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Doris Dörrie inszeniert Oper „Admeto“ mit japanischem Butoh-Tanz

Händel-Festspiele Doris Dörrie inszeniert Oper „Admeto“ mit japanischem Butoh-Tanz

Japanischen Butoh-Tanz und europäische Barockmusik hat Regisseurin Doris Dörrie in Händels Oper „Admeto“ zusammengefügt. Ihr Ansatz hat sich in der Premiere am Dienstag, 26. Mai, als überraschend stimmig erwiesen. Das Publikum im ausverkauften Deutschen Theater feierte die Inszenierung der Göttinger Händel-Festspiele mit Standing Ovations. 

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Opfertod der liebenden Gattin: Admeto (Tim Mead) trauert um die entseelte Alceste (Marie Arnet).

Quelle: Theodoro da Silva

Eine Kreuzung aus dem Orpheus-Mythos, Opfertod, einer Dreierbeziehung und den Taten den Herkules: das ist, arg vereinfacht, die Grundstruktur der Handlung von Händels Oper „Admeto“. Zu Anfang ist Admeto, mit Alceste vermählt, todkrank. Am Ende – nachdem Alceste für ihn den Opfertod gestorben ist und von Herkules zurück zu den Lebenden geholt wurde – kann sich Admeto nicht zwischen seiner wiedererstandenen Gattin und der (ebenfalls überraschend lebendigen) Antigona entscheiden. Doch das Ende ist glücklich: Antigona verzichtet und nimmt eben einen andern. Aus Moll wird Dur.

So banal und verschroben das klingt, so edel ist die Musik, die Händel dazu geschrieben hat. Doris Dörrie hatte die kühne Regie-Idee, europäische Barockmusik mit japanischem Butoh-Tanz zu vereinen, ist – so absurd das zunächst anmuten mag – vollkommen stimmig. In den von Tadashi Endo mit einer zehnköpfigen Kompagnie choreografierten Tänzen werden die Affekte der handelnden Personen auf eine sehr eindringliche Weise ins Bild gesetzt. Erschreckend handgreiflich wird die von Endo getanzte Eifersucht, eine Figur, die auch immer wieder die Nähe des Todes symbolisiert.

Der Tanz vertieft das, was die Musik aussagt, er berührt und kontrastiert mit der ihm eigenen Langsamkeit die häufig rasch bewegte musikalische Sprache. Das ergibt eine reizvolle, besondere Spannung.

Japanisch sind auch die meisten Elemente des Bühnenbilds mit seinen transparenten Wänden und die opulenten Kostüme (Bernd Lepel). Im letzten Akt kehrt das Bühnenbild nach Europa zurück – wir blicken auf den Großen Garten in Herrenhausen mit seiner Fontäne. So hübsch diese Wendung für lokalpatriotische Gemüter sein mag: Im Kontext der Inszenierung wirkt dies allerdings etwas inkonsequent.

Perfekte Koloraturen

In den Arien, vor allem für Alceste und Antigona, aber auch für Admeto, hat Händel sein Füllhorn schönster melodischer Blüten ausgeschüttet. Die beiden Primadonnen – Marie Arnet als Alceste und Kirsten Blaise als Antigona – steigerten sich von Arie zu Arie, zeigten wunderbare Pianokultur und perfekte Koloraturen. Tim Mead in der Titelrolle setzt seinen warm timbrierten, edlen Altus ausgesprochen flexibel ein und rührt den Hörer mit seinen Trauerarien zutiefst an. 

William Bergers mächtiger Bass passt perfekt zur heldischen Rolle des Herkules (den Lepel als Sumo-Ringer ausstaffiert). In kleineren Partien gaben der – etwas freizügig mit seiner Stimmkraft umgehende – Bassist Wolf Matthias Friedrich (Meraspe) und Altus Andrew Radley (Orindo) ihren Figuren klare Konturen. Der Altus David Bates feierte in der Rolle des Trasimede sein Bühnendebüt. Bei ihm wünscht man sich noch ein wenig mehr Präzision in der Intonation.

Nach etwas zähem Beginn fand das Festspielorchester Göttingen rasch den angemessen dramatischen Gestus. Bläsersoli (etwa Traversflöte und Hörner) setzten Farbtupfer. Und die entspannt-befeuernde Kraft von Dirigent Nicholas McGegan war den ganzen Opernabend lang, fast vier Stunden lang, spürbar.

Für die weiteren Termine (28. und 30. Mai, 1., 2. und 3. Juni) gibt es eventuell an den Abendkassen Restkarten. Heute um 19 Uhr gibt es „Admeto“ draußen und umsonst: auf Großbildleinwand am Kiessee mit Feuerwerk-Finale. Ein kostenloser Buspendeldienst zum Kiessee läuft von 18 bis 24 Uhr ab Stadthalle.

Von Michael Schäfer

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