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Dunst und aufstiebende Feuchtigkeit

„Usva/Nebelbänke“ Dunst und aufstiebende Feuchtigkeit

Leena Krügers Bilder sind wie ein immerwährender Abschied. Ein Blick zurück birgt ein nicht enden wollendes Wiedererkennen, die einzig mögliche Heimat liegt im Nebel. Auseinandergerissene Welten vereinen sich scheinbar unter den hellen Oberflächen, Kontraste brechen an den Rändern, in der Mitte weist Lineares voraus in eine Welt.

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Einer der 95 Seen im finnischen Espoo: die Göttinger Malerin Leena Krüger und ihre Heimat.

Quelle: Heller

Einer der 95 Seen von Espoo liegt flach und wie von Eis und Schnee bedeckt da. Streifig trennt sich die Oberfläche in Spiegelndes und stumpfe Partien, Raureif liegt da, Verwehungen vielleicht. Dunkler Wald zieht sich an den Rändern hin, er findet sich im Wasser wieder, alles scheint fern, unnahbar und zugleich vertraut. Ein breiter Mast teilt den Wald, ragt hoch hinauf, überwindet den Rand des Malgrundes. Ein Windrad – weitere, schmalere Senkrechte gliedern den klaren kalten Himmel des Malgrundes


Mit ihrer Ausstellung „Usva/Nebelbänke“ zeigt Leena Krüger im Asklepios Fachklinikum Göttingen derzeit Bilder vor allem dieses und des vergangenen Jahres, nur einige Arbeiten gehen zurück bis 2005. Doch längst liegen nicht alle Sujets dieser Ausstellung im Nebligen, im Bereich heller, weißer Töne und differenziertesten Graustufen. Klingt oft ein Grün an, gemahnt es an die Landschaftlichkeit der Bilder, sie liegt mal im Moorigen, mal im Wald oder freien Flächen. Leuchtendes Blau, ein Rosé, Violett fast, widersprechen der reduzierten, so klaren Bildsprache. Starke Kontraste in der Malweise variieren zum Teil konsequent innerhalb einzelner Bilder, spitzen sie zu, an anderer Stelle überdecken sie statisch die Nachdrücklichkeit.

In „Usva 3“ hingegen nimmt Bewegung ein zentrales Element ein. Die Diagonalen aus Dunst und aufstiebender Feuchtigkeit, die sich, einem nebligen Fluchtpunkt folgend, in den Bildraum schieben, erinnern an William Turners „Regen, Dampf, Geschwindigkeit“, werden gehalten allein von einem weißen Gestänge, dessen Funktion im Nebel auf das Lineament reduziert ist. Die Bilder sind dort am stärksten, wo sie am klarsten sind. Abseits der sehr farbigen, sehr gegenständlichen Arbeiten. Dort sind die Gemälde analog zum Abschied auch wie eine immerwährende, verlangte Ankunft. Das Wiedertreffen liegt ein paar Schritte hinter der ersten Undurchdringlichkeit der Nebelwand.

„Usva/Nebelbänke“ ist bis zum 14. Februar montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, sonnabends und sonntags von 10 bis 12.30 Uhr im Asklepios Fachklinikum Göttingen, Rosdorfer Weg 70, zu sehen.

Von Tina Lüers

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