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Regional Erstmalig in Göttingen: Das Syrian Expat Philharmonic Orchestra
Nachrichten Kultur Regional Erstmalig in Göttingen: Das Syrian Expat Philharmonic Orchestra
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22:06 04.04.2018
Gibt bei den Proben den Feinschliff: der bekannte syrische Komponist Nouri Iskandar, dessen 80. Geburtstag das Syrian Expat Philharmonic Orchestra mit einem seiner Werke feiert. Quelle: Foto: Mischke
Göttingen

Viele der Musiker des Sepo studierten und musizierten in Syrien zusammen, bis der Krieg sie trennte. Seit 2015 finden sich die Musikerinnen und Musiker, die jetzt in ganz Europa leben, regelmäßig zusammen, um gemeinsam als Botschafter ihrer Kultur Musik syrischer Komponistinnen und Komponisten zu spielen. Nach Auftritten in der Elbphilharmonie, im Konzerthaus Berlin, Brüssel und Athen ist Sepo jetzt auch in Göttingen zu erleben.

Spezielles Konzert

Seit Dienstag sind die Musiker in der Stadt und proben im Zentrum für ältere Menschen in Grone. Raed Jazbeh, Gründer und künstlerischer Leiter des Sepo zeigt sich glücklich und dankbar. Nur durch die Unterstützung von Förderern wie der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung, der AKB-Stiftung, der Göttinger Kulturstiftung, dem Flüchtlingsfonds der evangelischen Landeskirche Hannover und dem Rotary Club Göttingen habe das Konzert ermöglicht werden können. Als Göttinger Kooperationspartner sind das Migrationszentrum, das Deutsche Theater, das Kaz sowie der Integrationsrat der Stadt mit an Bord. „Wir sind alle sehr aufgeregt, dieses spezielle Konzert am Freitag zu spielen“, sagt Jazbeh beim Pressegespräch. Dirigent Alaboud richtet seinen besonderen Dank an Dana Gaef, den Leiter des Migrationszentrums Göttingen. Auf dessen beharrliche Initiative hin sei der Besuch des Orchesters in der Stadt überhaupt erst in Gang gekommen.

Auf Arabisch und Deutsch

Im Mittelpunkt des Abends wird das Orchesterkonzert für die Oud, eine Knickhalslaute und traditionelles arabisches Instrument, stehen, die von Maher MahmOud gespielt wird. Zum ersten Mal kommt dieses Konzert mit Sepo zur Aufführung und feiert damit den 80. Geburtstag des syrischen Komponisten Nouri Iskandar, der ebenfalls nach Göttingen gereist ist und während der Proben für den Feinschliff sorgt. Auch das Gedicht „Das Mädchen mit den Lilien“ des syrischen Dichters Adnan Alaoda wird am Freitag zu erleben sein. Zum ersten Mal wird die gleichnamige Komposition von Iyad Rimawi gemeinsam mit der Dichtung auf Arabisch und Deutsch aufgeführt. Alaoda selbst übernimmt den Textpart, den Gesang die Altistin Basa Jabr. Ebenfalls von Rimawi stammt die Komposition „Der Kummer des Paten“, die er für eine Fernsehserie geschrieben hat.

Auch der Konzertmeister des Sepo, der Geiger Jehad Jazbeh, hat eine Komposition für den Abend beigesteuert. „Mein wunderschönes Heimatland“ erzählt von den Erinnerungen, der ersten Liebe und der Sehnsucht nach der Heimat. Dieser Inhalt steht im direkten Zusammenhang mit den kollektiven Gefühlen der im Exil lebenden Syrer, komponiert mit radikalen Veränderungen in Rhythmus und Harmonie; eine Mischung aus orientalischem Charakter und klassischen harmonischen Klängen.

Leidenschaft

Der syrisch-deutsche Komponist und Dirigent Nuri El Ruheibany hat eigens für dieses Konzert zwei arabische Lieder orchestriert. Er gilt als einer der besten Komponisten, der es schafft, die orientalischen Melodien mit dem symphonischen Klang eines Orchesters zu verbinden. Ebenfalls zu hören: „Dabke“ von Kareem Roustom, einem der bedeutendsten Komponisten des Nahen Ostens unserer Zeit, und „Die geliehene Kleidung“, die Filmmusik der syrisch-kanadischen Komponistin Suad Bushnaq. „Leidenschaft“ ist eine Musik, die sich an der alten lyrischen Form aus der arabischen Zeit Andalusiens orientiert und von Dia Succari stammt. Als Verbeugung vor einem großen deutschen Meister wird die berühmte Arie „Erbarme dich“ von Johann Sebastian Bach zu Gehör gebracht – sowohl klassisch als auch arabisch interpretiert und gesungen.

Eintrittskarten, auch für das internationale „Meet &Eat“-Buffet im Anschluss an das Konzert, können beim Deutschen Theater in Göttingen oder auf deren Homepage erworben werden. Am Sonnabend, 7. April, sind Musiker des Sepo im Spiegelsaal des Kaz zu Gast. Im Workshop „Die Kunst der Gefühle“ wollen sie deutschen Musikern die Besonderheiten arabischer Musik vorstellen.

Von Christoph Mischke

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