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Regional „Die Möwe“ von Anton Tschechow hat Premiere im Deutschen Theater
Nachrichten Kultur Regional „Die Möwe“ von Anton Tschechow hat Premiere im Deutschen Theater
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18:56 22.12.2013
Jagdtrophäe: Konstantin (Moritz Pliquet) tötet die Möwe und schockiert damit Nina (Anna-Katharina Diener). Quelle: Winarsch
Göttingen

Nach „Der Sturm“ und „Was ihr wollt“ hat sie nun „Die Möwe“ von Anton Tschechow für die Schauspieler zu einer feuchten Angelegenheit werden lassen.

Ihr Ehemann und DT-Intendant Mark Zurmühle hat Tschechows tragisch endender Komödie viel eigenes gelassen, um die Befindlichkeit der russischen Gesellschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert zu vermitteln. Die Themen – Jung und Alt, Stadt und Land, Liebe und Tod – sorgen für aber für eine gewisse Zeitlosigkeit.

Drei glückliche Paare könnten es sein, aber in dieser Konstellation  kommen die drei Frauen und drei Männer nicht zusammen. Sie und ihre Weggefährten sind auf dem Landgut im Birkenhain am See. Die Sommerfrische wird zum Wettbewerb um Gunst und Liebe.

Feines Gespür für Leidenschaft

Ihre helle, feine Kleidung verdeutlicht, dass sie sich bei keiner Arbeit schmutzig machen (Kostüme: Ilka Koops). Sie nehmen eine Auszeit, vertreiben sich die Zeit mit Theater, streiten über alte und neue Formen. Eine wiederkehrende Diskussion, die mit neuen Vorzeichen immer aktuell ist.

So wie das zerstörerische Beziehungsgeflecht, das Tschechow fein gewoben hat. Regisseur Zurmühle macht es mit feinem Gespür für Leidenschaft und Gleichgültigkeit  nder Selbstverliebten und Melancholiker sichtbar.

Die verzweifelt gut in ihren Rollen aufgehenden Unglücklichen Konstantin (Moritz Pliquet) und Mascha (Marie-Thérèse Fontheim) sind ebenso wenig zu retten wie Nina (Anna-Katharina Diener). Sie wird Schriftsteller Trigorin (Benjamin Krüger) ewig lieben und ihr Schicksal in Kauf nehmen, die Möwe zu sein.

„Aber zufällig kommt ein Mann vorbei, er sieht das Mädchen und richtet es aus lauter Langeweile zugrunde, wie diese Möwe hier“, sinniert Trigorin, den Krüger anfangs schüchtern, später berechnend gibt, bei der ersten Begegnung mit Nina. Sie verfällt ihm und in dieser Selbstaufgabe ist Diener eine so starke Figur wie Fontheim als Mascha, die trinkend und tanzend (Musik: Jan Exner) protestiert. 

„Sie können doch kürzen“

Sie haben nichts Besseres zu tun, als ihr Unglück zu leben oder wie Schauspielerin Arkadina ihrer Selbstverliebtheit treu zu bleiben. Angelika Fornell spielt die bekannte Aktrice und wenig mitfühlende „Scheiß-Mutter“ überzeugend eiskalt.  Dazu schafft der neutrale Beobachter Dorn das Gegengewicht.

Florian Eppinger ist der Arzt, der Verständnis für den jungen Dichter Konstantin hat und die Hysterie der Alten und Jungen in der Runde von Dichter bis Richter heilsam kommentiert. Als Konstantin mit einem langen Text hadert, empfiehlt Dorn: „Sie können doch kürzen“.

Ein guter Rat auch für  die Inszenierung, die Tschechows Faible für ländliche Langeweile zu sehr nachgibt. So beeindruckend manche Idee der Regie, so ausgezeichnet die schauspielerische Leistung – der tödliche Schuss ist nach mehr als zweieinhalb Stunden ein erlösender Schluss.

Die nächsten Vorstellungen von „Die Möwe“ im Deutschen Theater, Theaterplatz 11, am 27. Dezember,  7., 15., 17., 22. und 28. Januar um 19.45 Uhr im Großen Haus (Kartentelefon 0551 / 4969-11).

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