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Ein Musikgenre startet voller Energie neu durch

Jazzfestival im DT Ein Musikgenre startet voller Energie neu durch

Bereits zum 35. Mal stand Göttingen im Zeichen des Jazzs: Die Vielseitigkeit und Energie dieser Musik präsentierte das Göttinger Jazzfestival. Über 200 internationale, nationale und lokale Musiker in 34 Einzelveranstaltungen und Konzerten an sieben Tagen – mit den Highlights am Wochenende im Deutschen Theater. Das Programm bot nicht nur eine Reihe von erstklassigen Künstlern, sondern auch die Möglichkeit, verschiedene musikalische Ansätze im direkten Vergleich zu erleben.

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Entführt in eine märchenhafte Fantasiewelt: Stimmakrobatin Maria João.

Quelle: Theodoro da Silva

The Power of Jazz – die Kraft des Jazz“: So könnte man das diesjährige Göttinger Jazzfestival auf den Punkt bringen. Selten bot das Festival im Deutschen Theater so viel vor Energie strotzende Musik. Die Veranstalter zeigten am Freitag und Sonnabend wie viel Adrenalin steigernde Dynamik und Lebensfreude der heutige Jazz zu bieten hat. Man spürte: Hier startet gerade ein Musikgenre neu durch und reist ein begeistertes Publikum mit!

Das „Tingvall Trio“ um den Pianisten Martin Tingvall zeigte zur Eröffnung des Festivals wie viel Energie im lyrischen Spiel liegen kann. Die filigranen Kompositionen sind poetisch wie eine im Sonnenlicht glitzernde Wasseroberfläche und steigerten sich in der Trio-Improvisation zur aufbrausenden Sturmflut. Das sensible Zusammenspiel dieser Musiker begeisterte das Publikum vom ersten Moment an.

Der Ansatz vom „Panzerballett“ Jazz und Heavy Metal zu verbinden ist genial - das Resultat war ernüchternd: Statt die Spielfreude beider Genres zu multiplizieren, boten die fünf Musiker nur verkrampfte Kopfgeburten. Ihre Metal-Versionen von Jazz-Standards wie „Take Five“ oder „Giant Steps“ waren schlicht überflüssig. Spannender waren die Eigenkompositionen. Doch auch hier: ironische Distanz und klischeehafte Attitüden statt echter Leidenschaft.

Die Stimmakrobatin Maria João entführte am Sonnabend in eine märchenhafte Fantasiewelt. Wie Funken einer Wunderkerze sprühten die Ideen aus ihr heraus: Sie sang quirlig wie ein Kind, sinnlich wie eine Frau oder tief wie ein Mann, wechselte ständig diese Rollen, führte dabei imaginäre Dialoge und unterstrich diese mit Augen, Armen und dem ganzen Körper – charmant, emotional, tiefgründig und herrlich witzig. Begleitet wurde sie vom gefühlvoll spielenden Pianisten Mário Laginha.

Zum 35. Mal stand Göttingen im Zeichen des Jazzs: Über 200 internationale, nationale und lokale Musiker an sieben Tagen. © Theodoro da Silva

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Musik wie für einen imaginären Actionfilm bot anschließend Michael Wollny’s [em]. Der Pianist liebt Dramatik: Mit seinem Trio wechselte er ständig von leisen Tönen zu unerwarteten Klangexplosionen. Seine Finger rasten nervös über die Tasten, er schlugt die Saiten im Innenraum des Pianos an und ließ seine Unterarme zu martialischen Clustern auf die Klaviatur knallen. Inspiration bekam er vom komplex agierenden Drummer Eric Schaefer und der packend spielenden Bassistin Eva Kruse. Dieses mitreißende und feinfühlige Trio ist Weltklasse!

Star-Trompeter Roy Hargrove brauchte zum Festivalabschluss eine lange Warmspielphase. Er wirkte geschwächt und nahm mit fragilem Ton nur die Rolle des lyrischen Trompeters und melancholischen Sängers ein. Sein Altsaxophonist Justin Robinson fing den angeschlagenen Bandleader auf. Er sorgte mit rasend schnell gespielten Improvisationen für Ausgleich und war mit der kochenden Rhythmusgruppe nicht zu halten. Ihre gut gelaunte Hardbop-Party war der ideale Abschluss der beiden Festivaltage im Deutschen Theater.

Trotz nächtlicher Stunde war man als Zuhörer durch die vitale Musik voller Energie. Da war sie wieder unmittelbar zu spüren: The Power of Jazz – die Kraft des Jazz.

Von Udo Hinz

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