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Regional Fein austarierte Ensemblekunst
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00:18 19.05.2017
 Das Ensemble „L’Apothéose“: Laura Quesada, Victor Martinez, Asís Márquez und Carla Sanfélix (von links).. Quelle: Michael Schäfer
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Hann. Münden

Dass diese Entscheidung richtig war, stellten Laura Quesada (Traversflöte), Victor Martinez (Violine), Carla Sanfélix (Violoncello) und Asís Márquez (Cembalo) mit ihrem ausdrucksstarken, virtuosen Spiel begeisternd unter Beweis. Mitgebracht hatten sie zwei Triosonaten von Händel, François Couperins vielsätzige Suite „La Françoise“ aus „Les Nations“ und das zwölfte Pariser Quartett von Telemann.

Ein solches Programm scheint auf den ersten Blick eher durchschnittlich und solide, nicht unbedingt ein Prüfstein für Wettbewerbssieger. Doch weit gefehlt. Schon bei den ersten warmen, wunderbar rund geformten Tönen der Traversflöte im eröffnenden Andante von Händels h-Moll-Sonate horchte man erstaunt auf. Denn hier gelang ein ganz seltenes Kunststück: Die Musiker erweckten den Anschein, als entstünde just im Moment ihres Spiels die Musik. Das waren ganz kostbare Töne, denen man zum allerersten Mal zu begegnen glaubte. Die Zuhörer hatten das Live-Erlebnis einer musikalischen Inspiration. Faszinierend.

Ergebnis ausgefeilter Gestaltung

Selbstverständlich war dies alles nicht etwa Improvisation, sondern das Ergebnis ausgefeilter Gestaltung. Da gab es bezaubernde Dialoge zwischen Traversflöte und Violine, ein lebendig parlierendes Cello-Fundament (wobei der Kontakt zwischen Flötistin und Cellistin am intensivsten schien). Dass Cembalist Asís Márquez in dieser musikalischen Konversation eher im Hintergrund blieb, ist wohl eher den vergleichsweise starreren Eigenschaften seines Instruments geschuldet: Er kann den klingenden Ton nach dem Anschlag nicht mehr verändern.

Info

Das Konzert wurde vom NDR aufgezeichnet und wird am Sonntag, 9. Juli, um 22 Uhr auf NDR Kultur gesendet.

„L’Apothéose“ brillierte mit höchster Virtuosität in den raschen Sätzen, beispielsweise in der stürmisch dahinfegenden Gigue Couperins. Es bot eine schier zu Tränen rührende Ausdruckskunst im Largo aus Händels h-Moll-Sonate, zeigte die immer wieder überraschende Modernität der Ideen Telemanns, der passagenweise etwa dem Cembalo das Spiel untersagt und nur die Melodiestimmen im Terzett singen lässt oder an anderer Stelle dem Cello eine Doppelfunktion zuweist: einmal das übliche Bass-Fundament, dann aber selbstbewusst an der motivischen Arbeit der Partner beteiligt.

Der Beifall für diese fein austarierte, immer quicklebendige Ensemblekunst brandete am Ende heftig auf und wurde mit einer Zugabe belohnt.

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