilmt. Kinostart ist am 1. Februar. Mehr Infos und Trailer gibt’s hier.

„Die kleine Hexe“, Regie: Mike Schaerer, 103 Minuten, Cinemaxx Göttingen.

„Maze Runner 3“ – Lang lebe das Individuum!

Ende der düsteren Trilogie: In „Maze Runner 3“ (Kinostart am 1. Februar) stellt sich die moralische Frage, ob man Einzelne opfern darf, um viele zu retten. Die Schauwerte stimmen, die Botschaft geht nie hinterm Aktionismus zugrunde. Sehenswert. Mehr Infos und Trailer gibt’s hier.

„Maze Runner 3“, Regie: Wes Ball, 142 Minuten, Cinemaxx Göttingen.

„Madame“ – Aschenputtels großer Tag

Mit einem perfekten Dinner will ein reicher Amerikaner einen Kunst-Coup landen. In „Madame“ (Kinostart am 30. November) gibt Toni Colette ein furchterregendes Oberklassen-Biest und Almodóvar-Muse Rossy De Palma ein Dienstmädchen, das einen Abend lang Dame von Welt spielen soll. Eine lange Rezension und Trailer gibt’s hier.

„Madame“, Regie: Amanda Sthers, 91 Minuten, Lumiére.

„Leaning Into The Wind“ – Meditative Doku

Zurücklehnen und sich verblüffen lassen: Die äußerst unterhaltsame Doku „Leaning into the Wind“ (Kinostart am 14. Dezember) begleitet den Land-Art-Künstler Andy Goldsworthy beim Schaffen seiner oft erstaunlich kurzlebigen Kunstwerke. Langrezension und Trailer gibt’s hier.

„Leaning Into The Wind“, Regie: Riedelsheimer, 93 Minuten, Lumiére.

So düster wird’s am Weltende – „It Comes at Night“

Der Texaner Trey Edward Shults bringt die Zuschauer in ein Waldhaus, wo sich eine Familie vor einer Pandemie zu verstecken sucht. „It Comes at Night“ (Kinostart: 18. Januar) ist ein klaustrophobisches Kammerspiel der Ausweglosigkeit. Und ein verstörendes Horrorstück. Langrezension und Trailer gibt’s hier.

„It Comes at Night“, Regie: Trey Edward Shults, 97 Minuten, Lumiere.

Von dpa/RND

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