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Drei Damen, drei Instrumente

Händel-Festspiele Drei Damen, drei Instrumente

Im Rahmen der Händel-Festspiele Göttingen waren Bibi Heal, Diana Moore, Cécile van de Sant und Gerrit Zitterbart in der Aula am Wilhelmsplatz zu Gast. Die Besucher erlebten am Montag ein außergewöhnliches Konzert.

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Im Duett: Bibi Heal (Mitte) und Diana Moore (rechts), begleitet von Gerrit Zitterbart.

Quelle: Heller

Händels Rezeptionsgeschichte wurde in der Uniaula an drei historischen Tasteninstrumenten erlebbar: Der Göttinger Pianist Gerrit Zitterbart hatte ein Cembalo etwa des Typs, den Händel in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts kannte, einen Nachbau eines Wiener Hammerflügels aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert, wie ihn Beethoven gespielt hat, und einen Flügel aus dem späten 19. Jahrhundert (mit Metallrahmen und Pedal, für Liszt) mitgebracht. Auf diesen Instrumenten stellte Zitterbart Händels Cembalo-Suite Nr. 9 mit einer Chaconne mit nicht weniger als 62 Variationen dar. Auf dem späten klangmächtigen Konzertflügel wirkte Händel verloren, zumal Pedaleinsatz ihn um sein Flair brachte, während das Spiel auf dem Anton-Walter-Instrument von 1795 kleinmotivische Transparenz wahrte und von jedem unhändelschen Donner frei war. 

Beethovens Streben bis an die instrumentalen Grenzen und darüber hinaus führte Zitterbart an dessen 32 Variationen für Klavier c-Moll WoO 80 vor. Dass Franz Liszts Verarbeitung einer Sarabande und Chaconne nicht wirklich als Händelrezeption, sondern als bloße inspirative Laune angesprochen werden kann, wie die Musikwissenschaftlerin Christiane Wiesenfeldt auf dem Händel-Symposium ausgeführt hatte, war ohrenfällig. Zitterbart gestaltete hier eine kraftvolle Meditation mit reichen orchestralen Farben.

Mädchenhafter Sopran

Vor und nach diesen pianistischen Lektionen begleitete Zitterbart drei Sängerinnen bei Duetten aus Händel-Opern. Hier erfreute besonders der bewegliche, mädchenhafte Sopran der jungen Engländerin Bibi Heal. Herrlich, wie gleich im ersten Duett sich ihre helle Stimme um die dunkler gefärbte, gleichsam mütterlich wirkende Stimme von Diana Moore in endlosen Koloraturen schlang. Freundlich-strahlend konzertierten beide „No, di voi non vo’ fidarmi“, das Händel später als „For unto us a child is born“ in den Messias aufnahm.

Im Duett mit der klangmächtigen Altistin Cécile van de Sant hatte es Heal nicht immer ganz leicht, vermied es aber selbstbewusst, durch Krafteinsatz den hinreißenden Charme ihrer Stimme zu beeinträchtigen. Mit van de Sant und Moore hatten sich zuvor zwei in etwa gleichstarke Partnerinnen als dramatisches Duett („Ahi, nelle sorti umane“) zusammengefunden. Anhaltender Applaus.

Von Karl Friedrich Ulrichs

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