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Emotionen, „die man vom Jazz gar nicht kennt“

Jazzfestival Emotionen, „die man vom Jazz gar nicht kennt“

Es war ein schwieriger Start, sagt Bernd Nawothnig. Der Göttinger Musiker war mit Sängerin Hanna Carlson und Band im Oktober nach Nanjing in China zu einem Jazzfestival eingeladen. In sechs Tagen standen sechs Konzerte an verschiedenen Orten der Stadt auf dem Programm. Doch bei der Ankunft gegen Mittag war das Zimmer „in dem wirklich sehr guten Hotel“, so Nawothnig, noch nicht bezugsfertig. Also warten, schnell duschen, dann ab zum ersten Auftritt – mit Jetlag in den Knochen.

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Wenig Zeit für touristisches Programm: Martin Tschoepe, Andreas Kipp, Hanna Carlson und Bernd Nawothnig (von links).

Quelle: EF

Über die Partnerschaft der Göttinger mit der Universität in Nanjing war der Kontakt zustande gekommen. Die Uni in Nanjing habe für den Aufenthalt gezahlt, die Georgia Augusta die Reise. Mit Instrumenten? Nein, denn die stellten die Gastgeber zur Verfügung – mit Einschränkungen. Denn der Organisator des Festivals, Dong Jin Ming, habe angekündigt: „Die Instrumente sind nicht so toll.“ Also nahm Bassist Martin Tschoepe einen Satz Saiten mit, Nawothnig seine Becken.

Der Klang im Saal sei schließlich in Ordnung gewesen, berichtet Nawothnig. Doch der Bühnensound, den die Musiker während des Spiels hören, der „war wirklich schlecht“. In der mehr als fünf Millionen Einwohner großen Metropole gebe es nicht eine professionelle Soundfirma, sagt Nawothnig, „wir haben es über uns ergehen lassen.“ Nicht jedoch den Kontakt mit dem Publikum. „Die bringen Emotionen rüber, die man vom Jazz gar nicht kennt“, erklärt Nawothnig und gibt Beispiele.

Am tollsten seien die Auftritte in Universitäten gewesen. „Die waren richtig dabei.“ Nach jeder Liedansage gab es Applaus, auch wenn Hanna Carlson angefangen habe zu singen. Wenn jemand ein Solo spielte, habe jemand aus dem Publikum Blumen gebracht. Und Zugaben habe es nicht gegeben. Einmal werde intensiv geklatscht, „dann wird die Bühne geentert“.
Am ersten Abend seien einige Musiker zum Jammen zusammen gekommen. Auch Japaner seien dabei gewesen – „emotional sehr beteiligt“, sagt Nawothnig, aber mit nur zwei Akkorden.

Große Sponsoren halfen bei der Finanzierung des Festivals, jede Band habe deswegen auch ein Sponsorenkonzert gegeben – die Göttinger Musiker hingegen zwei: für BMW und Lufthansa. Die hatten im Vorfeld schon 80 CDs als Geschenke für ihre Geschäftspartner geordert.
Viel Zeit für ein touristisches Programm blieb also nicht. Einen Konfuzius-Tempel besuchten Nawothnig, Carlson, Tschoepe und Pianist Andreas Kipp an einem Vormittag, an einem anderen eine Teezeremonie.

Nach den Erfahrungen mit fernöstlichen Soundmixern meint Nawothnig nach der Rückkehr schließlich: „Man ist jetzt wesentlich dankbarer, wenn man hier spielt.“ Und würden sie wieder fahren? „Sofort“, sagt Nawothnig, Carlson auch, schränkt aber ein wenig ein: „Vielleicht nicht ganz so viele Auftritte.“

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