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00:16 12.09.2017
MItglieder des Norddeutschen Figuralchors singen in der Klosterkirche Nikolausberg. Quelle: Michael Schäfer
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Nikolausberg

Das ist ein ungewöhnliches Thema für ein Musikfest. Dazu hat sich der Musiker Antonius Adamske, Gründer und künstlerischer Leiter der Musiktage, im dicken Programmheft ausführlich geäußert. Er resümiert: „Musik ist eine der Gestaltungen, in denen der Heilige Geist wirken soll. Als Schöpfer wirkt er – auch von Kunst.“ Und er verspricht ein Wochenende mit einer „breiten Palette an geistreicher Kunst“.

Dieses Versprechen hat Adamske im Eröffnungskonzert auf spannende Weise eingehalten mit einem Mix aus Orgel- und Chormusik aus der Renaissance (Palestrina), Frühbarock (Froberger), Hochbarock (Bach) und Moderne (Penderecki). Als Chor hatte er ein solistisch besetztes Doppelquartett mit vier Frauen und vier Männern engagiert.

Register mitteltönig umgestimmt

Mit dem Hymnus „Komm Gott, Schöpfer, Heiliger Geist“ eröffnete Adamske den Abend – in Form der großen Bachschen Partita BWV 667 für Orgel. Faszinierend sind die polyphonen Strukturen, vor allem dann, wenn im Flchtwerk der ornamentierenden Stimmen machtvoll der Cantus firmus erklingt. Sehr edel und rein folgte Palestrinas Vertonung dieses Textes aus dem 9. Jahrhundert, gefolgt von einer Orgeltoccata von Johann Jacob Froberger, die Adamske auf einem dafür eigens mitteltönig umgestimmten Register präsentierte: mit bemerkenswert reinen Terzen und den wenigen etwas schrägen chromatischen Tönen, die für diese Stimmung charakteristisch sind. Der Weg von der Dissonanz der „Verstimmtheit“ zur Reinheit der „guten“ Intervalle sorgt für eine ganz besondere Spannung beim Zuhören, ebenso die verzierenden Stimmen, die Froberger in überquellendem Reichtum mit Läufen und Trillern ausstattet.

Ein zweiter Palestrina-Satz („O quam suavis est Domine spiritus tuus“) und eine weitere Froberger-Toccata waren die Überleitung zum ersten großen Bachschen Chorwerk, der doppelchörigen Motette „Der Geist hilft unser Schwachheit auf“. Hier zeigte sich auf eindrucksvolle Weise die Professionalität des Vokalensembles. Adamske gab als Dirigent sehr lebendige Impulse und sorgte für feine Kontraste in Dynamik und Tempo. Bachs Choralbearbeitung „Vater unser im Himmelreich“, ein sehr komplexes und fein ziseliertes Orgelwerk, stand vor der zweiten doppelchörigen Motette Bachs „Singet dem Herrn ein neues Lied“, die der Chor virtuos, kraftvoll und ausdrucksstark interpretierte. Gegen diese Art der Polyphonie wirkte Palestrinas „Spiritus Sanctus replevit“ bemerkenswert schlicht, dafür auf schöne Weise erhaben.

Besonderer Schlussakzent

Am Schluss stand der Sprung in die Moderne zu Krzysztof Pendereckis „Veni creator Spiritus“ (komponiert 1987) für achtstimmigen Chor a cappella. Auch mit dieser ganz anderen musikalischen Sprache hatten sich die Vokalisten gründlich vertraut gemacht. Freilich stießen sie hier an die Grenzen dessen, was ein Projektchor zu leisten imstande ist: Gerade diese Musik verlangt ein Höchstmaß an Intonationsgenauigkeit, die die Sängerinnen und Sänger – denen auch bisweilen eine gewisse Anstrengung anzumerken war – nicht immer einzuhalten imstande waren. Gleichwohl setzte dieses Werk einen ganz besonderen Schlussakzent. Am Ende gab es begeisterten Beifall und als Zugabe die Wiederholung des Schlusschorals aus Bachs „Geist“-Motette.

Programm der Nikolausberger Musiktage

Die weiteren Termine vom 9. bis 11. September der 3. Nikolausberger Musiktage in der Klosterkirche und im Gemeindehaus Nikolausberg, Augustinerstraße: Festkonzert mit dem Gospelchor Blankenese (Sonnabend 17 Uhr), Nachtkonzert und Slow-Food-Verkostung (Sonnabend 21 Uhr), Festgottesdienst (Sonntag 10 Uhr), Frühstückskonzert mit dem Ensemble Fairy Queen (Sonntag 11.30 Uhr), Filmkonzert mit Friedrich Murnaus Stummfilm „Faust“ und Live-Improvisation (Sonntag 19.30 Uhr), Abschlusskonzert mit dem Göttinger Barockorchester und dem Solisten Rupprecht Drees (Montag 19.30 Uhr).

Von Michael Schäfer

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