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09:47 20.09.2017
Szene aus "Kingsman 2" Quelle: AP

Demgegenüber standen ausufernde Martial-Arts-Schlägereien sowie sehr direkt ausformulierte Gewaltexzesse, die dem Splatter- und Horrorkino entlehnt schienen. Das Ganze war eingebettet in eine Comic-Film-Atmosphäre. Diese Grundzutaten bleiben in „Kingsman: The Golden Circle“ die gleichen, auch wenn das Sequel mit dem Erbe des Vorgängerwerkes ziemlich respektlos umgeht.

Der Film ist noch keine halbe Stunde alt, da liegt die Londoner Zentrale bereits in Schutt und Asche, und bis auf zwei haben alle Agenten der Organisation gewaltsam den Tod gefunden. Schuld ist die Drogenkartell-Chefin Poppy (Julianne Moore), die zwar einen Jahresumsatz von 250 Milliarden Dollar macht, aber unter fehlender Anerkennung leidet. In der Einöde des kambodschanischen Dschungels residiert sie in einem Fünfzigerjahre-Themenpark.
Moore spielt die Schurkin als Albtraumversion einer frustrierten Hausfrau, die in der Küche einen überdimensionalen Fleischwolf hat, in dem gelegentlich in Ungnade gefallene Mitarbeiter entsorgt werden. In ihre Drogen hat Poppy nun ein todbringendes Gift gemischt, dessen Gegenwirkstoff sie zur Verfügung stellen will, wenn die USA ihren „War on Drugs“ endlich aufgeben. Aber der amtierende US-Präsident (Bruce Greenwood) hofft mit den vergifteten Drogen endlich die ganzen Junkies ein für alle Mal loszuwerden. Am Schluss wird ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn eingeleitet – eine hoffentlich visionäre Analogie zu den heutigen Zuständen im Weißen Haus.
Aber damit erschöpfen sich die politischen Verweise auch schon – „Kingsman“ gehört zur Spaßfraktion der Comic-Verfilmungen. Nach der Zerstörung ihres Geheimbundes suchen Eggsy (Taron Egerton) und Merlin (Mark Strong) Hilfe bei der US-Organisation „Statesman“, die sich in einer Bourbonfabrik etabliert hat. Jeff Bridges, Channing Tatum und Halle Berry als bebrillte IT-Spezialistin greifen ihnen unter die Arme und sogar Colin Firth, dessen Harry Hart im ersten Film für tot erklärt wurde, erlebt die Wiederauferstehung seiner Figur.  
Kingsman 2: The Golden Circle“,  Regie: Matthew Vaughn, 141 Minuten, FSK 16 Cinemaxx Göttingen, Northeim Schauburg, Schiller Lichtspiele Hann. Münden, Herzberg Central Lichtspiele

Von Martin Schwickert

Der Träumer im Suff: „Schloss aus Glas“

Das Leben mit Rex (Woody Harrelson) kann der Himmel sein. Wenn er nüchtern ist, verspricht es Outlaw-Romantik. Dann arbeitet er auch an einem Traumschloss für sich, seine  Frau Rose Mary (Naomi Watts) und die Kinder. Aber oft ist Rex betrunken. Dann ist das Leben mit ihm die  Hölle.

Jeannette Walls hat ihre Kindheitserlebnisse zu einem Buch verarbeitet, das zum Bestseller wurde. Destin Daniel Crettons Verfilmung von „Schloss aus Glas“ setzt 1989 ein, als die Heldin, gespielt von Oscar-Gewinnerin Brie Larson („Raum“), sich bereits in New York etabliert hat. Eine peinliche Begegnung mit den Eltern, die in Manhattans Müll nach Brauchbarem wühlen, weckt Erinnerungen.
Man kann nachvollziehen, warum ein Ausgleich mit dem Vater möglich ist. Denn Woody Harrelson verkörpert ihn mit einer schauspielerischen Glanzleistung in seiner ganzen Widersprüchlichkeit.  Ein wenig erinnert sein Rex an Viggo Mortensens „Captain Fantastic“, der seinen Kindern auch ein Außenseiterleben zumutete. Nur war der gefestigter. bra
„Schloss aus Glas“, Regie: Destin Daniel Cretton, 127 Minuten, FSK 12 Cinemaxx Göttingen

The Lego Ninjago Movie

Die sechs jungen Ninjas Lloyd (Stimme im Original: Dave Franco), Kai (Michael Peña), Nya (Abbie Jacobson), Jay (Kumail Nanjiani), Zane (Zach Woods) und Cole (Fred Armisen) beschützen ihre Heimatstadt Ninjago City heimlich vor Feinden und Monstern. Dazu nutzen sie ihre besonderen Fähigkeiten und greifen auf ihre Flotte an Mechs zurück. Trainiert werden sie von ihrem Lehrmeister Wu (Jackie Chan), der Lloyds Onkel ist und noch dazu ein ziemlicher Sprücheklopfer. Doch die Teenager bleiben bei ihren Heldentaten unerkannt und gelten tagsüber an der Highschool als Nerds und Geeks, die von vielen Mitschülern ignoriert werden. Noch dazu müssen sie sich nun mit dem bösen Warlord Garmadon (Justin Theroux) herumschlagen – Lloyds Vater! Und um in der großen Entscheidungsschlacht bestehen zu können, müssen die sechs Ninjas erst noch lernen, als Team zu agieren.

„The Lego Ninjago Movie“, Regie: Charlie Bean, 102 Minuten, FSK 6 Cinemaxx Göttingen, Northeim Schauburg, Feilenfabrik Duderstadt, Herzberg Central Lichtspiele

Hereinspaziert!

Der wohlhabende Autor Jean-Etienne Fougerole (Christian Clavier) hat gerade ein neues Buch geschrieben, in dem er die französische Elite dazu auffordert, ihre luxuriösen Wohnungen zu öffnen: Lasst die Armen und Obdachlosen bei euch wohnen! Während einer Fernsehdebatte im Zuge der Promotion des neuen Buches wird der Intellektuelle jedoch von seinem verhassten Widersacher herausgefordert, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. Um nicht das Gesicht zu verlieren, stimmt Jean-Etienne notgedrungen zu. Und so nimmt er gemeinsam mit seiner Frau, der Künstlerin Daphné (Elsa Zylberstein), eine vielköpfige Roma-Familie um Patriarch Babik (Ary Abittan) auf, die es sich mitsamt Wohnwagen und Hausschwein im weitläufigen Garten der Fougeroles gemütlich macht. Da ist das Chaos natürlich vorprogrammiert…

„Hereinspaziert!“, Regie: Philippe de Chauveron, 93 Minuten, FSK 6 Cinemaxx Göttingen

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