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Regional „Drei Tage Wach“ im Göttinger Exil
Nachrichten Kultur Regional „Drei Tage Wach“ im Göttinger Exil
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00:19 09.05.2013
Mit durchdachter Dramaturgie: die Musiker um Sänger Oliver Hennis. Quelle: Heller
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Göttingen

Der Vergleich hinkt aus mehreren Gründen – die Musik der in Göttingen gegründeten Band, die bis 2012 unter dem Namen „Midas Inc.“ unterwegs war, funktioniert hingegen tadellos. Im Live-Club „Exil“ haben sie nun ihr Debütalbum „Endlich“ vorgestellt.

Das einzige was an diesem Abend an Boybands erinnerte, war die Eröffnung des ersten Songs mit dem Rücken zum Publikum. Der Rest war eine musikalisch und textlich gut durchdachte Mischung aus Rock, Pop, Elektro und einer Prise Kommerzpunk für das Image.

Für die elektronischen Klänge ist Keyboarder Alber Bunger verantwortlich, der sich ziemlich tief bücken musste, um die Tasten zu erreichen – den gut gesetzten Synth-Parts schadete das aber nicht. Neben dem Schlagzeuger Pablo Marín Perera war es vor allem Markus Salvador Winter, der diesen Riffs rhythmische Triebkraft verlieh: Sein gut akzentuiertes Bassspiel reibt sich gerne minimal am Metrum und verlieh den fast durchweg tanzbaren Songs der Band den Großteil ihrer Kraft.

Die restliche Energie erzeugten Hannes Wilke und Malte Kanthack an den Gitarren mit genretypisch sattem Akkordspiel – rhythmisch immer auf den Punkt.

Sprachlich durchaus reizvoll verpackt

Sänger Oliver Hennis zeichnet auch für die Texte verantwortlich, die nach Eigenaussage durch „intellektuelle Oberflächlichkeit“ charakterisiert sind. Genauso wie beim Vergleich mit den Sex Pistols stimmt da natürlich was nicht. Es lohnt sich nämlich durchaus, einmal genauer hinzuhören.

Ein wenig Bandromantik, Träume vom Durchbruch und Sozialkritik sind zwar keine besonders neuen Themen, aber sprachlich durchaus reizvoll verpackt. Insbesondere die sehr enge Verknüpfung der Texte mit ihrer Musik lässt durchscheinen, dass „Drei Tage Wach“ nicht einfach Worte zu Akkorden sucht, sondern beide Ebenen gleichwertig zusammenzufügen vermag.

Durchdachte Dramaturgie statt plakativer Willkür bringt schließlich Licht in den Indie-Dschungel.

Schade war an diesem Abend nur eines: Das Publikum passte fast vollständig in die nicht besonders groß bemessenen „Exil“-Toiletten. Was erstmal komisch klingt, basiert auf einer wahren Begebenheit: Die Musiker von „Drei Tage Wach“ haben es mühelos geschafft, ihre Hörer während eines Songs zum Partymachen auf die Toilette zu schicken. Warum auch nicht? Andere Bands tun sich schon schwer, ihr Publikum zum Klatschen zu bringen.

Von Jonas Rohde

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