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„Echt Pop“: New York im flackernden Neonlicht

Göttinger Literaturherbst „Echt Pop“: New York im flackernden Neonlicht

Lesungen bestimmen das kulturelle Angebot, wenn in Göttingen Literaturherbst ist. In diesem Jahr kommen vom 8. bis 17. Oktober mehr als 34 Schriftsteller nach Göttingen. Den rauen Charme von New York fängt Carl Weissner in „Manhattan Muffdiver“ ein.

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Blick auf die Skyline von Manhattan: Häuserschluchten und menschliche Tiefen.

Quelle: dpa

Ein usbekisches Ganovenpärchen in Queens, die Premiere eines Hongkong-Gangsterfilms in der Houston Street, die New York Public Library zur Mittagszeit oder Coney Island am Memorial Day… Mit skurrilen, realen wie fiktiven Orts- und Personenbeschreibungen kartographiert Carl Weissner ein New York City abseits von Beschönigung und Romantik. Und legt mit Manhattan Muffdiver einen Roman vor, der den rauen Charme einer flackernden Neonleuchte hat.

Der aus Karlsruhe stammende Weissner ist durch seine Übersetzungen von Charles Bukowski und Beat-Literat William S. Burroughs bekannt geworden. Manhattan Muffdiver ist Weissners erstes, auf Deutsch geschriebenes Buch. Die Handlung ist episodenhaft und unvermittelt – den roten Faden bietet nur die Rahmenhandlung: Die mit Weissners Sarkasmus und Beobachtungsgabe gesegnete Erzählfigur ist für drei Monate in New York, um einen Death Metal Krimi zu schreiben, der in Paris spielt.

Die Handlungselemente, die der Leser vom an Amnesie leidenden Krimiroman-Protagonisten erfährt, sind aber eher spärlich. Denn der Erzähler schweift ab, ein Flaneur, der die ungeheuren Häuserschluchten des Big Apple als menschliche Tiefen und Abgründe entlarvt. Als ungeheuren City-Dschungel unverhoffter Begegnungen und Begebenheiten, die es zu erforschen gilt. Die Geschichten spielen im Hier und Jetzt. In zahlreichen Seitenschwenks taucht Weissners Alter Ego auch ein in die 50er Jahre, als die Beat Generation das New Yorker East Village bevölkerte.

Wir erfahren von Bohemiens und Bewohnern des legendären Chelsea Hotels, der Bestechlichkeit des Apartment-Doormans in der 34. Straße, dem neuen Stammlokal des Erzählers, der „Islamisten-Kneipe“ „No Pork on my Fork“, von fiktiven Model-Biografien, inspiriert von Frauen, die der Erzähler im Gourmet-Tempel Dean & DeLuca erspäht, vom Programmierer des Mount Sinai Hospitals (zuvor Kunsthistoriker, aber das war nicht seine Berufung) oder vom Arctic Monkeys-Konzert im Hammerstein Ballroom.

Weissners Episodenfeuerwerk schließt mit dem Dossier „Das Ende des Suicide Kid“ – Der Schilderung von Bukowskis Beerdigung, zu der auch Schauspieler Sean Penn gekommen war. Mit einleitenden Worte von ORF-FM4-Popkultur-Connaisseur Fritz Ostermeyer, ist die Lektüre von Weissners Episodenwerk vor allem eins: „Echt Pop“. Und insbesondere für jene amüsant, die firm sind in der Populären Kultur. Und sich ihren Weg schon mal durch New York City gebahnt haben.

Carl Weissner: „Manhattan Muffdiver“. Milena Verlag. 180 Seiten, 19,90 Euro.

Von Karoline Jirikowski-Winter

  Programm und Karten
 

Freitag, 8. Oktober: Ilaria Capua: „Wissenschaft und Ethik. Genetische Daten in der internationalken Medizin“, Paulinerkirche, 19 Uhr. Heinrich August Winkler: „Größe und Grenzen des Westens“, Altes Rathaus, 19 Uhr.

Sonnabend, 9. Oktober: Thomas Metzinger: „Der Ego-Tunnel. Eine neue Philosophie des Selbst“, Paulinerkirche, 19 Uhr.Rebecca Goldstein: „36 Argumente für die Existenz Gottes“, Altes Rathaus, 19 Uhr.Frédéric Beigbeder: „Ein französischer Roman“, Altes Rathaus, 21 Uhr.

Sonntag, 10. Oktober: John von Düffel: „Hotel Angst“, Deutsches Theater, 17 Uhr.Steven Pinker: „Der historische Niederschlag der Gewalt“, Paulinerkirche, 19 Uhr.HP Riegel: „Immendorf. Die Biographie“, Deutsches Theater, 19 Uhr.Carl Weissner: „Manhattan Muffdriver“, Deutsches Theater, 21 Uhr. Alan Pauls: „Geschichte der Tränen“, Studio des Deutschen Theaters, 21 Uhr.

Kartenbuchung unter 05 51 / 4 99 80 31

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