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"Die Rathaus-Amigos" aus Kiel in Göttingen

Kultur / Comedy "Die Rathaus-Amigos" aus Kiel in Göttingen

Schadenfroh lachen die 500 Zuschauer in der Göttinger Stadthalle. Zwei faule, unfähige und korrupte Mitarbeiter der Stadtverwaltung werden gefeuert. Die Comedians Baumann und Clausen, deren Beamtensatire auf 20 Radiosendern läuft, zeigten am Donnerstag ihr Programm „Die Rathaus-Amigos“.

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Stellen sich die Beamtenwelt vor und nehmen sie aufs Korn: Jens Lehrich (links) und Frank Bremser sind als "Baumann und Clausen".

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Eine Suppe will der neue Bürgermeister dem alt gedienten Oberamtsrat Alfred Clausen (Frank Bremser) spendieren. Das glaubt der bestechliche Bauamtsmitarbeiter nach einem ersten flüchtigen Blick auf das Schreiben vom Chef. Doch sein Freund, Hans-Werner „HaWe“ Baumann (Jens Lehrich) vom Passamt, liest genauer. Wegen Korruption „suspendiert“ steht dort. Da johlt das Publikum.

Beamte sind nicht sehr beliebt bei den Zuschauern, lehrt der Abend. Statt zu arbeiten, sitzen die faulen Brüder in Meetings („Mettings“, wenn es nur Schnittchen mit Mett gibt) oder telefonieren, wie in Baumann und Clausens täglicher Radio-Satire. Auf HaWes Frage an den Kollegen: „Käffchen?“ brüllt der ganze Saal Alfreds Antwort: „Bingo!“

Beamte lassen die Träume von Häuslebauern platzen, werden wegen eines eingeschlafenen Beins acht Wochen krank geschrieben und machen bereits mittags Feierabend. Doch das süße Nichtstun ist für Baumann und Clausen mit der Kündigung vorbei. Sie setzen ein Bewerbungsschreiben auf: „Geselliges Beamten-Duo sucht neue Herausforderungen ohne Anforderungen.“ Und: „Wo andere anpacken, lassen wir los.“

Am Ende will sie „der Dieter“ als Schlagersänger, als Rathaus-Amigos „kastrieren“, so Clausen. „Casten“ korrigiert Baumann den Oberamtsrat zur Begeisterung des Publikums. Den Rest geben den Zuschauern Alfreds rhythmische Beckenbewegungen zum Gesang.

Die beiden lästern über ihre Frauen. Clausens korpulente Ella „macht jeden Flur zur Sackgasse“, so der Ehemann. Baumanns Gertrud, die nur 1,30 Meter groß ist, setzt sich für gefährdete Baumarten ein. „Für Petersilie und Kresse“, lacht Clausen. Und der schwule Alien, der überraschend in Baumanns Wohnzimmer steht, ist eben mal „von hinten reingekommen“.

Zum Schluss des Programms erzählen die Comedians, wie sie als Volontäre, als Auszubildende, eines privaten Kieler Radiosenders vor 22 Jahren abends beim Bier die erste Folge geschrieben haben. Der Deutsche Beamtenbund habe sie kurz darauf wegen Beleidigung verklagen wollen, dann aber nach Prüfung der Aufnahmen um mehr Folgen gebeten. Und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident, Torsten Albig (SPD), habe in seiner Zeit als Kieler Oberbürgermeister den städtischen Auszubildenden die Sendung ans Herz gelegt: So sollten sie auf keinen Fall werden, erzählt Lehrich.

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