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Regional Lehrreiches Figurentheater zu Vivaldis „Vier Jahreszeiten“
Nachrichten Kultur Regional Lehrreiches Figurentheater zu Vivaldis „Vier Jahreszeiten“
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00:31 20.05.2018
Das Figurentheater Favoletta und das European Union Baroque Orchestra präsentieren am 17. Mai das Stück „Der Streit im Walde“, hier in der Stadthalle Dransfeld. Quelle: Markus Riese
Dransfeld

Die wichtigste Lehre für die vornehmlich jungen Zuschauer dürfte sein, dass gemeinsam vieles besser geht und Egoismus wenig erstrebenswert ist, ja im schlimmsten Fall sogar zerstörerische Kraft entwickeln kann.

Rührende Geschichte in kindgerechter Darbietung

Eingebettet in die auch den meisten musikalischen Laien wohl vertrauten Klänge aus den „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi – prima dargeboten vom neunköpfigen Orchester unter der Leitung von Bojan Čičić – entwickelt Erzähler und Puppenspieler Michael Schneider an der Seite seiner Kollegen Andrey Schneider-Zaslavskij und Bilal Alhaddad eine rührende Geschichte, die er zudem kindgerecht darzubieten weiß. Warum Schneider gleich zu Beginn erwähnt, dass seine Mitspieler einst als Flüchtlinge nach Deutschland kamen, erklärt sich im finalen Akt. Die Aufführungen sind Teil der Reihe „Händel 4 Kids“ der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen.

Das Motto: Gemeinsam statt einsam

Die Geschichte: In einem kleinen Wald geraten verschiedene Bäume in einen Streit darüber, welcher von ihnen der beste sei – und jeder glaubt, dies für sich und seine „Art“ in Anspruch nehmen zu können. Deshalb beschließen sie, jeweils einen ganz eigenen Wald anzulegen, in dem kein anderer Baum zu stehen hat. Doch als ein mächtiger Sturm aufzieht, fallen alle Wälder der Kraft der Natur zum Opfer. Und den zuvor streitenden Bäumen wird klar: Mit den anderen Arten an ihrer Seite hätten sie das Unwetter gemeinsam überstehen können. Selbst die stolze Eiche gelangt zu dieser Erkenntnis: „Ging es uns nicht gut, als wir mit allen Unterschieden beieinander waren? Warum ließen wir unsere Kinder nicht beieinander stehen?“ Spätestens an dieser Stelle wird die Aktualität dieses modernen Märchens offensichtlich.

Detailreiche Inszenierung, liebevolles Bühnenbild

Das verstehen augenscheinlich auch die vielen Kinder im Publikum, selbst wenn diese sich zwischenzeitlich von einigen liebevoll inszenierten Details ablenken lassen. So keimt kurz Gelächter auf, als eine Hund-Puppe in der schön gestalteten Szenerie oberhalb des Orchesters an einer Blume das Bein hebt oder einer der Bäume kunstvoll seine Augen verdreht. Die volle Aufmerksamkeit der Schüler erzeugen zwei Eicheln, die wild tanzende Eichhörnchen wie zufällig von einem Baum und sodann auch von der Bühne purzeln lassen. Das ist ein bisschen schade für das Orchester, das gegen das aufkommende Stimmengewirr anzuspielen hat – es hilft aber auch dabei, das junge Publikum über die vollen 75 Minuten Spieldauer bei Laune zu halten.

Botschaften auf Bannern – und Vivaldi als „Sidekick“

„Die Idee hinter meiner Erzählung ist die Einheit hinter den Gegensätzen und die Vielfalt, ohne die nichts existieren kann“, beschreibt Schneider selbst sein Stück, das sich an Erwachsene und Kinder ab acht Jahren richtet. Vivaldis Musik wirkt fast so, als wäre sie speziell für dieses Märchen geschrieben worden – Orchester, Bühnenbild, Schauspieler und Figuren bilden eine stimmige Einheit. Und wer die Botschaften beim Zusehen doch nicht verinnerlicht hat, bekommt sie am Ende noch einmal auf großen Bannern in Schriftform dargeboten: ein Adagio für Liebe und Menschlichkeit, ein Lento für Verständnis und Herzlichkeit, ein Allegro für Freude und Zuversicht, ein Tutti für eine friedliche Zukunft.

Von Markus Riese

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