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Ex-Intendant der Göttinger Händel-Festspiele über sein Hannover-Pläne

Benedikt Poensgen Ex-Intendant der Göttinger Händel-Festspiele über sein Hannover-Pläne

Seit einen halben Jahr ist Benedikt Poensgen Leiter des Kulturbüros der Stadt Hannover. Dort wird die Kulturförderung der Stadt verwaltet – insgesamt geht es um 2,7 Millionen Euro für die institutionelle Förderung, dazu kommen rund 370 000 Euro als freie Projektmittel.

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Seit einem halben Jahr Leiter des Kulturbüros der Stadt Hannover: Benedikt Poensgen.

Quelle: Hinzmann

Der 43-jährige Musikwissenschaftler, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, war zuletzt Intendant der Internationalen Händel Festspiele Göttingen. Weil seine Tätigkeit dort vor allem auf Musik konzentriert, freut Poensgen sich, dass er es in Hannover „mit der ganzen Breite der Kunst und Kultur“ zu tun hat. Nach einer Umstrukturierung innerhalb der Stadtverwaltung war die Leitungstelle im Kulturbüro faktisch eineinhalb Jahre lang nicht besetzt – nun hat der neue Mann viele Dinge entdeckt, die liegengeblieben sind. „Bisher wurde überwiegend gefördert – aber wenig gefordert“, sagt Poensgen. Was also wird man künftig aus dem Kulturbüro hören?

Ein Schwerpunkt der Arbeit sieht Poensgen in der Zusammenarbeit mit der Chorszene. „Eine unabhängige Stelle, wie wir es sind, kann die Chorszene gut begleiten und dabei helfen, sie noch besser zu vernetzen“, sagt Poensgen. Das Kulturbüro wird daher an der Neuorganisation eines Chorfestivals in Herrenhausen beteiligt sein. In diesem Jahr wird es am 5. und 6. November stattfinden, ab 2012 soll es auf das Frühjahr verlegt werden. Wichtig für viele Chöre ist darüber hinaus die Entwicklung eines Chorzentrums in der Christuskirche, das zunächst Heimat des Mädchenchores sein wird, sich bald aber einer Veranstaltergemeinschaft anderer Chöre öffnen soll. Die Eröffnung ist für das kommende Jahr geplant. Vor allem junge Sänger werden davon profitieren: 2013 soll dort nach Willen der Stadt ein Europäisches Jugendchorfestival beheimatet sein, das der hannoverschen Chorszene einen deutlichen Akzent verleiht. Schon jetzt sind 50 000 Euro zusätzlich für Kinder- und Jugendchöre im Haushalt eingeplant.

Poensgen will außerdem das Künstlerhaus mit Kunstverein, Literaturbüro und Kommunalem Kino entschiedener als bisher als interdisziplinares Kulturzentrum erkennbar machen. Das Haus soll benutzerfreundlicher werden, um Besucher einer Institution auch auf die Angebote der anderen im Haus hingewiesen werden. Außerdem soll die Reihe Dialog der Künste dafür aufgewertet werden, darüberhinaus sind für den Sommer Open-Air-Kinovorstellungen im Hof des Künstlerhauses geplant.

Ein ambitioniertes neues Projekt ist die Förderung des gerade gegründeten Kammerorchesters Musica Assoluta, das sich unter Federführung des Komponisten und Cellisten Thorsten Encke zu einem Kammerorchester nach Vorbild der Bremer Kammerphilharmonie entwickeln soll und in Herrenhausen eine Heimat finden wird. Gestärkt werden sollen auch der Hölty-Preis für Lyriker und das Hannah-Arendt-Stipendium für verfolgte Schriftsteller. Poensgen hofft, die Kandidaten für das Stipendium künftig stärker in die lokale Szene einwirken zu lassen. „Es ist ein wunderbares Projekt“, sagt er, „aber wenn es keiner mitkriegt, ist es sinnlos.“

Die Kunst, ein Schwerpunkt der Förderung durch das Kulturbüro, ist für Poensgen zugleich „das Sorgenkind“. Zurzeit gebe es Probleme, Nachwuchskünstler in die Stadt zu ziehen. Atelierförderung, Galerie und Ausstellungsflächen wie etwa der Kubus müssten künftig enger verzahnt werden.

Karriere

Benedikt Poensgen, Jahrgang 1968, hat Musikwissenschaften, Italienisch und Amerikanistik studiert und wurde an der Universität Hamburg promoviert. Von 1998 bis 2007 war er Geschäftsführer der Göttinger Händel-Gesellschaft danach verantwortete er als Geschäftsführender Intendant die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen. Seit 2010 ist er in Hannover Bereichsleiter des Kulturbüros der Stadt Hannover.

Von Stefan Arndt

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