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„Duo Fado Instrumental“ im Goethe-Institut

Portugiesische Gitarre „Duo Fado Instrumental“ im Goethe-Institut

Fado ist das affektreiche Musik- und Vortragsgenre, das zu einem der Sinnbilder von Portugal geworden ist. „Fado“ ist das portugiesische Wort für Schicksal, ebenso ausdrucksstark klingt die Musik, zu der eigentlich ebenso emotionale Texte gehören. Jan Dijker und Oliver Jaeger bewegen sich als „Duo Fado Instrumental“ ohne Worte durch diese Musik.

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Mit technischer Raffinesse: Jan Dijker (li.) und Oliver Jaeger.

Quelle: SPF

Göttingen. Ihr Ansatz überzeugt aber dennoch durch technische Raffinesse, Improvisation und der Kombination verschiedener Tonsprachen. Davon konnten sich die Zuschauer im Rahmen der portugiesischen Kulturwochen bei einem Konzert im Göttinger Goethe-Institut überzeugen.

Dijker spielt die für den Fado charakteristische portugiesische Gitarre: zwölf paarig angeordnete metallische Saiten schmiegen sich an ein schmales Griffbrett, zusammen mit dem birnenförmigen Resonanzkörper erzeugt sie so eine helle Brillanz im Ton, die sich äußerst vorteilhaft um den wärmeren Klang der spanischen Gitarre Jaegers legt. Besonders reizvolle Klangfärbungen ergeben sich zudem, wenn Jaeger in manchen Stücken zum Bandoneon greift.

Das Repertoire ihres Programms „Magie der portugiesischen Gitarre“ bilden Fado-Stücke von Gitarristen wie Armando Salgado Freire oder Carlos Paredes, aber es lassen sich auch brasilianische und venezolanische Einflüsse finden. Der Walzer „La Partida“ beispielsweise ist eine bekannte Volksweise aus Venezuela, die, wie Jaeger augenzwinkernd berichtet, einen Gast symbolisieren soll, der partout nicht nach Hause gehen will. Die Musik des Duos wird oft von solchen Bildern eingeleitet, die programmatischen Moderationen Jaegers sind eine willkommene Ergänzung zu den verspielten Liedformen.

Keine außermusikalischen Ablenkungsmanöver nötig

Das bedeutet freilich nicht, dass das Programm außermusikalische Ablenkungsmanöver nötig hätte. Dijker und Jaeger stellen zahlreiche Eigenkompositionen vor, die sich zwar oberflächlich in die Klangsprache des Fado einzugliedern scheinen, aber doch hörbar mit anderen Genres durchsetzt sind: Insbesondere Dijker hört man seine Erfahrungen als Jazzgitarrist deutlich an, die aus abwechselnden Akkordsequenzen bestehenden Stücke bieten für improvisatorische Ausflüge auch einen fruchtbaren Nährboden. Beiden Musikern ist ein Lob für ihren virtuosen, aber ungezwungen dargebotenen Blick nach Portugal auszusprechen.

Schade ist nur, dass die Geräuschkulisse im Goethe-Institut oft mehr einem zugigen Bahnhof gleicht. Wie soll man schon an das Meer denken, wenn unter den Schritten von unvorsichtigen Zaungästen das Parkett quietscht?

Von Jonas Rohde

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