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Regional Ensemble des Jungen Theaters spielt „Satisfaction“ in JVA
Nachrichten Kultur Regional Ensemble des Jungen Theaters spielt „Satisfaction“ in JVA
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00:34 24.02.2018
Rock im Knast: Das Ensemble des Junge Theaters ist mit seiner Musikshow Satisfaction“ in der JVA Rosdorf aufgetreten. Quelle: Foto: Pförtner
Rosdorf

Langsam wird es eng. In der Schleuse beim Eingang der JVA sammeln sich die Besucher. Die Beamten, die dort Dienst tun, haben die Eintrittskarten und Personalausweise kontrolliert. Hier darf nur hinein, wer angemeldet ist. Über den Hof, der rundum mit viel Stacheldraht gesichert ist, werden die Vorstellungsgäste zu einem langen Gang gebracht. Schuhsohlen quetschen auf dem Fußbodenbelag. An den Wänden hängen große Tafeln. Menschen haben hier unterschrieben, die bei ausgewählten Veranstaltungen dabei waren. Lars Wätzold von der Comedy Company hat hier seinen Namen hinterlassen, auch der FDP-Politiker Lutz Knopek hat sich verewigt. Beide waren bei der Eröffnung am 24. Mai 2013 dabei.

Am Ende des Gangs geht es in die Turnhalle. Hier steht die Bühne, hier schenken JVA-Mitarbeiter Erfrischungsgetränke aus und verkaufen Brezeln und Devotionalien, die der Förderverein der Haftanstalt anbietet. Auf der Vorderseite von T-Shirts steht geschrieben „JVA Rosdorf – Ich war drin ... Auf der Rückseite: „... aber nur zu Besuch“.

Die Schauspieler und die Band sind am Ende der Halle in einem Abstellraum untergebracht. Die Stimmung ist gut zwischen den Auftritten. „Es waren deutlich mehr Knackis da als im vergangenen Jahr“, sagt Schauspieler Jan Reinartz. Im vergangenen Jahr waren zwölf Gefangene dabei, diesmal waren 54 gekommen. „Es hat sich herumgesprochen“, meint Reinartz. Und: „Die waren richtig gut drauf.“ „Bravo“-Rufe habe es gegeben und „Supergeil“-Gebrüll, berichten die Schauspielerinnen Franziska Lather und Katharina Brehl. Kein Wunder, denn was die fünf Akteure mit der Band im Hintergrund gesanglich über mehr als eine Stunde abliefern, ist schwer beeindruckend.

Inhaftierten bei der Entlassung helfen

„Ich freue mich, dass sie bereit waren, 15 Euro für den Abend zu bezahlen“, sagt JVA-Direktorin Regina Weichert-Pleuger zum Auftakt zu den Besuchern. Zwei Euro des Eintrittspreises gehen an den Förderverein, der mit dem Geld Inhaftierten bei der Entlassung helfe. Und Weichert-Pleuger stellt in Aussicht, dass die Auftritte des JT im Gefängnis „eine dauerhaften Einrichtung werden könnte“.

Musikalischer Kopf der Produktion ist Fred Kerkmann. Er hat die Titel für die Show zusammengestellt und mit Band und Schauspielern einstudiert. Er ist ein bemerkenswerter Gitarrist, der den Songs von Queen, den Rolling Stones, Joe Cocker und Konsorten einen Sound dicht am Original und dennoch ganz eigen gibt. Es habe im Vorfeld eine Wahl gegeben, welcher Song unbedingt dabei sein solle, erläutert Reinartz. Das Votum fiel auf „Father and Son“ von Cat Stevens. „Ich würde mir wünschen, dass die Knackis beim nächsten Mal mit abstimmen dürfen“, ruft Reinartz dann noch. Das Publikum wird langsam warm.

Die meisten kennen die Lieder aus ihrer Jugend, viele könnten sicherlich mitsingen. Noch mehr fangen an, sich im Rhythmus hin und her zu wiegen. Eine Frau stellt sich neben die Bühne und tanzt.

Eine Zugabe hatten sich die Gefangenen erklatscht, „es war Umschluss“, erklärt Reinartz, alle zurück in die Zellen. Für das Publikum gab es ein bisschen mehr.

Blick in die Werkstatt

Als der Auftritt beendet ist, bleiben viele Besucher noch in der Sporthalle. Die, die langsam zurückschlendern, werden in die Werkstatt gebeten, in denen die Gefangene Vogelhäuser, Schürzen und Ähnliches herstellen. An diesem Abend können die Gäste dort einkaufen. Etwas weiter steht ein junger Mann in einer offenen Tür, dahinter die Küche. Küchenmitarbeiter Michael Klaski erklärt den Speiseplan. Montags ist Nudeltag, dienstags gibt es Fisch. Mittwochs und freitags wird meist Suppe aufgetischt, denn dann sei Transporttag, erklärt Klaski, der erste Küchenerfahrung schon bei der Bundeswehr sammelte. Transporttag? Neue Gefangene kommen, andere werden verlegt, mit Suppe sei das besser planbar. Eine logistische Herausforderung sei die Arbeit der Küche, sagt er, denn auch für Allergiker müsse Diabetiker gekocht werden, Abgemagerte bekämen Kostvermehrung.

Wieder einige Meter weiter kann an diesem Abend ein Fahrzeug für Gefangenentransporte besichtigt werden. Sechs Stück davon seien täglich im Einsatz, sagt Jan Morgenstern. Er ist Sachbearbeiter Sicherheit und lässt Besucher auch schon mal die Haftfähigkeit des magnetischen Blaulichtes auf dem Autodach austesten.

In einem Raum in der Nähe wartet Anne Lüer auf Besucher. Die Obersekräteranwärterin in der Ausbildung zeigt die Besucherräume. Sie zeigt das Zimmer, in denen Gefangene fünf Stunden lang Privatheit mit Besuchern auskosten dürfen, die Tische, die so gebaut sind, dass sie das heimliche Übergeben von Gegenständen verhindern sollen, und den Automaten, der Hartgeld gegen Plastikmünzen ausspuckt. Damit können Besucher dann Pakete mit Tabak, Kaffee und Süßigkeiten für die Insassen kaufen. Denn Geschenke dürfen nicht mehr in die JVA geschickt werden, nicht zu Ostern, nicht zum Geburtstag, nicht zu weihnachten. Zu aufwendig sei die Kontrolle, erklärt Lüer.

Von Peter Krüger-Lenz

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