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Ergebnis einer bewussten Komposition

Fotograf Ingo Bulla stellt in der Torhaus-Galerie aus Ergebnis einer bewussten Komposition

Zwar ist Göttingen nur eine kleine Großstadt, aber ihr weltweiter Ruf ist unabhängig von der Einwohnerzahl. Das haben vor allem die vielen bedeutenden Wissenschaftler bewirkt, die in Göttingen gearbeitet haben und deren Ruhm auf die Stadt zurückstrahlt.

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Quelle: Heller

Göttingen. Augenfällig wird dies nicht nur an den Gedenktafeln an den Wohnhäusern der Gelehrten, sondern auch auf dem Stadtfriedhof. Er ist die letzte Ruhestätte von acht Göttinger Nobelpreisträgern. Deren Grabdenkmale stehen im Zentrum der Ausstellung „Vergangen, aber nicht vergessen“ mit Bildern des Göttinger Fotografen Ingo Bulla, die am Sonnabend anlässliches des Tages des Friedhofs in der Torhaus-Galerie an der Kasseler Landstraße eröffnet worden ist.

44 großformatige Bilder zeigen Grabdenkmale von Göttinger Persönlichkeiten – neben den Wissenschaftlern sind es Unternehmer, Handwerker und Politiker, deren Grabsteine Bulla fotografiert hat. Und wenn der Betrachter beim ersten Ansehen möglicherweise mutmaßt, es sei dies eine bloße Dokumentation, wird beim genaueren Betrachten schnell deutlich, dass jede Fotografie das Ergebnis eines bewussten Kompositionsprozesses ist. Zwei Aspekte stehen dabei im Vordergrund: Licht und Farbe.

I. Bulla

Quelle: PH

„Kleine Tricksereien mit der Digitaltechnik“ nannte NDR-Moderator Hans-Heinrich Obuch, der in die Ausstellung einführte, Bullas Verfahren in der Bildgestaltung. Meist nämlich sind die Fotografien, aufgenommen fast durchweg ohne Sonnenschein, in Schwarzweiß gehalten. Doch immer wieder leuchtet ein kleiner Bereich farbig auf, hier ein Farn, dort Efeublätter. Manchmal aber sind solche Farbeffekte auch natürlichen Ursprungs – der Unterschied zu den künstlich erzeugten ist nicht immer auszumachen.

Die Reihe der Persönlichkeiten reicht von der Psychoanalytikerin Lou Andreas-Salomé über den Physiker Max Born, die Familie der Weinhändler Bremer, den Bäckermeister Ernst Honig, den Architekten Paul Kurth und den Juristen Gerhard Leibholz bis zu der Unternehmerfamilie Ruhstrat, dem Erdbebenforscher Emil Wiechert, dem Zeitungsverleger Gustav Wurm und dem Chemiker Richard Zsigmondy. Heidemarie Frank informiert in ihrem Beiheft zur Ausstellung knapp und präzise über die Biografien dieser Göttinger Bürger.

Die Inschrift am Grab des Mathematikers David Hilbert ist besonders nachdenkenswert – und zeugt von dem Selbstbewusstsein eines Menschen, der das Denken ganz in den Mittelpunkt seines Wirkens gestellt hat. Es war der Schlusssatz seiner Rede auf der Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte 1930 in Königsberg. Er lautet: „Wir müssen wissen. Wir werden wissen.“

Die Ausstellung in der Torhaus-Galerie des Göttinger Stadtfriedhofs, Kasseler Landstraße 1, ist bis Sonntag, 14. Oktober, freitags bis sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

Von Michael Schäfer

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Uraufführung

Seit Ende des Jahres 2011 hat die Kunst in das Torhaus des Göttinger Stadtfriedhofs Einzug gehalten. Nach der bildenden nun auch die darstellende Kunst, denn zum ersten Mal gab es im Torhaus eine Theatervorstellung . Die Wahl des Ortes für die Premiere und Uraufführung von „Fridas Weg“ von der Theaterwerkstatt Göttingen ist auf bedrückende Weise passend.

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