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Entschlafen der Gottesmutter Maria

Kunstwerk des Monats Entschlafen der Gottesmutter Maria

Jeden Monat präsentiert die Kunstsammlung der Universität Göttingen ein Objekt aus ihren Beständen. Es wird mit einem Einführungsvortrag vorgestellt. Diesmal: die Göttinger Dormitio-Ikone.

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Dormitio-Ikone

Quelle: EF

In der Sammlung befindet sich eine Ikone, die auf das fünfzehnte Jahrhundert zu datieren ist. Das Thema des Werkes zeigt ein typisch orthodoxes Motiv, und zwar das Entschlafen der Gottesmutter Maria (lat. Dormitio, Gr. Koimesis). In der katholischen Tradition heißt das Entschlafen der Maria  Assumptio Animae, also die Aufnahme der Maria in dem Himmel. Dieses Motiv ist weit verbreitet, sowohl in der orthodoxen Welt als auch später im Westen, und hat viele lokale Typen in verschiedenen Ländern. Das Thema wurde in Bücherminiaturen, Ikonen, Mosaiken und Elfenbeinschnitzereien dargestellt. Seit dem elften Jahrhundert gibt es dieses Motiv des Entschlafens der Gottesmutter in der Byzantinischen Kunst.

Die Göttinger Ikone ist 38,5 Zentimeter hoch, 31,5 Zentimeter breit und 5 Zentimeter tief. Deshalb kann man sie als eine Ikone für die häusliche Nutzung einordnen, und nicht als Teil einer Ikonenwand (Ikonostase). Die Georg-August-Universität hat diese Ikone von Christoph Gottlieb von Murr (1733-1811) von der Akademie zu Nürnberg im Jahr 1795 erworben. Sie ist aus Nussholz hergestellt und gut erhalten, hat aber einige retuschierte Risse, die restauriert wurden. Ihre Maltechnik ist Ei-Tempera auf massiven gesperrten Holzplatten mit partieller Vergoldung und dem griechischem Schriftzug ((e) koímesis (tes Theotókou) = (die) Himmelfahrt der Mutter Gottes.

Die Ikone zeigt die Gottesmutter Maria Gewand vorn liegend auf einem Prunkbett. Hinter ihr steht Christus in Gewand, der ihre Seele, die die Gestalt eines in Stoff gewickeltem Säuglings hat, auf dem linken Arm hält. Die Christus-Figur ist von vier Engeln mit Heiligenscheinen umgeben. Links und rechts des Sterbebetts befinden sich Apostel und andere Begleitfiguren. Alle Apostel sind von ihren Missionsarbeiten und ihren Bischofsreisen nach Jerusalem zurückgekehrt, um in ihrer letzten Stunde bei Maria zu sein. Petrus wird Weihrauch schwenkend dargestellt. Die anderen Apostel weinen oder beten.

Links neben dem Sterbebett befinden sich sieben Männer und zwei Frauen, rechts zwölf Männer. Hinter beiden Gruppen stehen Gebäude: das Haus der Maria und der Tempel von Jerusalem, deren Dächer in dunklem grünblau gemalt sind.
Nader Mohamed stellt die Göttinger Dormitio-Ikone am Sonntag, 4. November, im Auditorium Maximum vor. Beginn ist um 11.30 Uhr im Hörsaal Audi 11, Weender Landstraße 2 in Göttingen.

Von Nader Mohamed

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