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„Die Trockenblumen – Krähenfüße spezial“ in der Musa

Deutsch-Türkisches Kabarett „Die Trockenblumen – Krähenfüße spezial“ in der Musa

„Deutsche sind wie Nacktscanner: Sicherheit geht vor Respekt“. Ayse, 56 Jahre alt und seit 43 Jahren in Deutschland, weiß, wovon sie spricht. Auch  Hildegard, rüstige Wuppertalerin Anfang 60, hat Klischees über Türken und wird selbigen über Deutsche mehr als gerecht.

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Integration auf beiden Seiten: Ayse (li.) und Hildegard überwinden sehenswert ihre Vorurteile.

Quelle: Heller

Göttingen. Zum Kaffeeklatsch mit einer „Muselmännin“ bringt sie neben Torte lieber auch Kuchengabeln und Sagrotan mit.

Lilay Huser und Marcia Golgowsky alias Ayse und Hildegard repräsentieren mit „Die Trockenblumen – Krähenfüße spezial“ am Sonnabend in der Musa vor 160 Zuschauern die Stereotypen ihrer Lebenswelten und zugleich eine deutsch-türkische Freundschaft, die mit der Zeit eine wundervolle Dynamik entfaltet.

Der Zusammenprall der Kulturen erfolgt zunächst in einem steckengebliebenen Fahrstuhl, woraufhin sich die beiden zum Kaffeeklatsch verabreden. Ayse hat sechs Kinder, wovon vier noch in ihrer Wohnung hausen. Ihr Mann Achmed ist vor 16 Jahren gestorben. Hildegard, seit 24 Jahren geschieden, kann immerhin mit einem Sohn („Richard,  er ist Privatdetektiv“), aufwarten.

Ihren derzeitigen Freund hat sie an der Käsetheke im Supermarkt kennengelernt. „Wo ist diese Käsetheke?“ will Ayse sofort wissen. Schnell wird klar: Die beiden haben trotz aller Kontraste einiges gemeinsam. Es sind nicht nur Klischees, die die beiden erfüllen, sondern auch die Ansprüche an eine echte Frauen-Freundschaft: Es wird gelacht, gestritten, gelästert und getanzt.

Verständnisschwierigkeiten entstehen nicht nur durch unterschiedliche Gewohnheiten oder Sprachprobleme Ayses, sondern auch durch den grobschlächtigen Ruhrpott-Dialekt Hildegards. Im Verlauf des Stücks wird deutlich: Hildegard ist regelkonformer und sittenbewusster als die spontane, dennoch traditionsbewusste Ayse, die entgegen aller Klischees gern mal ein Gläschen Cherry trinkt und unter dem Chatnamen „Schwarze Rose“ im Internet auf Männerfang geht.

Für ihre Freundin schlägt sie den bezeichnenden Spitznamen „Deutsche Eiche“ vor. Nach knapp  zwei Stunden heiterem Schauspiel ist den Zuschauern deutlich geworden: Integration heißt nicht nur Anpassung. Es heißt auch, sich nicht vollständig verbiegen zu lassen und sich kleine Eigenheiten zu bewahren.

von Katharina Kilburger

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