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Dramatik zwischen Professor und Studentin

„Oleanna“ am Jungen Theater Dramatik zwischen Professor und Studentin

John ist Professor an der Universität – zumindest fast. In einer Woche soll er berufen werden. Dann wäre seine Lebensziel erreicht. Dann kommt Carol in sein Büro. Sie studiert im zweiten Semester und braucht dringend diesen Leistungsnachweis von John. Der allerdings erklärt ihr, dass ihre Leistung nicht ausreichend ist.

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Führt Regie: Ina Annett Keppel.

Quelle: Theodoro da Silva

Fortan entspinnt sich ein Machtkampf zwischen den beiden, der eskaliert. „Oleanna“ heißt das Stück, das David Mamet geschrieben hat. Regisseurin Ina Annett Keppel inszeniert es am Jungen Theater (JT) Göttingen, das für diese Produktion mit dem Gleichstellungsbüro und der Geschlechterforschung der Universität Göttingen kooperiert.

„Carol ist etwas überfordert“, sagt JT-Dramaturg Udo Eidinger, sie sei noch nicht angekommen in der wissenschaftlichen Sprache. Er schildert sie als anfangs „naiv und eindringlich“. Das erste Gespräch zwischen den beiden werde dominiert von permanenten Missverständnissen, bis John beschließt, Carols dürftiges Referat zu vergessen und ihr die Note Eins zu geben. Doch dann muss er zu dem Haus, das er mit seiner Ehefrau kaufen will – und lässt Carol mit ihrem Problem alleine. Die beschließt, Vergeltung zu fordern. Sie torpediert seine Berufung und zeigt ihn an wegen sexuellen Übergriffs. Johns Leben droht, zerstört zu werden. Doch wer trägt tatsächlich die Schuld an der Eskalation?

Es sei ein sehr sensibles Thema, sind sich Eidinger und Keppel einig. Das Verhältnis zwischen den Protagonisten balanciere auf einem ganz schmalen Grat. „Es kippt immer wieder hin und her“, erklärt die 33-jährige Regisseurin. Als Zuschauer müsse man seine Sehgewohnheiten hinterfragen: Gab es Übergriffe von John? Dramatisiert Carol? Die Frage nach Strukturen und Machtverhältnissen steht im Zentrum der Auseinandersetzung.

Jan Reinartz spielt den Professor, der – vielleicht selbst verschuldet – am Abgrund steht. Henrike Richters ist Carol, die sich gegen Johns Übergriffe wehrt – wenn es sie denn gegeben hat. Eine heikle Frage, die vor allem in der Göttinger Universität verhandelt wird. Denn dort werden bis auf zwei Abende im JT alle Vorstellungen gespielt. Ort ist der Hörsaal AP26, Goßlerstraße 10.

Die Premiere am Mittwoch, 21. November, beginnt um 20.30 Uhr. Die erste Vorstellung im JT, Hospitalstraße 6, am Donnerstag, 22. November, beginnt um 20 Uhr. Kartentelefon: 05 51 / 49 50 15.
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