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Dominik Halmer stellt im Künstlerhaus Göttingen aus

„Zugriff und Anteilnahme“ Dominik Halmer stellt im Künstlerhaus Göttingen aus

Ein schwarzer Medizinball steckt in einem fein aus Nussbaumleisten zusammengesteckten Quader, schräg unten leuchtet eine Glühbirne. Sie ist es, die auf die unten aufgestellte helle Leinwand einen dunklen Fleck brennt. Oder doch nur eine Sonnenfinsternis projiziert?

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Respektvoll respektlos unterwegs in der Kunstgeschichte: der Künstler Dominik Halmer.

Quelle: Heller

Göttingen. Astronomischer Apparat, physikalische Versuchsanordnung, turnerische Trainingsstätte oder modernes Möbel? Kunst, die ihre  Bestimmung selbst konstruiert? Das ungewöhnliche Objekt Dominik Halmers ist Teil seiner derzeit im Künstlerhaus gezeigten Ausstellung „Zugriff und Annahme“. Installationen, Fotogramme, Objekte, Malerei, fein gefügte Bauten, Arbeiten auf Papier und Leinwand sind in den Räumen der oberen Galerie zu sehen.

In freien Bahnen bewegen sich die Ideen und Assoziationen voran, Halmer gibt ihnen Ort und Größe, Farbe und Form, beliebig geht er dabei nicht vor. Halmer gleitet wie sein Himmelskörper auf strengen Bahnen weiter durch die Kunstgeschichte, die er – vor seinem Studium der freien Kunst in Düsseldorf und Wien – in Berlin studierte.

Einem malerisch akribischen Nachgänger der Postmoderne ist Eklektizismus nichts Verwerfliches, denn er weiß um die Kunstgeschichte und kann mit den Merkmalen der einstmals innovativen Stilrichtungen arbeiten.

Im gemalten Snoopy treffen sich die Popgeschichte und die spiegelnden Hundekörper Jeff Koons’, unweit findet sich ein Raum im Konvexspiegel wie bei Jan van Eycks Arnolfini-Hochzeit; Modigliani, der Surrealismus, der Realismus, Sol Lewitts Konstruktionen, selbst Horst Antes kopflastige Kunstfiguren tauchen auf.

Der Betrachter bahnt sich den Weg

Doch nicht Form und Motiv allein bestimmen die Denkrichtung der Bilder und Objekte. Auch die Diskurse der Geschichte der Malerei werden angesprochen, sei es der Malerwettstreit zwischen Parrhasios und Zeuxis und die Frage nach dem verblüffendsten Trompe l’oeil, die Gedanken zu Form und Material – Nussbaum, Ton, Lack, Leinen – und vor allem die der Bedeutungsperspektive klingen an. 

In einem neuen Kontext, dessen Bedeutung sich nicht eben sofort vermittelt, dessen Sinnstiftungen sogar eigenhändig erst einmal geknüpft werden müssen, bahnt sich der Betrachter seinen eigenen Weg, setzt sich mit sich selbst ins Benehmen über die dargestellten Dinge und auch schon einmal selbst ins Bild – indem er sich vor den Bilderrahmen mit Holzsitzbank hockt.

Es wird vernetzt und verknüpft und voller Humor jeder Faden weiter verzweigt oder gekappt: Jede Erkenntnis steht weiterhin in Frage.

Von Tina Lüers

Die Ausstellung im Künstlerhaus, Gotmarstraße 1 in Göttingen, ist noch bis zum 5. Mai dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr und an den Wochenenden von 11 bis 13 Uhr zu sehen.
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