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Regional Eröffnung der Clavier-Tage Göttingen
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00:32 29.04.2018
Gerrit Zitterbart mit Musikerinnen des Klenke-Quartetts. Quelle: Michael Schäfer
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Göttingen

Warum Clavier mit C? Zitterbart bezeichnet damit historische Tasteninstrumente zur Unterscheidung vom modernen Klavier. An diesem Abend hatte er den Nachbau eines Hammerflügels von Anton Walter mitgebracht, einem der bedeutendsten Klavierbauer zur Zeit der Wiener Klassik, dessen Instrumente auch Mozart benutzte. Zu den historischen Gegebenheiten dieser Zeit passte überdies der Raum hervorragend: Die architektonisch wie ein Hörsaal konzipierte Kirche ist vergleichsweise klein, darin ist auch der vergleichsweise zarte Klang eines Hammerflügels gut zu vernehmen.

Leicht, ohne Druck

Bevor dieses Instrument eingesetzt wurde, spielte das Klenke-Quartett zur Eröffnung Mozarts Streichquartett G-Dur KV 387, das erste der sechs Joseph Haydn gewidmeten Quartette aus dem Jahr 1782. Hier zeigten die vier Damen – Annegret Klenke und Beate Hartmann (Violine), Yvonne Uhlemann (Viola) und Ruth Kaltenhäuser (Violoncello) – ihre kammermusikalischen Qualitäten aufs Schönste. Ihr Musizierstil ist leicht, ohne zu viel Druck, sie spielen transparent, gern frisch in den Tempi. Sie zeigen auch Freude an den Widerborstigkeiten, mit denen Mozart seine Musik würzt, vor allem in den gegen den Takt gerichteten Akzenten im Menuett, bei denen der Hörer für Augenblicke seine rhythmische Orientierung verliert. Sehr anmutig und gesanglich gestalteten sie das Andante cantabile, lebhaft und temperamentvoll die Ecksätze.

Perlende Virtuosität

Im g-Moll-Klavierquartett KV 478 gesellte sich nun Zitterbart zum (um Beate Hartmann reduzierten) Klenke-Quartett. Er machte gleich unmissverständlich und mit perlender Virtuosität klar, dass in dieser Musik rokokohaft vertändelte Klänge keinen Platz haben: Hier präsentiert sich Mozart kantig, entschlossen, ja bisweilen sogar ein wenig schroff und verweist damit schon in Richtung Beethoven. Unterstützt wurde dieser Eindruck durch den besonderen Klang des Hammerflügels, der zwar in der Lautstärke zarter ist als ein modernes Instrument, aber wesentlich heller im Gesamteindruck und härter in der Attacke.

Allerdings trat im Zusammenspiel mit den drei Streichern ein Problem zutage: Moderne Streichinstrumente sind so klangstark, dass sie bisweilen den Hammerflügel-Ton ein Stück weit verdecken. Vielleicht könnten die Musikerinnen des Klenke-Quartetts deshalb in ihrer Spielweise künftig darauf mehr Rücksicht nehmen. Doch diese kleinen akustischen Probleme traten gegenüber der Passgenauigkeit im Zusammenspiel, der sichtbaren Spielfreude und der gemeinsam entwickelten Leidenschaft weit in den Hintergrund.

Reich differenziert

Auch im Streichquartett C-Dur KV 465, mit dem das Klenke-Quartett den Abend beendete, schlägt Mozart gleich zu Beginn einen herberen Ton an. Wegen der für diese Zeit ungewöhnlich schneidenden Klänge der Adagio-Einleitung hat das Werk den Beinamen „Dissonanzenquartett“ erhalten. Es ist nirgends eine gefällige, sanft plätschernde Musik, sondern auffallend intensiv durchgearbeitet, geistreich und kraftvoll. Das stellten die vier Musikerinnen sehr überzeugend dar, intonationssicher und mit reich differenziertem Ausdruck, an nur sehr wenigen Stellen nicht ganz einig im Tempo. Die rund 70 Zuhörer klatschten so lange, bis sie die ersehnte Zugabe erhielten: eine zarte Chaconne von Henry Purcell.

Termine

Die weiteren Konzerte der Clavier-Tage in der Evangelisch-reformierten Kirche, Untere Karspüle 11: Clavierkonzerte KV 413, 414 und 415 in Klavierquintett-Fassung am Donnerstag, 26. April um 16 Uhr (Jugendkonzert) und 19.45 Uhr; Mozart-Violinsonaten mit Friederike Starkloff und Gerrit Zitterbart am Sonnabend, 28. April, um 19.45 Uhr. Im Clavier-Salon, Stumpfebiel 4: Clavierabend mit Viacheslav Shepolov am Freitag, 27. April, um 19.45 Uhr Clavierduo-Matinee mit Saeyoung Jeong und Gerrit Zitterbart am Sonntag, 29. April, um 11.15 Uhr; Clavier-Trios am Sonntag, 29. April, um 19.45 Uhr.

Von Michael Schäfer

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