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Regional Witze, Widersprüche und böse Radfahrer
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00:16 26.10.2016
Dieter Nuhr mit "nur Nuhr" in Göttingen: „Ich hatte Angst, dass Satire verboten werden könnte.“ Quelle: Heller
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Göttingen

Anfang des Jahres habe er sich Gedanken um seinen Job gemacht, verriet nur: „Ich hatte Angst, dass Satire verboten werden könnte.“ Er sei dann sein Programm durchgegangen, habe aber keine Anspielungen auf Staatspräsidenten und Ziegenficken gefunden. Zur Frage, von seinem Kollegen Jan Böhmermann aufgeworfen, ob Satire alles darf, bezieht Nuhr gleich zu Beginn des Abends Stellung: „Satiriker dürfen nicht alles. Sie dürfen zum Beispiel nicht, ebenso wenig wie Staatspräsidenten, Ziegen ficken.“

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Dieter Nuhr mit "Nur Nuhr" in der Göttinger Lokhalle.

Den Drahtseilakt zwischen satirischer Überspitzung und Tabubrüchen beherrscht Nuhr auch ohne geklaute Beispiele von Böhmermann. Gezielte Provokation gehört dazu. Hin und wieder gerät es makaber, wenn er den Feldzug gegen Stalingrad mit einer Wetter-App koordiniert und beschreibt, wie Wehrdienstverweigerer sich fragen lassen mussten, was sie tun würden, wenn ein Russe mit Kalaschnikow vor ihnen aus dem Gebüsch springt, um die Freundin zu vergewaltigen und zu töten: „Man durfte nicht sagen, dass man die Panzerfaust benutzt. Nein, man musste ihm Frauen aus dem Bekanntenkreis vorschlagen oder fragen, ob er noch warten kann.“

Zum Lachen ist es nicht, wenn Nuhr vorschlägt, Raucher, die am Bahnsteig nicht in den dafür gekennzeichneten Bereichen rauchen „Nach Aleppo!“ zu schicken. Doch die unangenehmen Wahrheiten, oft erschreckend lustig, werden durch Nuhrs rasantes Tempo gemildert. Die Themen und Pointen verschränken sich und einmal eingeführte Begriffe werden immer wieder aufgegriffen, so wie „Ficken – ein Hilfsverb für Rapper, das wirklich alle anderen Verben ersetzt“ oder „das System“ als abstrakter Gegner von AfD-Unterstützern, Islamisten und Linksradikalen.

Bei allem Gewitzel über Ziegen, Burka, AfD, Islamisten und Manuela Schwesig verliert Nuhr jedoch nie die Kontrolle über seinen Witz und zieht eine klare Linie, die er an einer Stelle ohne Humor, aber mit Nachdruck unterstreicht: „Sind heute Abend Nazis hier? Bitte gehen Sie nach Hause, machen sie etwas Sinnvolles und schläfern Sie sich ein. Es ist mir auch übrigens egal, ob Rechts- oder Linksradikale. Jemand der eine Granate auf ein Flüchtlingsheim wirft, der ist genauso schlimm wie ein Linksradikaler der Steine auf einen Polizisten wirft, der am Abend seine zwei Töchter ins Bett bringen möchte.“

Mit ruhiger, manchmal nuscheliger Stimme nimmt Nuhr sein Publikum mit und klopft die Schlagzeilen des vergangenen Jahres auf Witz und Widersprüche ab. Zwischenrufe bindet er souverän und spontan ein, ohne ins Stocken zu geraten. Als er von einer Stellenanzeige in Saudi-Arabien für Henker berichtet, wird er gefragt, ob sich auch Frauen bewerben dürften. „Das entzieht sich meiner Kenntnis. Auf jeden Fall dürfen Sie nicht mit dem Auto hinfahren“, erwidert er schlagfertig.

Wer ein paar Monate keine Nachrichten geguckt hat, der kann sich von Nuhr auf den aktuellen Stand bringen lassen, denn er lässt kein Thema aus. Hinter den Sprüchen verbirgt sich politische Konsensmeinung hinsichtlich Nazis und Islamisten. Die einzigen, die sich wundern dürften, Nuhrs Feindbild zu sein, sind wohl die Radfahrer und Vegetarier. joe

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