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Regional Verhaftung in Granada
Nachrichten Kultur Regional Verhaftung in Granada
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00:31 29.04.2018
Der deutsch-türkische Schriftsteller Dogan Akhanli Quelle: epd
Göttingen

Seine Festsetzung aufgrund eines Interpol-Haftbefehls am 19. August 2017 sorgte international für Proteste. Eine Nacht musste der Schriftsteller Dogan Akhanli , dem Ankara 1998 die türkische Staatsangehörigkeit entzogen hatte und der seit 2001 deutscher Staatsbürger ist, im Gefängnis verbringen. Zwei Monate lang durfte er das Land nicht verlassen. Dann entschied der Ministerrat dem Auslieferungsgesuch der Türkei nicht statt zu geben. Der Autor nutzte den Zwangsaufenthalt, um über seine Eindrücke ein Buch zu schreiben: „Verhaftung in Granada, oder: Treibt die Türkei in die Diktatur?“ 2018 ist es erschienen.

Vier Festnahmen

„Vier Mal bin ich im Laufe meines Lebens festgenommen worden“, erzählte Akhanli seinen 30 Zuhörern im Victor-Gollancz-Haus der Gesellschaft für bedrohte Völker. 1975 habe er als 18-jähriger Student „aus Neugier“ am Kiosk eine kommunistische Zeitung gekauft und deshalb ein paar Monate im Gefängnis verbringen müssen. Bei der Vernehmung hätten ihn die Polizisten mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen. Die Haft habe damals viele „junge, entschlossene Menschen“ mit den kritischen Intellektuellen des Landes, „den Legenden der 68er“, zusammengebracht. Er habe als Kommunist das Gefängnis verlassen.

Nach dem türkischen Militärputsch 1980 sei er untergetaucht, berichtete der Schriftsteller. Fünf Jahre später sei er erneut verhaftet worden. Diesmal habe er zweieinhalb Jahre hinter Mauern verbringen müssen. Er sei einer jener linken Gefangenen gewesen, die jeden Kompromiss mit dem Staat verweigert hätten. Trotz Kälte habe er nicht einmal Gefängniskleidung getragen. 1991 sei er als Asylsuchender nach Deutschland gekommen.

Der Schriftsteller hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit Völkermorden beschäftigt, nicht zuletzt mit dem an den Armeniern und aramäischsprachigen Christen 1916 im damaligen Osmanischen Reich. Dieser Genozid werde nicht nur vom türkischen Staat, sondern auch von Kommunisten des Landes geleugnet, sagte Akhanli. Wohl wegen dieses Engagements sei er 2010 beim Versuch der Einreise in die Türkei erneut für einige Monate inhaftiert worden.

Akhanlis Staatsanwalt wird heute selbst verfolgt

„Der Staatsanwalt, der mich damals zu Unrecht anklagte, wird seit dem Putschversuch von 2016 als Gülenist gesucht“, wusste Akhanli. 50 000 angebliche Verschwörer, die sogenannten „Gülenisten“, säßen heute in der Türkei in Haft. Unter ihnen befänden sich viele jener Richter, Staatsanwälte und Offiziere, die zuvor gegen Linke und Kurden vorgegangen seien. Sie würden heute von Vertretern jenes Staates, dem sie gedient hätten, gefoltert und teilweise vergewaltigt. Die Selbstmordrate unter ihnen sei hoch. Diejenigen, die nach Deutschland geflohen seien, schwiegen.

Die Haftzeiten haben Akhanlis Mitgefühl gestärkt. Einem Kriminellen, der ihm 2010 im Gefängnis einen Apfel geschenkt habe, schreibe er noch heute Postkarten, erzählte er. Dem in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel habe er 50 Karten geschickt, von denen aber keine ausgehändigt worden sei. Immerhin habe die Gefängnisleitung so gewusst, dass der Häftling draußen nicht vergessen sei. Der Autor warb für Solidarität mit Gefangenen und für mutiges Eintreten gegen Unrecht.

Von Michael Caspar

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