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Man schießt nur mit dem Herzen gut

Die Kinostarts der Woche Man schießt nur mit dem Herzen gut

Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.“ Diesen Satz hält US-Schriftsteller Stephen King für einen seiner besten. Der Satz beschließt seinen achtbändigen Fantasyromanzyklus „Der dunkle Turm“ – und steht auch ganz am Anfang des ersten Buchs.

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Wenn er schießt, trifft er todsicher: Gegen Roland von Gilead (Idris Elba) ist sogar Lucky Luke eine lahme Ente.

Quelle: Sony

Die Kreisform dieses Mammutwerks erschien vielen Fans nach der Lektüre mehrerer Tausend Seiten wie ein böser Scherz. Sie hätten sich für das Werk, an dem King mehr als 40 Jahre schrieb und das er für das „wichtigste“ seiner Laufbahn hält, ein großes, erlösendes Finale gewünscht. Stattdessen musste sich Kings Held Roland aus Mittwelt, Letzter aus dem Geschlecht der Eld, dessen Revolver aus dem Stahl von König Arthurs Schwert Excalibur geschmiedet wurden, umgehend ein weiteres Mal auf die staubige Reise begeben, den Fortbestand des dunklen Turms zu sichern und damit alle Welten zu retten. Gnadenlos wurde alles auf Anfang gesetzt. Roland – ein Verdammter in alle Ewigkeit.
Für den dänischen Regisseur und Drehbuchautor Nikolaj Arcel war dieser Roman-Loop ein Geschenk. Er legt nun eine filmische Fortsetzung zu dem literarischen Epos vor, erzählt eine neuerliche Odyssee Rolands, die ähnlich, aber eben nicht identisch zu der in Kings Romanen verläuft. Arcel kann sich für sein Pseudosequel bei der Vorlage bedienen und fügt Neues hinzu, wie es ihm beliebt. Wieder mal, wenn auch nicht täglich, grüßt im Kino das Murmeltier.
Erzählt wird auch von dem New Yorker Jungen Jake Chambers (Tom Taylor), der von dem Turm, der im Herzen aller Universen steht, träumt. Er träumt, dass er von telepathisch-seherisch begabten Kindern – bei Stephen King heißt diese Gabe schon seit Langem „Shining“ – angegriffen wird. Das „Shining“ wird ihnen von menschenähnlichen Wesen abgezapft, und durch Techno-Zauber in eine Art Todessternstrahl verwandelt. Jakes Psychotherapeut schiebt diese Weltuntergangsvisionen auf den Tod des Vaters, und der Stiefvater will ihn ins Irrenhaus abschieben, um freie Bahn bei Jakes Mutter zu haben. Keiner glaubt seinen Beteuerungen, dass all dies wirklich geschieht, und bald schon haben ihn die Bösewichte aus dem Paralleluniversum als möglichen Turmbrecher auf dem Schirm. Jake rettet sich durch ein Portal nach Mittwelt, wo er ans Lagerfeuer von Roland (Idris Elba) geworfen wird.

Der ist der letzte der Revolvermann-Gilde. Seine Mission ist der Schutz des Turms, angetrieben aber wird er nur noch von der Rache für seine Waffenbrüder. Dezimiert wurden die „Gunslinger“ durch Rolands Erzfeind Walter, jenen eingangs erwähnten Mann in Schwarz (Matthew MacConaughey), den Strippenzieher des angestrebten polyapokalyptischen Totaldesasters ist, um hernach die vernichteten Welten mit Horrorwesen aus der Twilight-Zone zu bevölkern. Ein – mit Verlaub – ziemlich blöder Plan für einen sadistischen Allesverderber. Gegenüber Dämonen dürfte Sadismus weit weniger Spaß machen als gegenüber Menschen.
Schnell rollen die 95 Minuten ab. Zum Showdown flitzen der Junge und der Pistolero ins New York von heute, wo der von Leuchtreklamen, Bordsteinschwalben und Coca-Cola überforderte Roland seine Schießkünste öfter unter Beweis stellen darf als in seinem angestammten Mittwelt – weil es in Amerika Munition bis zum Abwinken gibt. Vom ungeliebten Sidekick wird Jake zum Kumpel des Superschützen.
Dass der Film funktioniert, verdankt er seinen Schauspielern. Damit ist weniger McConaugheys nicht allzu gruseliger Walter gemeint, der im Original ein paar hübsche Einzeiler wie „Have a great apocalypse!“ abbekommt, aber in seinem schwarzen Blüschen eher aussieht wie der Ladenhüter unter den Kleinstadtdisco-Ladykillern. Taylor hat als Jake eine Verwundbarkeit in Blick und Gestus, die an den jungen Wil Wheaton in Rob Reiners King-Adaption „Stand by Me“ erinnert. Und Idris Elba, bekannt geworden mit der britischen Thrillerserie „Luther“, ist einfach cool als schweigsamer Westerner der Clint-Eastwood-Schule. Wenn ihm die Patronen beim Nachladen in die Revolverkammern fliegen und er seine Colts gemäß seinem ballistischen Saint-Éxupéry-Credo „Man schießt nur mit dem Herzen gut!“ blind abfeuert, liebt man diese Fantasy-Räuberpistole. Jeder Elba-Moment tröstet auch darüber hinweg, dass die tricktechnischen Effekte weit hinter dem „State of the Art“ liegen, dass die Monster im Halbdunkel verharren, weil sie bei Lichte besehen die Kriterien für Monster womöglich nicht erfüllen, dass die Charaktere blass bleiben, manche Dialogzeile hölzern wirkt. „Der dunkle Turm“ erscheint wie der Pilotfilm einer Fernsehserie, der sich ins Kino verflogen hat. Und tatsächlich soll 2018 noch eine „Turm“-Serie folgen – mit Elba und McConaughey. Eine neue Art von Franchise-Vermarktung. Dann erfolgen hoffentlich Vertiefung und Feinzeichnung.
Das Projekt kursierte mehr als zehn Jahre in Hollywood. Nun enttäuscht, wie wenig von des Autors großartiger Fabulierkunst übrig blieb. Warum Arcel nicht einfach das Original verfilmt hat, fragt man sich. Nun, der erste Band von Kings Opus magnum hatte ein ziemlich schockierendes Ende. Und wer in Hollywood will heute noch sein Publikum verstören? Statt eines unvergesslichen Cliffhangers zu einem zweiten Film schließt Arcel lieber also halbwegs happy. Und erweist sich damit als Hasenherz, für das sein Held Roland wohl nur den verächtlichste allen Revolvermann-Schimpfe übrig hätte: „Du hast das Angesicht deines Vaters vergessen.“

Von Matthias Halbig

„Der dunkle Turm“, Regie: Nikolaj Arcel,  95 Minuten, FSK 12, Cinemaxx Göttingen

Stephen King: Einflüsse von Tolkien bis Sergio Leone

22 Jahre alt war Stephen King, gerade mit dem College fertig, als er mit der Arbeit an dem begann, was der „Dunkle Turm“-Zyklus werden sollte. Von 1970 bis 2012 erschienen die Geschichten über den verschlossenen, ritterlichen Revolverhelden Roland von Gilead und seinen Gefährten Jake Chambers, Eddie Dean, Susannah Dean und den waschbärartigen Billy-Bumblers Oy. „Ich stand damals ziemlich unter dem Einfluss von ,Herr der Ringe‘“, sagt King und benennt als weitere Einflüsse Sergio Leones Western „Zwei glorreiche Halunken“ und Robert Brownings Heldengedicht „Herr Roland kam zum finstren Turm“ von 1858.
King verwob sein eigenes literarisches Universum in die Buchserie und nahm Bezug auf andere populäre Mythen und Fantasyepen. Sowohl die Jediritter aus George Lucas’ „Star Wars“-Welt finden Erwähnung als auch die Schnaatze, die bei Harry Potter Spielbälle sind und bei King zu Waffen werden. Sogar King selbs tritt im „dunklen Turm“ als Figur auf. big

Das fünfte Element (4K)

2214 bietet New York City einen futuristischen Anblick: Die Wolkenkratzer sind höher als je zuvor, der Verkehr findet nun mit fliegenden Autos statt. Inmitten dieses Großstadtmolochs jobbt der ehemalige Elitekämpfer Korben Dallas (Bruce Willis) als Taxifahrer. Jüngst geschieden, träumt Korben insgeheim von der perfekten Frau. Wie es der Zufall will, fällt ihm die nahezu perfekte Leeloo (Milla Jovovich) in den Schoß. Bald stellt sich heraus, dass sie ein höheres Wesen ist – auf die Erde geschickt, um dem Bösen Einhalt zu gebieten, das sich aus den Tiefen des Alls nähert. Wie das genau geschehen soll, ist aber nicht klar. Und plötzlich muss Korben seine neue Freundin vor der Polizei, der Armee, dem abgedrehten Geistlichen Father Vito Cornelius (Ian Holm) und dem fiesen Jean-Baptiste Emanuel Zorg (Gary Oldman) verstecken.

„Das fünfte Element“, Regie: Luc Besson, 126 Minuten, FSK 12, Cinemaxx Göttingen

Digimon Adventure Tri. 3: Confession

Die Digiritter sind fassungslos und entsetzt, nachdem sich Meicoomon (Stimme im Original: Miwa Matsumoto) plötzlich verwandelt hat. Besonders Meiko (Miho Arakawa) trägt schwer daran, dass ihr Digimon nun weg ist. Izzy (Mutsumi Tamura) versucht währenddessen mit allen Kräften herauszufinden, wodurch die Infektion verursacht wurde – er will unbedingt verhindern, dass es weitere Ansteckungen gibt. Was Izzy nicht weiß: Seine Freunde sind längst infiziert! Patamon (Miwa Matsumoto) hat es erwischt, aber T.K. (Junya Enoki) hat zu viel Angst um seinen Partner, als dass er seinen Freunden die Wahrheit sagen würde. In dieser Situation taucht Meicoomon wieder auf, nur viel gefährlicher und kräftiger als jemals zuvor. Jeder der Digimon ist sich im Klaren darüber, dass es nur einen Weg gibt, beide Welten vor dem Untergang zu bewahren.

„Digimon Adventure Tri. 3: Confession“, Regie: Keitaro Motonaga, FSK 6, Cinemaxx Göttingen (ab 13. August)

Bigfoot Junior

Der 13-jährige Adam (Stimme: Lukas Rieger) ist an seiner Schule zwar ein Außenseiter – aber er findet heraus, dass er den coolsten Papa aller Zeiten hat: Der lange verschwundene Vater (Tom Beck) nämlich ist der legendäre Bigfoot, der sich zu seinem eigen Schutz und zu dem von Adam und dessen Mutter Shelly über Jahre tief im Wald versteckte. Denn das fiese Pharmazieunternehmen HairCo. ist hinter seiner DNA her, die ein enormes Haarwachstum ermöglicht, und schreckt auf der Jagd nach Bigfoot vor nichts zurück. Doch nun hat Adam mit seiner Suche nach seinem Vater auch HairCo. auf dessen Spur gebracht und Bigfoot und alle Bewohner des Waldes sind in Gefahr. Glücklichweise verfügt Adams haariger Vater über spezielle Kräfte und ist etwa unglaublich stark und kann sehr schnell rennen – und auch Adam selbst hat diese teilweise geerbt. Gemeinsam setzen sie sich zur Wehr.

„Bigfoot Junior“, Regie: Ben Stassen, Jérémie Degruson, FSK 0, Feilenfabrik Duderstadt (Vorpremiere am 13. August, 15.30 Uhr), Cinemaxx Göttingen (ab 17. August)

Das unerwartete Glück der Familie Payan

Nicole Payan ist 49 und sicher, dass sie in den Wechseljahren ist. Da bringt der Besuch beim Frauenarzt eine große Überraschung: Sie ist schwanger. Dabei hat sie schon alle Hände voll zu tun mit ihrer chaotischen Familie: ihrem arbeitslosen Ehemann Jean-Pierre, ihren erwachsenen Kindern Arielle und Vincent, ihrer schusseligen Mutter Mamilette und ihrer flippigen Enkelin Zoé. Nicole muss eine Entscheidung treffen. Und dass die ganze Familie dabei mitreden will, macht es nicht unbedingt leicher …
"Mit ihrem Spielfilmdebüt gelingt der französischen Regisseurin Nadège Loiseau ein wunderbares ‚feel-good movie - à la française'. Herzerfrischend erzählt sie die Geschichte einer liebenswerten, kleinbürgerlichen Familie am Rande des Chaos. Allen voran trägt Hauptdarstellerin Karin Viard als patente Frau, die kurz vor der Menopause überraschend schwanger wird, die liebevoll-ironische Familienkomödie. ... Wie bereits als taubstumme Bäuerin in der Erfolgskomödie ‚Verstehen Sie die Béliers?' nimmt sie die teilweise Einladung zur Groteske bravourös an."

„Das unerwartete Glück der Familie Payan“, Regie: Nadège Loiseau, FSK 6, Lumière Göttingen

Song to Song

Terrence Malicks neuer Film spielt in der pulsierenden Musikszene von Austin, Texas und erzählt von mehreren Liebesabenteuern, die er seine prominent besetzte Schauspielriege erleben lässt.
Der Musikproduzent Cook ist eine ebenso erfolgreiche wie exzentrische Lichtgestalt der beru?chtigten Musikszene von Austin. In der Hoffnung auf einen großen Durchbruch lässt sich die ambitionierte Musikerin Faye auf eine Affäre mit ihm ein, die ihr zum Verhängnis wird, als sie den aufstrebenden Songwriter BV kennenlernt und sich in ihn verliebt. Abseits des Rampenlichts entwickelt sich ein explosives Dreiergespann, dessen Protagonisten sich zwischen Liebe, Betrug und Sinnlichkeit treiben lassen.
Terrence Malick ("To The Wonder", "The Tree of Life") vereint diesmal nicht nur sein bewährtes Schauspielerensemble sondern präsentiert auch legendäre Musiker wie Patti Smith, Iggy Pop und die Red Hot Chili Peppers in Gastauftritten. Damit bietet SONG TO SONG eine besondere musikalische Kinoerfahrung und spannt den Bogen zu einem authentischen Lebensgefühl unserer Zeit, in der die Suche nach Ruhm und der Erfüllung der eigenen Träume jeden Schritt bestimmt.

„Song to Song“, Regie: Terrence Malick, FSK 6, Lumière Göttingen (ab 12. August)

Der junge Karl Marx

Paris 1844, die industrielle Revolution ist im vollen Gange. Der 26-jährige Karl Marx lebt mit seiner Frau Jenny im französischen Exil. Als er dort dem jungen Friedrich Engels vorgestellt wird, hat der notorisch bankrotte Familienvater für den Bourgeois und Sohn eines Fabrikbesitzers erst einmal nicht viel übrig. Doch der Dandy Engels hat gerade über die Verelendung des englischen Proletariats geschrieben, und er liebt Mary Burns, eine Baumwollspinnerin und Rebellin der englischen Arbeiterbewegung. Er weiß, wovon er spricht. Engels liefert das letzte Puzzlestück, das Marx zu einer rückhaltlosen Beschreibung der Krise noch fehlt. Marx und Engels haben denselben Humor und ein gemeinsames Ziel, sie können sich hervorragend miteinander betrinken, und sie respektieren und inspirieren sich als Kampfgefährten. Zusammen mit Jenny Marx erarbeiten sie Schriften, die die Revolution entzünden sollen.
Die sozialen und politischen Krisen brodeln, doch die Intellektuellen in Deutschland und Frankreich reagieren nur mit ausflüchtender Rhetorik. Marx und Engels wollen nicht mehr nur Theorie, sondern Wirklichkeit, sie wollen den Massen ein neues Weltbild geben. Doch dafür müssen sie die Arbeiterbewegung hinter sich bringen - nicht so leicht, denn mit ihrer jugendlichen Anmaßung stoßen Marx und Engels so manchem gestandenen Revolutionär vor den Kopf. Trotz Zensur, Polizeirazzien und internen Machtkämpfen lassen sie nicht nach in ihren Versuchen, eine neue Vision menschlicher Gemeinschaft zu formulieren.
Großes historisches Kino über die Begegnung zweier Geistesgrößen, die die Welt verändern und die alte Gesellschaft überwinden wollten: Karl Marx und Friedrich Engels. In großen Bildern und mit viel Sensibilität erzählt die deutsch-französische Produktion die Entstehungsgeschichte einer weltbekannten Idee als Porträt einer engen Freundschaft.

„Der junge Karl Marx“, Regie: Raoul Peck, FSK 6, Open Air Kino im Freibad Brauweg (10. August, 21 Uhr)

Lion - Der lange Weg nach Hause

Ein Tag wie jeder andere im Leben des fünfjährigen Saroo: Auf dem Bahnhof der indischen Kleinstadt, in der sein Bruder ihn für einige Stunden zurückgelassen hat, sucht er nach Münzen und Essensresten. Vor Erschöpfung schläft er schließlich in einem haltenden Zug ein und findet sich nach einer traumatischen Zugfahrt am anderen Ende des Kontinents in Kalkutta wieder. Wochenlang irrt er durch die gefährlichen Straßen der Stadt, bis er in einem Waisenhaus landet, wo er von Sue und John Brierley adoptiert wird, die ihm ein liebevolles Zuhause in Australien geben. 
Viele Jahre später lebt Saroo in Melbourne, ist beruflich erfolgreich und wohnt mit seiner Freundin Lucy zusammen. Er könnte rundum glücklich sein, doch die Frage nach seiner Herkunft lässt ihn nicht los, bis er einen Hinweis auf seinen früheren Wohnort und seine leibliche Familie findet.

„Lion - Der lange Weg nach Hause“, Regie: Garth Davis, FSK 12, Open Air Kino im Freibad Brauweg (11. August, 21 Uhr)

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NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag