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Regional Ein Hauch „Last Night“ in Göttingen
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00:21 13.03.2018
Tänzchen auf dem Dirigentenpult: Nicholas McGegan. Quelle: Schäfer
Göttingen

Britisch – genauer: schottisch – war der Gast auf dem Dirigentenpult: Nicholas McGegan, als künstlerischer Leiter der Göttinger Händel-Festspiele von 1991 bis 2011 dem Göttinger Publikum bestens vertraut. Sein Markenzeichen ist neben musikalischer Lebendigkeit und Präzision vor allem seine ansteckende Fröhlichkeit, sein völlig unverkrampfter Umgang mit Musik. GSO-Violinist Lewis Forward, McGegans Landsmann, kam denn auch stilgerecht im schottischen Kilt aufs Podium. Instrumente und Notenpulte waren „Last Night“-gerecht mit Flaggen geschmückt – Union Jack und Europaflagge dem Brexit-Votum zum Trotz einträchtig im Doppelpack.

Tanz auf dem Dirigentenpult

Den Abend eröffnete McGegan mit Mendelssohns in Schottland entstandener Hebriden-Ouvertüre, fein differenziert in den vorwiegend warmen Klangfarben, hingebungsvoll ausgeformt auch in kleinen Details der Melodieführung, vom Orchester mit intensivem Ausdruck gestaltet. Mit den vier schottischen Tänzen von Malcolm Arnold (1921-2006) ging es anschließend zur Sache: nämlich mitten hinein in die britische Orchestermusik des 20. Jahrhunderts, die sich gern der Folklore des eigenen Landes annimmt. McGegan führte beinahe einen kleinen Tanz auf dem Dirigentenpult auf und animierte das Orchester zu lebendigem, luftigem Spiel. Das gilt gleichermaßen für die anmutige English Folk Song Suite von Ralph Vaughan Williams (1872-1958), in der McGegan den kantablen und häufig auch tänzerischen Charakter der Musik sorgfältig herausarbeitete.

Fulminantes Folk-Ereignis

Die „MacDonald Dances“ von Peter Maxwell Davies (1943-2016) beschlossen den ersten Teil des Abends. Sie haben überhaupt nichts zu tun mit einer amerikanischen Fast-Food-Kette, sondern mit einer auf den schottischen Orkney-Inseln beheimateten Sage, in der es um einen zum Tanz aufspielenden Fiedler auf Maisfeldern geht: „A Spell for Green Corn“ lautet der Titel. Der Solopart wurde unter den Händen von GSO-Konzertmeisterin Natalia Scholz zu einem fulminanten Folk-Ereignis. Sie begeisterte mit ihrem satten, raumfüllenden Ton, mit funkelndem Spielwitz und mitreißendem Temperament das Publikum in der ausverkauften Stadthalle derart, dass sich der stellenweise etwas aufgedonnerte Gestus der Komposition kaum störend bemerkbar machte.

Einige Besucher schwenkten ihren Union Jack und die Europaflagge. Quelle: Schäfer

Das alles war – genau wie bei der „Last Night of the Proms“ in der Royal Albert Hall – nur Vorspiel zu jenen Stücken, die zum immer gleichen Ritual dieses Ereignisses gehören. Denen stellte McGegan noch Händels „Feuerwerksmusik“ voran, vom GSO sehr dynamisch und federnd musiziert, auch wenn moderne Instrumente bauartbedingt an die Leichtigkeit der barocken Originalinstrumente nicht heranreichen können. Dann – endlich! – ging es mit Edward Elgars „Pomp & Circumstance“-Marsch ins Zentrum des „Last Night“-Repertoires, wunderbar schwungvoll vom GSO dargeboten. Da zeigte sich allerdings, dass Niedersachsen wohl doch keine Angelsachsen sind: Das mit der Ausgabe von Textzetteln bekräftigte Angebot zum Mitsingen bei „Land of Hope and Glory“ nahmen nur sehr vereinzelte Konzertgäste wahr. Und als gegen Ende von Henry Woods „Fantasia on British Sea Songs“ das Lied „The sailor’s hornpipe“ an der Reihe war, musste McGegan seine gesittet lauschenden Zuhörer schon ziemlich nachdrücklich zum gebührenden Mitklatschen animieren. Zuvor hatten etliche GSO-Musiker ihre hohen musikalischen Qualitäten mit brillanten Soli bewiesen. Wenigstens einige Besucher schwenkten ihren Union Jack und die Europaflagge.

Donnernder Schlussapplaus

Dass das Publikum seiner Bravheit zum Trotz hellauf begeistert war, bewies der donnernde Schlussapplaus. Dafür bedankte sich McGegan mit einem modernen Arrangement von „The sailor’s hornpipe“ in der virtuosen Fassung des englischen Komponisten Iain Farrington („A Shipshape Shindig“), von McGegan bei den Proms 2017 uraufgeführt. Übrigens zollte auch der Dirigent diesem besonderen Abend Tribut: Beim Beifall lupfte er kurz sein Hosenbein und gab so den Blick frei auf seine Socken mit dem Union Jack.

Info

Das GSO gastiert mit diesem Programm unter Nicholas McGegan am Sonnabend, 10. März, um 20 Uhr in der PS-Halle Einbeck und am Sonntag, 11. März, um 19.30 Uhr in der Stadthalle Northeim.

Von Michael Schäfer

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