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Regional Improvisationen in der Göttinger Marien-Kirche
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16:44 02.09.2017
Die Besetzung bei „European Echoes“ Quelle: Jörg Linnhoff
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Göttingen

Außergewöhnliche Klänge gab es am Freitag Abend in der St.-Marien-Kirche in Göttingen zu hören. Unter dem Titel „European Echoes“ zelebrierten sechs europäische Ausnahmemusiker aus fünf Ländern die Kunst der freien Improvisation unter Einbeziehung der speziellen Raumakustik der Kirche.

Aus den Erlösen der jährlich in Göttingen stattfindenden „Kunst Gala“ werden über den Verein Kunst kulturelle Projekte gefördert. Für dieses Jahr wurde die Förderung unter das Thema „Europa“ gestellt. So kam dem Göttinger Musiker Ove Volquartz die Idee zu „European Echoes“. Weitere Partner für dieses sehr aufwendige Projekt konnte er mit dem Kulturamt der Stadt Göttingen sowie „KIM Kultur“ gewinnen.

Über Facebook suchte Volquartz den Weg zu mit ihm schon langjährig befreundeten Musikern aus ganz Europa. Bei der Auswahl ging es ihm vorrangig darum, welche Musiker zusammen passen und gleichzeitig mit der speziellen Akustik in einer Kirche umgehen können.

Mit der britischen Violinistin Alison Blunt, dem belgischen Kontrabassisten Jean Demey, dem italienischen Sopran-Saxofonisten Gianni Mimmo, der spanischen Perkussionistin Núria Andorrà sowie dem deutschen Organisten Peer Schlechta fand Volquartz, selbst an Bass- und Kontrabassklarinette beteiligt, kongeniale Partner. Alle waren spontan begeistert von dem grenzübergreifenden Projekt und nahmen dazu teils lange Reisen aus ihren jeweiligen Heimatländern in Kauf.

Musiker bewegen sich frei in der Kirche

Am Vorabend waren die Musiker mit dem Projekt schon im KIM in geschlossener Formation und ohne Orgelbegleitung aufgetreten. Der Kirchenraum bot nun eine ganz andere Form der Darbietung. Um die Raumakustik voll auszuschöpfen, bewegten sich die Musiker während ihres Vortrags teils frei in der Kirche. Dazu hatten sie vorab getestet, an welchem Ort die jeweiligen Instrumente am besten klingen. Zum Ablauf hatten sie für den Anfang und das Ende ein Konzept erstellt. Dazwischen wurde frei und mit Freude am gemeinsamen Spiel improvisiert. Das ein oder andere Instrument musste dabei zurückgenommen werden, damit sich diese durch die Kirchenakustik nicht überlagern.

Während die übrigen MusikerInnen sich im Altarraum platziert haben und in Stille verharren, sind erste kurze Orgelanschläge zu hören. Zu diesen gesellt sich, mit großer Präsenz, der Klang der Bassklarinette von der Empore. Nach und nach steigern sich beide Instrumente in ein opulentes Klanggefüge, um sich dann wieder mit langsam abschwellenden Tönen im Raum zu verlieren. Ein gestrichener Bass übernimmt im Zusammenspiel mit der Violine, und Andorrà erzeugt dazu schleifende Geräusche auf dem Fell ihrer Basstrommel. Zarte, hohe Klänge von Mimmos Sopransaxophon schleichen sich aus dem Seitenschiff mit ein. Aus der Tiefe des Raums nähern sich die dunklen klaren Töne der Bassklarinette.

Andorrà fasziniert mit ungewöhnlichem Percussionsspiel. Mit unterschiedlich großen Becken und anderen Hilfsmitteln erzeugt sie rhythmisch schabende Geräusche und nutzt dazu die Bassdrum als Klangkörper. Dann lässt sie mit atemberaubender Geschwindigkeit die Sticks über das Fell fliegen, während beide Blasinstrumente dazu eine vibrierende Atmosphäre schaffen. Zum abschließenden Höhepunkt erklingen Orgel und Violine in einem fast spielerisch leichten Duett wie aus dem Off von der Empore.

Der Reiz dieses musikalischen Spektakels lag in den vielen klanglichen Eindrücken, die das Ohr aus verschiedenen Richtungen wahrnahm. Viele der Besucher genossen die rund fünfzigminütige durchgehende Vorführung mit geschlossenen Augen, um dann langanhaltend zu applaudieren.

Von Jörg Linnhoff

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