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Faszinierende sprachliche Ausdrucksmittel

Von-der-Wense-Nachlass in Kassel Faszinierende sprachliche Ausdrucksmittel

Der Nachlass des Autors, Komponisten, Fotografen und Wanderers Hans Jürgen von der Wense (1894-1966) gehört jetzt zum Bestand der Universitätsbibliothek Kassel. Am Dienstag, 19. Mai,  hat Dieter Heim, Freund und Nachlassverwalters von Wense, die Bestände der Bibliothek übergeben.

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Auf einer Wanderung: Wense, fotografiert von Dieter Heim.

Quelle: Sammlung Niehoff

Gut 100 Interessierte waren zur Übergabe des Wense-Nachlasses in den Eulensaal der Kasseler Bibliothek gekommen. Hans Jürgen von der Wense, zu Lebzeiten nahezu unbekannt, gilt inzwischen als eine der bedeutendsten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts. Nur wenige Bücher aus dem Nachlass sind ediert – der größte Teil seines Nachlasses harrt noch der Bearbeitung. Er umfasst 30000 Manuskript- und Exzerptseiten, einige tausend Fotos, Messtischblätter mit Anmerkungen, hunderte Briefe, eine größere Zahl von Kompositionen sowie zahlreiche Tage-, Collagen- und Wetterbücher. 

Wense wurde in Ostpreußen geboren, lebte zunächst in Berlin, Warnemünde, Schwerin und Hamburg, bevor er in den dreißiger Jahren nach Kassel übersiedelte. Seine letzten Lebensjahrzehnte verbrachte er zurückgezogen in Göttingen. Sein Grab liegt auf dem Friedhof von Diemarden – wie es heißt, wollte er nicht zusammen mit Göttinger Professoren auf einem Friedhof begraben sein.

Sein Schaffen ist ungewöhnlich vielseitig: In den 1920er Jahren trat er mit aufsehenerregenden neutönerischen Kompositionen hervor, widmete sich dann dem Studium entlegener Sprachen, aus denen er poetische Texte ins Deutsche übertrug. Er war an technischen Dingen interessiert, an der Meteorologie, der Geologie, der Astrologie, der Erdbebenkunde, bis er im Jahre 1932 sein Leben und Schreiben vor allem dem Wandern widmete. 

Universales Wissen

Axel Halle, Leiter der Kasseler Universitätsbibliothek, beschreibt dies so: „Mit dem Wissen eines Universalgelehrten zur Geschichte, Geologie, Landeskunde, Architektur und anderem erwandert er anhand von Messtischblättern die Region. Er legt in Exzerpten, Briefen, Tagebüchern, Fotos hiervon Zeugnis ab. Er ist vertraut mit dem entlegendsten Winkel und dem speziellsten Thema. Egal in welcher Form er Zeugnis gibt, stets verbindet er faszinierende sprachliche Ausdrucksmittel und inhaltliche Zusammenhänge, die einzigartig sind.“

Dass der Wense-Nachlass nach Kassel gelangt ist, hat seinen Grund in dem lebhaften Interesse, das die Stadt gegenüber dem Nachlassverwalter Dieter Heim bekundete. Heim hatte zunächst erwogen, diesen Nachlass dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach anzuvertrauen. Doch der Umstand, dass in Kassel an dem Nachlass gearbeitet wird, dass er nicht nur aufbewahrt wird, gab für Heim den Anstoß, der Fulda-Stadt den Vorzug zu geben. Göttinger Bibliotheken haben keine Versuche unternommen, den Nachlass zu erwerben. Umrahmt wurde die Übergabefeier mit einigen Liedern Wenses, vorgetragen von dem Bassbariton Thomas Wiegand, am Klavier begleitet von Hellmuth Vivell. Den brillanten Festvortrag hielt der Berliner Wense-Forscher Reiner Niehoff.

Von Michael Schäfer

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