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Regional Erich Sidler feilt an seinem Plan vom Deutschen Theater
Nachrichten Kultur Regional Erich Sidler feilt an seinem Plan vom Deutschen Theater
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00:18 18.03.2013
Vor den Zugseilen im Bühnenraum: Erich Sidler übernimmt mit der Spielzeit 2014/15 die Leitung des Deutschen Theaters. Quelle: Vetter
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Göttingen

Seit der DT-Aufsichtsrat sich für ihn entschieden hat, versucht Sidler oft in Göttingen zu sein. „Ich bin für das DT engagiert – und das ist eine wunderbare Aufgabe“, betont er. In Diskussionen um die Gestaltung der künftigen Theaterlandschaft will er sich einbringen, „aber nicht sagen, so hat es zu sein“.

Neu in der Stadt ist der 47-Jährige nicht. 2012 hat er am DT „Alle 16 Jahre im Sommer“ inszeniert. 1995 kam er als Regieassistent ans Niedersächsische Staatstheater in Hannover. „Von da aus habe ich Inszenierungen hier besucht. Göttingen war immer ein wichtiger Punkt auf der Landkarte des deutschen Theaters“, sagt Sidler.

Theater hat der in Luzern aufgewachsene künftige DT-Intendant einige kennengelernt: Mannheim, Stuttgart, Saarbrücken, Linz, Berlin, Basel, Zürich oder Heidelberg. In Bern leitete er von 2007 bis 2012 das Schauspiel am Stadttheater. Dort sei er angetreten mit der Maßgabe, „entweder wir haben Erfolg oder wir gehen unter“.

Viele Schwierigkeiten gab es, „viel Arbeit und oft schlaflose Nächte“. Sidler hatte Erfolg beim Publikum, das von 28   000 auf 45   000 Zuschauer pro Jahr wuchs. Er setzte sich gegen Widersacher durch. Aber sein Vertrag wurde nicht verlängert. Dennoch: „Bern war die beste Schule, weil ich, bis auf den Etat, Freiheit in alle Richtungen hatte.“

„Jede Stadt will ein Theater mit Stücken, die sie braucht“

Und nun in Göttingen als Nachfolger von seinem Landsmann Mark Zurmühle (60), den er seit der Zeit in Hannover kennt. „Die Frage, was hat Theater in dieser Stadt für eine Funktion, muss ab und an neu gestellt werden“, erklärt Sidler. Deshalb sei ein Wechsel sinnvoll, um neu in die Stadt zu horchen.

„Jede Stadt will ein Theater mit Stücken, die sie braucht“, meint Sidler. Auch vergleichbare Städte – beispielsweise Göttingen, Tübingen, Freiburg oder Marburg – seien unterschiedlich hinsichtlich Publikumsgeschmack oder Humor. „Der ist in Niedersachsen was ganz anderes“, weiß Sidler und hofft, ihn zu treffen.

Die Inszenierungen am Haus sind für ihn „ein Teil der Kommunikation zwischen Theater und Stadt“. Als Intendant will er das Publikum für neue Formen begeistern, will neue Gruppen gewinnen, ohne die bisherigen Zuschauer zu verlieren. Mit dem großen Ensemble des Hauses sei er dabei, Gespräche zu führen.

Als Intendant wird er entscheiden, wer weiterhin ein Engagement am DT haben wird. Sidler will als schauspielerischer Leiter „kommentieren, beschreiben, benennen, neue Impulse in der Arbeit geben“. Dafür müsse er wissen, wer zu seinen Theateransprüchen passt. Denn das Haus werde geprägt durch das Ensemble.

„Eine Geschichte so erzählen, dass der andere sie mitlebt“

Er setze auf Ensemblestücke. Will, wenn er selbst inszeniert, „sich auf der Probenbühne aber auf Augenhöhe mit dem Ensemble bewegen“.

Sidler ist froh, dass er selbst gerade ohne festes Engagement ist. Er kann an seinem Plan vom Theater feilen. Das soll „eine Geschichte so erzählen, dass der andere sie mitlebt“. Dafür sei die Begegnung zwischen Schauspieler und Publikum so wichtig. „Das ist ein Austausch, ein Teilen.“

Sidler ist davon überzeugt, dass die „Qualität dessen, was passiert in diesem Vorgang immer geschätzt werden und nicht untergehen wird“. Theaterspiel sei direkter als jede andere Form von Schauspiel, sagt der Mann, der sein Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Zürich begann, um Filmproduzent zu werden.

Aber durch Dozent Christoph Leimbacher, der „gnadenlos Leidenschaft sehen wollte“, änderte er seine Meinung. Inszenierungen von Einar Schleef haben ihn ebenso geprägt wie Stücke von Heinrich von Kleist („das ist ein Universum“) und Thomas Bernhardt.  Möglich, dass er sie in Göttingen auf die Bühne bringt, wenn die Stadt sie braucht.

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