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Fatale Dreiecksgeschichte

"Lachende Wüsten" Fatale Dreiecksgeschichte

Die bekannteste Ehebruchsgeschichte der Weltliteratur – Brecht hat sie mit einer Mischung aus Abscheu und Faszination oft gelesen – steht in der Bibel: König David bemächtigt sich der schönen Bathseba, schwängert sie und schickt, um diese Untat zu vertuschen, deren Mann Uria, einen überaus loyalen Soldaten, perfide in den Tod auf dem Schlachtfeld. Der Prophet Nathan führt dem König mit einer Parabel dessen Schuld vor Augen, das Kind stirbt, David und Bathseba heiraten, der gesegnete Thronfolger Salomo wird geboren.

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Zerstörerische Liebe: Irene (Tasha Skowronek) und Wolfgang (Christoph Huber).

Quelle: EF

Eine Sex-and-crime-Geschichte, die auf die Bühne zu bringen einiges an dramaturgischem Geschick erfordert, zumal wenn sie als gegenwärtige Geschichte adaptiert wird. Am Sonnabend war eine packende Inszenierung dieses Dramas im Rahmen des Nikolausberger Theaterprojekts „Drei Farben – Licht“ zu erleben: Stefan Dehlers szenische Erzählung

„Lachende Wüsten“.

Sechs rot gedeckte Tische – sie geben Halt, bilden aber auch ein Labyrinth – in der Mitte der Klosterkirche nötigen die Schauspieler zu einem Höchstmaß an Präsenz, das das Lesen aus den Textbüchern noch zulässt. Dehler selbst übernahm die Uria-Rolle des Ingenieurs Joachim, der von seinem Chef und Freund Wolfgang (Christoph Huber) zu einer Montage in den Irak geschickt wird und dort zu Tode kommt, nachdem die Sicherheitsvorkehrungen reduziert worden waren. Motiv für dieses Schurkenstück ist Joachims Frau Irene (Tasha Skowronek), die der großspurige und übergriffige Wolfgang unverhohlen anmacht. Irene erfährt, dass Wolfgang Menschen so „ansieht, dass sie bloßgestellt werden“.

Tasha Skowronek gibt eine tapfere und hilflose Bathseba-Irene, die freilich „rot im Gesicht“ wird, was eine groteske Brechung des begehrlichen Rots ist. Joachim ist zwischen Liebe und Loyalität gefangen, seine Liebe spinnt sich ein in Fatalismus. Diese selbstquälerische Dreiecksbeziehung setzt Angst, Zorn und Hass, Misstrauen und Verzweiflung frei – was ist ein Gewand der Liebe, was nur ein knapper Schurz der Begierde?

Begehrende Liebe

Dass die Liebe „alles kaputt macht“, sagt Irene, als sie zwischen den beiden Männern steht, und meint damit kaum nur die begehrende Liebe, sondern auch die Hingabe. Wie erfüllte Liebe Menschen verwandelt, verrät Wolfgangs Sprache: Spricht er als Begehrender noch grob, anzüglich, zeigt er sich später als Irenes Mann sensibel. Unklar ist, in welchem Maß Dehler die Kontamination der Liebe durch Macht wahrgenommen hat.

Dehler konzentriert sich in seiner Adaption der biblischen Geschichte auf die verstörend-zerstörerische Seite der Liebe. Die durch die Propheten-Parabel bewirkte Schuldeinsicht und Sühne in der Bibel wird nicht thematisiert. Klug vermeidet Dehler simple Parallelisierungen: Anders als der biblische David etwa ist Wolfgang geschieden. Eindrucksvoll, wie hier das biblische Loyalitätsverhältnis David-Uria in Freundschaft transformiert wird, die der Liebe zum Opfer fällt. Bewegend, wie manches in der Schwebe bleibt: So antwortet Irene auf die Frage ihres zweiten Mannes Wolfgang, ob sie „es eigentlich bereut“ habe, mit einem kryptischen „Nein – das nicht.“

Andreas Düker bespielte Szenen und Pausen mit intimer Musik aus dem Spanien des 16. Jahrhunderts. Dazu nahm er mit seiner Vihuela, einer spanischen Frühform der Gitarre, Platz auf vier Podesten hinter den Zuschauern. Schöne Musik – aber warum diese und nicht etwa Blues? Fazit: Hier war biblisch inspiriertes Theater von Rang zu erleben. Dieser eindrücklichen Premiere sollten noch viele Aufführungen folgen.

Das Theaterprojekt in Nikolausberg endet am Freitag, 20. November, um 20 Uhr mit der Lesung „kein­sternhotel“ von Luise Rist und Nina de la Chevallerie.

Von Karl Friedrich Ulrichs

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