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„Akustik-Punk für Mädchen“

Faber & Band in der Musa „Akustik-Punk für Mädchen“

Das Konzert ist lange ausverkauft, Faber, ein Songwriter aus der Schweiz. Sollte man ihn kennen? Ja, sollte man, ist das Fazit nach seinem berauschenden Konzert in der Musa, denn er hatte nicht nur beachtenswerte Texte, sondern auch eine großartig aufspielende Band dabei.

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In der Musa gefeiert: Faber

Quelle: Jörg Linnhoff

Göttingen. Faber gab auf der jüngsten Tour von Sophie Hunger unter begeistertem Zuspruch den Support. Der Züricher Musiker Julian Pollina alias Faber ist mit seinen tiefsinnigen Songs längst über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannt.

2015 startete er eine Crowdfunding-Kampagne, um seine erste EP ,„Alles Gute“ zu finanzieren. Das Album kam beim Publikum und den Medien derartig gut an, dass schon 2016 mit „Abstinenz“ eine zweite EP folgte. Durch die Tour mit Hunger wurde eine deutsche Agentur auf ihn aufmerksam, die seine Geschicke seitdem lenkt. Sein Debüt-Album „Sei ein Faber im Wind“ veröffentlicht er 2017 .

Ihren Auftritten eilt der Ruf voraus, „etwas von einem durchgeknallten Straßenmusik-Happening“ zu haben. Bisweilen werden sie laut Faber als „Akustik-Punk für Mädchen“ bezeichnet. Der junge Sänger und Gitarrist italienischer Abstammung will mit seinen Liedern „gegen all die strukturelle Langeweile anspielen“.

Mit einer feierlichen Ouvertüre, getragen von Cello und Posaune spielt sich die Band in den Abend. Harte Drums kündigen „Widerstand“ an, das mit Zeilen wie „„Mach’s genau wie unser Land, sei eine Fahne im Wind, eine Stimme im Chor, nur die wirklich blöden Fische schwimmen gegen den Strom“ ein erstes Ausrufezeichen setzt. Die Band spielt sich dabei gleich durch die gesamte Klaviatur von fein nuanciert bis richtig krachend.

Faber, der mit sizilianischen Volksliedern aufgewachsen ist, singt seine mit satirisch-augenzwinkernder Gesellschaftskritik gespickten Lieder mit rauchiger Stimme und großer Hingabe. Musikalisch bewegt sich die Band, bestehend aus Janos Mijnssen, Bass, Cello, Goran Koč, Keyboards, Akkordeon, Max Kämmerling, Gitarre, Perkussion und Tillmann Ostendorp, Schlagzeug, Posaune, in einem Stil-Mix aus Polka, Tango, Blues, Indie-Folk und Chanson bis hin zu Balkandisco.

In Liedern wie „Es könnte schöner sein“, „Bratislava“ oder „Bleib dir nicht treu“ polarisiert Faber mit kraftvoller Wortwahl und pointierten Widersprüchen. Die Band setzt passend dazu feine Akzente mit Cello, Posaune oder Akkordeon, überrascht mit plötzlichen Breaks oder „polkat“ so richtig los. Dem Song „In Paris brennen Autos“ legen sie ein entspanntes Tangogewand an.

Einem Besucher geht es nicht schnell genug. Er unterbricht Faber und verlangt lautstark nach dem Song „Es wird ganz groß“. Entspannt lässt Faber darüber abstimmen, ob er das Lied vorziehen soll. Es bleibt bei der Alternative „Wem du’s heute kannst besorgen“. Der Saal kommt in Bewegung und lässt direkt im Anschluss textsicher den Refrain aus „Es wird ganz groß“ zum großen Chor werden.

„Alles Gute für euch“ ist Fabers Lied zum gehen, doch die euphorisch gestimmten Besucher sind noch nicht bereit dazu. Der eindringlichen Ballade „Sei ein Faber im Wind“ folgt „So soll es sein“. Der Song wird zur großen Abschlusshymne mit Technoeinlage, furiosem Pianosolo und großem Publikumschor.

Ganz großes Kino, was Faber und seine Band da auf die Bühne gezaubert haben. Als Support gab der ebenfalls aus der Schweiz kommen Musiker Frank Powers eine kurze, stimmlich durchaus beeindruckende Kostprobe seiner mehrsprachig gesungenen Liedkunst.

Von Jörg Linnhoff

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