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Familiäres Vergnügen am Horn

Hornist Attila Holczinger Familiäres Vergnügen am Horn

Draußen ballen sich die Weihnachtsmarkt-Gäste in dichten Trauben um die Glühweinstände, drinnen im Alten Rathaus aber haben die Besucher von Attila Holczingers Weihnachtskonzert mit dem „Divertimento con corno“ reichlich Platz. Ein Tannenbäumchen auf dem Podium sorgt für Stimmung. Wieso liegt ein Hefezopf darunter? Das, so der ungarische Musiker, sei ein Brauch aus seiner Heimat.

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Ventillos glücklich: GSO-Hornist Attila Holczinger.

Quelle: Vetter

Göttingen. Einleitend liest Holczinger einen besinnlichen Text vor, der ihn selbst mehr rührt als die Zuhörer, gefolgt von einem gefühlsseligen weihnachtlichen Chorlied aus dem Lautsprecher. „Der Text ist phänomenal“, rühmt Holczinger – na gut, jedenfalls phänomenal sentimental.

Doch das ist auch der einzige Kitsch an diesem ungewöhnlichen Abend. „Divertimento“ heißt Vergnügen: Es geht Holczinger, der als professioneller Hornist dem Göttinger Symphonie-Orchester angehört, nicht um hochglanzpolierte musikalische Präzision, sondern in erster Linie um Spaß an der Musik.

Freude soll’s machen, vor allem den Ausführenden: neben Holczinger die Schülerinnen Clara und Laura, die Weihnachtslieder-Variationen im Querflötenduett vortragen – was auch gut draußen auf den Weihnachtsmarkt gepasst hätte – und Martin, der in einigen Stücken zu Holczingers Horntönen auf der Bratsche eine zweite Stimme spielt.

Zu erleben ist eine kunterbunte Mischung verschiedener Epochen und Stile. Etwa ein Zwischenspiel aus Bizets Oper „Carmen“, reduziert auf Horn solo, eine alte gregorianische Melodie auf einem ventillosen alten Horninstrument, ein frühmittelalterlicher zweistimmiger Satz mit Piccolo-Blockflöte und Bratsche oder Debussys Flöten-Solostück „Syrinx“ auf dem modernen Ventilhorn (Holczinger: „Mal gucken, ob alle Tönchen kommen“). Ein Stück mit Holczinger plus zwei Parforcehörnern sowie Weihnachtslieder, gemeinsam mit drei Mitgliedern der Blaskapelle Barterode gespielt, beschließen den Abend –  meistens, wenn auch nicht immer, mit richtigen Tönchen.

Ein richtiges Konzert ist der Abend eigentlich nicht, eher ein familiäres Vergnügen. Wie ein normales Publikum darauf reagiert hätte, ist schwer ausmachen. Die meisten der gut zehn Besucher sind nämlich Holczingers Mit-Musiker.

Von Michael Schäfer

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