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Einblick in die Tonsprache einer Epoche

Kammermusik-Serenade im GDA Einblick in die Tonsprache einer Epoche

Seitdem die Rathausserenade vorübergehend zur Kammermusik-Serenade im GDA-Wohnstift geworden ist, möchte das Publikum nach dem Konzertgenuss endgültig nicht mehr nach Hause. Der Heimweg ist länger als gewöhnlich, die Musik aber dafür – wie gewohnt – erstklassig. Der zweite Abend der Reihe war mit „Farben der Romantik“ überschrieben und enthielt zwei Klavierquintette, die tatsächlich einen bunt-schillernden Einblick in die Tonsprache dieser Epoche gaben.

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Quelle: Pförtner (Symbolbild)

Robert Schumanns Klavierquintett in Es-Dur op. 44, das nach der bescheidenen Meinung seines Komponisten „eine recht frische Wirkung macht“, verlangt seinen Interpreten einiges ab. Das Allegro brillante beginnt wuchtig und mit überraschender Sprunghaftigkeit im Tonumfang. Da verzeiht man es Zsuzsanna Bolimowskis Violine, dass diese insbesondere im Kopfsatz manchmal etwas spitz und rau im Ton daher kam.

Auch wenn es mit der Intonation kleinere Probleme gab, konnte das Ensemble in den lyrischeren Passagen das Kaleidoskop aus Emotionen zum Schillern bringen, das Schumann in nur wenigen Tagen zu Papier gebracht hat.

Während Johann Sebastian Sommer am Cello und Janusz Nosarzewski an der Viola wohlig-warme Farben zum Ensembleklang beitrugen, setzte Michael Kravtschin am Klavier insbesondere im Allegro des Schlusssatzes feuerrote Akzente. Der Gast aus Kassel war damit anscheinend nicht mal ausgelastet und hatte noch genug Kapazitäten, um sich eigenhändig durch die Partitur zu blättern.

Das Klavierquintett in f-Moll op. 34 von Johannes Brahms rangiert vom Anspruch auf dem selben hohen Niveau, tauscht das feine, sorgsam gewobene Formgespinst Schumanns aber mit einem wilden, manchmal verzweifelt ausbrechenden  Spannungsverlauf, der sich auf kleinen Umwegen unweigerlich ins Presto des Finales schraubt.

Liisa Hovi an der Violine nahm diesen steilen Weg mit beachtlicher Präzision, während Kravtschin sich insbesondere im Scherzo erneut hervorheben konnte: Mit deutlicher Dämpfung und mutiger Verzögerung verzierte er die Achtelläufe des dritten Satzes sensibel und ausdrucksstark. Vieles war also dem Pianisten zu verdanken, das restliche Ensemble erwies sich seiner Klasse aber gewachsen.

Von Jonas Rohde

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