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Einfach so: Es dreht sich alles um Mozart

Göttinger Symphonie Orchester Einfach so: Es dreht sich alles um Mozart

Klug komponiert war das Programm des Konzerts mit dem Göttinger Symphonie Orchester am Freitag in der mit rund 1300 Zuhörern ausverkauften Stadthalle. Es bot Einheit in der Vielfalt: Auch wenn die Komponisten Tschaikowsky, Mozart und Reger beteiligt waren, drehte sich alles um Mozart. Und zwar ganz ohne jeden Jubiläums-Anlass, einfach so. Das ist schön.

Die „Mozartiana“-Suite stand am Anfang, Tschaikowskys virtuoses Orchester-Arrangement Mozartscher Klavier- und Chorwerke. Dirigent Christoph-Mathias Mueller hatte das technisch heikle Werk auf Hochglanz poliert: Die einleitende polyphone Gigue hüpfte putzmunter und blitzsauber dahin, das Menuett wartete mit fein inszenierten harmonischen Überraschungen auf, das instrumentale „Ave verum corpus“ mit einer genau bemessenen Dosierung romantischer Süße. Und das Finale, die Mozart-Variationen über ein Gluck-Thema, war ein Kompendium solistischer Glanzleistungen, zu denen nicht nur diverse Bläser beitrugen, sondern vor allem Konzertmeisterin Natalie Kundirenko mit ihrem klangschönen und virtuosen Solopart in der Adagio-Variation.

Damit hatte sie die Messlatte hoch gelegt – kein leichter Start für die Violinsolistin des Abends, die aus Polen stammende, in der Schweiz lebende Geigerin Anna Reszniak. Und weil sie nun das originale Mozart-Violinkonzert A-Dur KV 219 zu spielen hatte, war ihr Spiel stilistisch auch andersartig – wesentlich schlichter, mit weniger Vibrato, nicht etwa romantisch gefühlsdurchtränkt. Das ließ ihren Vortrag im unmittelbaren Vergleich zur Tschaikowsky-Suite etwas blasser wirken, wobei kleine Ungenauigkeiten in der Intonation hier und da den Eindruck trübten. Doch konnte sie mit ihrem stilsicheren, ausdrucksstarken, im Finale immer wieder temperamentvollen Spiel das Publikum sehr wohl begeistern. Als Dank für den herzlichen Applaus spielte sie Paganinis 24. Caprice.

Den eindeutigen Glanzpunkt des Abends aber hatte Mueller für das Finale aufgespart: die Mozart-Variationen von Max Reger. Des Komponisten eigener Anspruch, damit ein Werk „ohne alle Erdenschwere“ zu schaffen, kann sich wohl eher nur auf das Thema selbst beziehen. Denn Reger stellt Mozarts Musik in immer neue Zusammenhänge und zwingt ihm durchaus auch ausgesprochen schwergewichtige Strukturen auf. Wobei unter all der Regerschen Modulationskunst, der wuchernden Chromatik und den bläsergepanzerten Steigerungen tatsächlich immer wieder Mozartsche Grazie unbeschädigt hervorlugt.

Dass sich dieser Gedanke so einstellen konnte, liegt vor allem an der sehr durchdachten Klangregie, mit der Mueller dieses faszinierende Werk durchleuchtete, es transparent und geschmeidig machte. Die Dynamik nutzte er bis ins hauchzarteste Pianissimo, die Tempi gestaltete er mit einer Flexibilität, dass Übergänge nicht schroff, sondern bezaubernd elegant wirkten. Dabei folgten die Orchestermusiker ihrem Dirigenten mit bemerkenswerter Konzentration und Geschlossenheit. Es war ihnen anzusehen, dass sie an diesem schwere Brocken ihre helle Freude hatten.

Kein Wunder, dass sich dieses Gefühl auf die Zuhörer übertrug, die am Ende eines glanzvollen Abends ausgiebig und lautstark Beifall spendeten.

Von Michael Schäfer

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