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Doppelbödigkeit aus Trivialität und Geistigkeit

Chanson-Konzert im Lumière Doppelbödigkeit aus Trivialität und Geistigkeit

George Brassens gehört zu den wichtigsten französischen Chansonniers des 20. Jahrhunderts. Er übte auch starken Einfluss auf die Nachbarländer Frankreichs aus. Die Deutsch-Französische Gesellschaft Göttingen ist sich der Wichtigkeit seines Schaffens für die europäische Liedermacherszene  bewusst und lud das „Trio Brassens“ ins Göttinger Lumière.

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Mit flexiblem Gesang: zwei Musiker des „Trio Brassens“ aus Frankreich.

Quelle: Heller

Göttingen. Angesichts der immer noch als legendär zu bezeichnenden Reputation Brassens‘, überraschte es nicht, dass das kleine Programmkino aus allen Nähten platzte. Das vom Trio um Lionel Fenoy (Gesang und Gitarre), Bernard Fougerol (Gitarre) und Joannès Kotchian (Bass, Percussion) „Ballade en Brassensie“ getaufte, französischsprachige Programm erwies sich dem Schaffen des Chansonniers gewachsen.

Da Brassens, der sich in seiner Jugend intensiv mit den Meistern der französischen Dichtkunst beschäftigte, wie kein zweiter Literatur und Musik in seinem Werk vereint, ist es nur folgerichtig, dass die drei Musiker die dargebotenen Lieder mit Texten Brassens‘ umrahmten. Die Inhalte mögen auf den ersten Blick einfach daherkommen, es geht um das alltägliche Leben, den Tod und natürlich die Liebe – doch unter dem Deckmantel der Alltäglichkeit verbergen sich zahlreiche Anspielungen auf französische Literaten. Es ist diese Doppelbödigkeit aus Trivialität und Geistigkeit, die sein Schaffen für die unterschiedlichsten Hör- und Lesegewohnheiten so faszinierend machen.

Fenoys Stimme transportierte die hintersinnigen Botschaften mit beeindruckender Flexibilität zum Publikum: Mal sang er einfühlsam über Liebeskummer, mal bellte er wütend über die Polizei, die vom Anarchisten Brassens allzu oft aufs Korn genommen wurde. Fougerol begleitete ihn dabei versiert, seine Sololinien woben sich dabei äußerst gewinnbringend um das akkordische Spiel seines Kollegen. Zusammen mit Kotchian, der wechselnd am E-Bass oder an einem spartanischen Drumset begleitete, ergab sich ein swingendes Fundament für die äußerst hörenswerten Texte.

Für die drei Künstler war es übrigens der erste Auftritt in Deutschland, weshalb sich Fenoy und Fougerol die Mühe machten, manche Texte auch auf Deutsch vorzutragen. Aber letztlich sind die Chansons von Brassens Motivation genug, sein Französisch wieder ein bisschen aufzupolieren.

Von Jonas Rohde

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