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Regional Erich Sidler neuer Intendant am Deutschen Theater (DT) Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Erich Sidler neuer Intendant am Deutschen Theater (DT) Göttingen
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20:02 27.02.2013
Von Peter Krüger-Lenz
Ab Sommer 2014 leitet er die Geschicke des Deutschen Theaters Göttingen: der Schweizer Regisseur Erich Sidler. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Er löst  Mark Zurmühle ab. Der 60-Jährige verlässt nach 15 Jahren das DT, weil der Aufsichtsrat seinen Vertrag nicht verlängerte.

Sidler leitete bis 2012 fünf Jahre lang das Schauspiel am Stadttheater Bern. Dort sorgte er für Furore, weil er erst das Haus wieder auf Kurs brachte und dann den Aufstand probte. Er protestierte öffentlich gegen einen Beschluss seines Intendanten, der Sidlers Sparte mit einer heftigen Budgetkürzung belegte, die Oper allerdings, die der Chef selbst leitete, sollte trotz schwächelnder Zuschauerzahlen ungeschoren davon kommen.

Die Findungskommission, an der auch ein DT-Ensemblesprecher und ein Betriebsratsmitglied teilnahmen, habe „eine Persönlichkeit mit Führungserfahrung“ gesucht, erklärte Göttingens Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck (SPD) als Sprecherin des Gremiums. Sie unterstrich Sidlers „internationales Renommee im deutschsprachigen Raum“ und erklärte, dass ihnen auch seine Streitbarkeit nicht entgangen sei.

Externer Berater der Kommission war übrigens Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theater Berlin. Der hatte Sidler in seiner Zeit am Staatstheater in Hannover nach dem Studium als Regieassistent engagiert und ließ ihn bald selbst inszenieren.

Sidler hat bereits am DT inszeniert. Seine Produktion „Alle 16 Jahre im Sommer“ steht derzeit auf dem Spielplan. Autor des Stücks ist John von Düffel, gebürtiger Göttinger. Sie hätten sich schon ausgetauscht über die frei werdende Stelle, erklärt Sidler auf Nachfrage und bestätigt, dass der vielbeschäftigte Dramaturg am Hause Khuons ihm zu einer Bewerbung geraten habe.

Das Haus schätzt er als „für einen Theaterleiter interessante Station“. Er lobte das „sehr gepflegte Ensemble, das er weiter entwickeln wolle „und nicht nur ins Rennen schicken“.  Er wolle mit den Schauspielern reden um festzustellen: „Findet man einen Weg oder ist es besser, man trennt sich?“ Sidler: „Das Rad wird nicht neu erfunden“ bei einem Intendantenwechsel, „Kontinuität ist wichtig“. Doch klar sei auch, dass die Theaterarbeit auf zeitlich begrenzten Verträgen beruhe.

In der Schweiz organisierte Sidler in der Zeit seiner Intendanz mehrere Festivals für junge Dramatiker. Diese Autoren interessieren ihn, denn: „Die Welt, in der sie leben, ist auch meine Welt“. Er inszenierte gerne „an der Schnittstelle zwischen Schauspiel und Musiktheater“. Mit auch von der Politik geforderten Einsparungen ist er schon in Bern konfrontiert worden. Die Kürzungspläne in Göttingen findet er „relativ akzeptabel“. Auch Theaterleute müsste in solchen Zeiten kooperieren.

An seiner Kooperation soll es auch bei anstehenden Veränderungen in der Göttinger Theaterlandschaft nicht mangeln. Seine Einschätzung: „Je mehr Theater, desto besser.“ Doch Sidler schränkt auch ein. Das Junge Theater sei aus einer politischen Idee entstanden, seine Ausrichtung klar definiert gewesen – eine Alternative zum etablierten Stadttheater. Das gebe es heute in dieser Form jedoch nicht mehr.

„Das DT muss sehr viel flexibler sein und ein heterogenes Publikum versammeln“, meint der Theatermann. Da sei die Rolle des JT nicht mehr so eindeutig. Das Programm dürfe sich nicht doppeln. Aber „wenn der Blick nur auf Zahlen gerichtet wird, bleibt die Kunst auf der Strecke“. Und keinesfalls wolle er den Eindruck erwecken, das DT „wolle sich möglichst schnell möglichst viel unter den Nagel reißen“.

Bald will Sidler nun sein Leitungsteam vorstellen, bald auch nach Göttingen umziehen. So wird aus der Partnerschaft, in der er lebt, wieder eine Fernbeziehung.

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