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Regional Elchpreis-Träger Otto geht auf Lesereise
Nachrichten Kultur Regional Elchpreis-Träger Otto geht auf Lesereise
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00:29 19.05.2018
Elchpreis-Träger Otto Waalkes, Komiker und Schauspieler. Quelle: dpa
Hamburg

„Reißen Sie sich bitte zusammen, wir sind bei einer Lesung“, ruft Otto und kurz darauf: „Haben Sie eine Gitarre da?“ Er singt, blödelt und jodelt so, wie es seine Fans seit Jahrzehnten lieben. Deutschlands bekanntester Komiker gibt aber auch Einblicke in sein Leben.

Ottos erste Autobiografie

„Das ist meine erste Lesung. Ich war noch nie auf einer und jetzt bin ich auf meiner eigenen. Das macht mich stutzig“, sagt der 69-Jährige zuvor im Interview. „Wollen die Leute das überhaupt hören, was Otto ernsthaft zu erzählen hat? Schließlich ist das meine erste Autobiografie, und es geht fast nur um mich. Ist das wirklich interessant?“ Was seine Leser überraschen dürfte: „Zum Beispiel, dass auch das Leben eines Komikers kein Freifahrtschein für eine Gute-Laune-Kreuzfahrt ist, sondern dass es auch für mich Riffe und Untiefen gibt. Oder: Wie viele glückliche Zufälle zusammenkommen müssen, um so ein Komikerleben überhaupt zu ermöglichen.“

Reise in den Körper

Den Buchtitel „Kleinhirn an alle“ lieferte dem Comedian einer seiner Sketche. Der führt auf eine Reise in den Körper des Kneipengasts Herr Soost. Dessen Leber arbeitet gut, alle Organe sind entspannt – bis das Ohr das Wort „Saufkopf“ meldet. Nun herrscht Aufruhr, die Leber drängelt, die Milz wird frech, das Großhirn gibt Kommandos (Großhirn an Faust: ballen!). Doch dann wendet sich das Kleinhirn an alle: „Jungs, nu lasst doch mal die Aufregung, ihr zieht doch sowieso den Kürzeren.“ Das Publikum der Lesung lacht Tränen.

Quietschfidel

Im Gespräch mit Autor Bernd Eilert, der schon lange mit ihm zusammenarbeitet, und in Passagen, die Otto quietschfidel und mit vollem Körpereinsatz mehr vorspielt als liest, beschreibt der Ostfriese und Wahl-Hamburger seine glückliche Kindheit in Emden. Die Freude am Publikum sei schon erkennbar gewesen, als der kleine „Ottje“ auf dem Tresen Schlagzeilen aus der Zeitung vorgetragen oder im Puppentheater Kasperle und Krokodil ins Rennen geschickt habe. „Vor allem, wenn andere zuschauten, lief ich zu großer Form auf“, schreibt er. „Ich brauche Zuschauer, egal ob es drei oder dreitausend sind.“

Schwarz auf Weiß

„Ich bin schon als Kind vielen auf die Nerven gegangen“, erklärt Otto seinen Fans. „Vermutlich wäre ich heutzutage als verhaltensauffällig bezeichnet worden“. Schwarz auf Weiß bescheinigt bekam er in seinem ersten Zeugnis: „undiszipliniert und schwatzhaft“. Auch in der Lesung macht der Friesenjung fröhlich das, was ihm und seinen Fans gefällt. Als er die Gitarre in den Händen hält, Beatles-Klassiker wie den vom „Gesterntag“ („Yesterday“) singen zum Beispiel.

Millionen Zuschauer begeistert

Seit Anfang der 70er Jahre hat der Komiker mit Bühnen- und TV-Shows sowie Kinofilmen Millionen Zuschauer begeistert. Vor allem auf Ausflüge in Kindheit, Jugend und seine Anfangsjahre in Hamburg begeben sich Otto und Eilert an dem Abend. Mehr als 400 Seiten umfassen die Memoiren, in denen der Komikstar sehr lesenswert und unterhaltsam, aber keineswegs nur lustig, auf sein Leben ebenso zurückblickt wie auf Entwicklungen der TV-, Film- und Comedy-Szene. Auch über seine zwei gescheiterten Ehen und die Krise nach der ersten Trennung, die sein Selbstvertrauen habe bröckeln lassen, schreibt er.

Anonymitätsverlust

Allerdings habe er zu wenig über seinen Sohn erzählt, heißt es am Ende des Buchs. Im Interview erklärt er: „Es ist ja nicht so einfach, das Kind eines Prominenten zu sein.“ Ihm selbst mache der eigene Anonymitätsverlust wenig aus, er werde gern an- und ausgelacht. „Ob das für jeden gilt, bezweifle ich, und deshalb möchte ich es Benjamin selbst überlassen, wie er damit umgeht. Sonst kann es schon schwierig werden, wenn er sich ständig fragen muss: Mag man mich als Menschen oder weil ich der Sohn von Otto bin. Also ich möchte nicht der Sohn von Otto sein – ich möchte lieber selber Otto sein.“

Von Dorit Koch

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