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Regional Entfesselter Klang der Blechbläser
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20:31 08.11.2009
Live nach der CD-Aufnahme: das GSO mit der Kantorei. Quelle: SPF
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Arminius, so latinisierten die Römer den Namen Hermann, ist deshalb immer als Held gefeiert worden – vor allem in der Phase des deutschen Nationalismus, der, beflügelt durch die Gründung des Kaiserreiches 1871, den Zeitgeist lange beherrschte. Auch Musiker huldigten dieser Richtung: darunter Max Bruch, der 1875 sein Oratorium „Arminius“ schrieb. Die Rheinische Kantorei unter der Leitung von Hermann Max hatte zusammen mit dem Göttinger Symphonie Orchester im Juli dieses Werk auf historischem Boden in Kalkriese aufgeführt und anschließend eine CD-Aufnahme produziert. Am Freitag kam nun der „Arminius“ in die Göttinger Stadthalle – für die meisten Zuhörer wohl die erste und zugleich letzte Gelegenheit, den musikalischen Patriotismus der deutschen Gründerzeit zu erleben.

Dramatische Bewegungen

Bruch war nicht kleinlich in der Wahl seiner Mittel. Die Blechbläser haben in seinem Oratorium viel zu tun, Fanfaren künden von Angriff und am Ende vom Sieg. Die Streicher sind vor allem für dramatische Bewegungen wichtig, sie lassen Stürme heulen und Wälder brausen. Für die Spannung sorgen Paukenwirbel, und der Chor erzählt von Wodans Göttergunst, der Heiligkeit des deutschen Waldes und dem Heldenmut der germanischen Recken, die glücklich sind, fürs Vaterland sterben zu dürfen: „Groß ist der Ruhm der deutschen Söhne.“

Dazu gibt es drei Gesangssolisten. Dem Titelhelden Arminius verleiht Bassist Hans Christoph Begemann sehr stimmstark und klangvoll Gestalt. Michael Smallwood setzt in der Partie des Germanenkämpfers Siegmund einen sehr beweglichen, höhenfreudigen Tenor dagegen. Und Hilke Andersen als Priesterin kann mit ihrem wunderschön timbrierten, von lyrischer Zartheit bis zu kraftvollen Gipfelpunkten reichenden Mezzosopran die schönsten Glanzlichter setzen.

Sehr differenziert

Sehr professionell singt die Rheinische Kantorei den Chorpart. Nur hier und da werden die dynamisch sehr differenziert und homogenen singenden Sänger von entfesseltem Blechbläserklang verdeckt: Hier hätte Dirigent Hermann Max vielleicht etwas genauer auf die Klangbalance achten sollen.

Ansonsten war die Aufführung aber durchweg hochpräzise und engagiert. Bruchs eher stilistisch rückwärtsgewandte Musik ist sauber gearbeitet und besitzt eine wesentlich höhere Qualität als der stellenweise unsägliche (wiewohl stets gut gemeinte) Text. Das hat dieser begeistert beklatschte Abend deutlich gemacht – auch wenn der „Arminius“ nach dem Zweitausendjahres-Jubiläum wohl kaum noch einmal im Konzertsaal zu hören sein dürfte.

  • Max Bruch: Arminius, Oratorium op. 43 (Solisten der Aufnahme sind Hans Christoph Begemann, Michael Smallwood und Ursula Ettinger), zwei CDs, cpo 777453-2, etwa 20 Euro.

Von Michael Schäfer

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