Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Familientrio Gerassimez begeistert mit „family clash“
Nachrichten Kultur Regional Familientrio Gerassimez begeistert mit „family clash“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:52 08.09.2018
Packendes Wechselspiel: Die Gebrüder Gerassimez beeindrucken im Rahmen der Niedersächsische Musiktage im Atrium des Gräflichen Landsitzes Hardenberg Quelle: Jörg Linnhoff
Hardenberg

Mitreißend hat sich das Familientrio Gerassimez im Atrium des Gräflichen Landsitzes Hardenberg bei den Niedersächsischen Musiktagen mit ihrem kammermusikalischen „family clash“ präsentiert.

Die diesjährigen Niedersächsischen Musiktage stehen unter dem Thema „Beziehungen“ auf verschiedenen Bedeutungsebenen. So lag es nahe, auch musikalischen Familienbeziehungen einen Raum zu geben. Diesen füllten die Gebrüder Gerassimez als sehr innovatives Kammermusikgespann auf beeindruckende Art aus.

In Essen in einem hochmusikalischen Elternhaus aufgewachsen, haben sie sich in den letzten Jahren in die Spitze der heimischen Klassikszene gespielt. Der Cellist Wassily Gerassimez und seine Brüder Nicolai am Klavier und Alexej an der Perkussion sind Vollblutmusiker mit Leib und Seele, die in ihrem noch jungen Alter schon zahlreiche nationale und internationale Wettbewerbe gewonnen haben.

Klassik-Konzert der etwas anderen Art

„So geht das Zuhause auch immer“, ist der humorige Kommentar von Alexej zu Wassilys etwas länger andauerndem Einrichten seines Cellos. Die Besucher erwartet offensichtlich im stimmungsvoll eingerichteten Atrium wie im Vorjahr ein Klassik-Konzert der etwas anderen Art. Mit wechselnder Besetzung tragen sie die Stücke mal im Trio, Duo oder auch solo vor.

Mit Bachs elegischem „Präludium und Fuge“ wollen sie gleich zu Beginn im Trio „beweisen, dass sie sehr gut harmonieren können“. Erst sanft, dann wieder energisch, mit teils rasantem Tempo und ausgewogenem Dialog der beiden Instrumente führt sie Anders Koppels „Toccata“ im Duo mit Piano und Marimbaphon vom Barock zur Moderne.

Marimbaphon, Piano und Cello

Klagende Cello- und dezente Marimbaphon-Klänge zeigen eindrucksvoll Schmerz und Empfinden nach einer Trennung in Wassilys sehr persönlicher Komposition „Melancholia“. Bei Bohuslav Martinus „Rossini Variationen“ sei die Kunst, so Wassily, sich nicht anmerken zu lassen, wie schwierig das Stück ist“. Piano und Cello legen darin einen Parforceritt durch vertrackte Strukturen hin. Im Stil des Jazz seien Fazil Says „Paganini Variationen“ angelegt, so Nicolai. In seinem solistisch mitreißenden Vortrag schimmert dann auch etwas Rag Time durch.

Er sei an diesem Abend für den Krach zuständig, erzählt Alexej augenzwinkernd zu Beginn des zweiten Sets. Dazu bearbeitet er in seiner Komposition „Asventuras“ auf rasante Art lediglich eine Snare-Drum. Er fühle sich auch für die rhythmische Ausbildung seiner Brüder verantwortlich. Das ihm dies gelungen ist, beweist das Trio mit Steve Reichs unter Schlagzeugern gefürchteten „Music for Pieces of Wood“ und vertrackt gegenläufigen Rhythmen.

Spiel mit den Stilen

Ihre abwechslungsreiche Reise führt sie mit Wassilys Solo-Komposition „Die letzte Nacht im Orient“ weiter nach Istanbul bis hin zu Astor Piazollas im Duo mit Cello und Marimbaphon gespielten „Libertango“, um am Ende im Trio wieder zusammenzufinden. „Transition“ ist ein faszinierendes Spiel mit den Stilen, bei dem sie im fliegenden Wechsel die Instrumente tauschen. Und wenn sie dann noch artistisch zu dritt nur das Cello zu einer ganz eigenen Variation von Ravels „Bolero“ bearbeiten, kennt der Applaus keine Grenzen mehr.

Ausdrucksstark, präzise, dynamisch, gefühlvoll und perfekt aufeinander eingespielt zündeten die drei Musiker in ihrer von packenden Wechselspielen und großem Klangreichtum getragenen Vorstellung ein musikalisches Feuerwerk der ganz besonderen Art.

Von Jörg Linnhoff

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Eine deutsche Premiere war am Freitag in Nikolausberg zu erleben: „Scholium 2“ von Dániel Péter Biró, aufgeführt von der Schola Heidelberg und dem Ensemble Aisthesis unter der Leitung von Walter Nußbaum.

08.09.2018

Die Hannover Proms der Radiophilharmonie sind auch im Kino zu sehen – mit einer zukunftsweisenden Übertragungstechnik, die jetzt Weltpremiere feiert.

07.09.2018

Eine Ritterromanze zwischen Orient und Okzident wird am Sonntag, 9. September, in Burg Hardeg aufgeführt. Die Kulturinitiative Hardegsen und die Stadt Hardegsen veranstalten diesen literarischen Liederabend.

07.09.2018