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00:33 27.05.2018
Musik entwickeln, die den Charakteren dient: Ferdinand von Seebach ist Musikalischer Leiter der Gandersheimer Domfestspiele. Quelle: Domfestspiele Bad Gandersheim
Bad Gandersheim

Von Seebach ist in Hamburg geboren, lebt in Berlin, hat als musikalischer Leiter für das Schauspielhaus Hamburg, das Thalia Theater, Bühnen in Hannover, Bremen und Lübeck gearbeitet. Ausschlaggebend für die Entscheidung des 47jährigen nach Bad Gandersheim zu kommen „ist Achim Lenz gewesen“. Er habe mit dem Intendanten bei den Arbeiten zu „Highway to Hellas“ 2016 schon gearbeitet, so von Seebach. Lenz sei nicht nur ein toller Regisseur, sondern auch ein respektvoller Mensch. Eine Kombination, die die Zusammenarbeit sehr angenehm mache.

In Gandersheim ist der musikalische Leiter wie die Schauspieler seit Ende April. Die Arbeiten für diese Saison haben aber bereits im September begonnen. „Da waren die Castings in Bochum“, erzählt der Musiker. 60 Darsteller haben Lenz und er angeschaut. Und viel diskutiert: was müssen die Leute können, welche Ästhetik wollen wir, wie soll es klingen? Viele Fragen rund um die Produktionen ( Jedermann von Hugo von Hofmannsthal, das Tanzmusical Fame, die Musical Comedy The Addams Family, Das Kinder und Familienstück Peter Pan, Theaterstück Bier für Frauen und Die Maradona Variationen) beschäftigen die beiden seitdem.

Ein eigenes Feld besetzen

Von Seebach ist mit sieben Jahren ganz klassisch über das Klavierspiel zur Musik gekommen. „Mit 11 oder 12 Jahren habe ich dann entdeckt, das es so etwas wie Jazz gibt“, erzählt er. Er habe damals keinen gekannt, der das hörte oder gar spielte. Für ihn habe sich eine tolle Welt eröffnet, in der er sich vom an klassischer Musik orientierten Elternhaus abgrenzen konnte. „Ich konnte ein eigenes Feld besetzen.“ An der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg hat er dann Jazzposaune und Schulmusik studiert.

Die Faszination für den Jazz ist geblieben. „Diese Musik lebt zum einen vom gemeinsamen Spiel und ist trotzdem sehr individuell“, erklärt von Seebach den Reiz des Jazz. Hier müsse sich der Musiker nicht nur anpassen. „Finde deine eigene Stimme, akzeptiere aber die anderen Stimmen genauso“, dieses Prinzip des Jazz schätze er ungemein.

Am liebsten sind ihm Projekte, die Musik und Literatur verbinden

Posaune oder Klavier, das sei für ihn keine Frage. Er wollte immer unbedingt beides. „Die Posaune ist sehr unmittelbar, ähnlich wie die Stimme“, so der Musiker. Sie sei pur und emotional. Das Klavier ermögliche es ihm zu komponieren. „Ich kann Sänger begleiten, kann gestalten, den Klang mischen.“

In Berlin spielt er in einer Bigband, er komponiert, arrangiert für andere Formationen unter anderem die NDR-Bigband. Am liebsten aber sind ihm Projekte, die Musik mit Theater oder Literatur verbinden. Im vergangenen Jahr habe er beispielsweise Musik für ein Konzert mit Reiseberichten komponiert. „Musik zu den Geschichten finden, dazu fühle ich mich sehr hingezogen. Etwas zu entwickeln, das den Charakteren dient“, erklärt von Seebach.

Die Bühne vor der Stiftskirche in Bad Gandersheim. Quelle: dpa

Gute Voraussetzungen für seine Arbeit in Gandersheim. Drei jeweils vierstündige Probenblöcke gibt es momentan am Tag. Zwei davon sind Standard für von Seebach, oft auch der dritte. „Auch bei den szenischen Proben bin ich immer dabei und schaue, ob wir für Szenen noch Musik brauchen.“ Oder wie das Ensemble gut durch die Geschichte und die Choreografie kommt. „Benötigen wir vielleicht hier noch acht Takte mehr oder dort eine Zwischenmusik.“ Bei den Festspielen habe man vier oder fünf Jobs gleichzeitig, erzählt Seebach. Patricia Martin, die die musikalische Leitung für die Addams Family hat, und er helfen sich da oft gegenseitig aus.

Bis zur ersten Premiere (Peter Pan am 10. Juni) leben die Stücke, werden Ideen noch weiterentwickelt. „Mein Terminkalender ist sehr, sehr voll“, sagt von Seebach. Trotzdem versucht er einen Tag in der Woche nach Berlin zu seinen beiden Kindern zu kommen.

Wer den Musiker mit seiner Posaune erleben möchte, kann dies bei einem Konzert am Freitag, 13. Juli, um 22.30 Uhr im Irmgard-Benesch-Kulturhof in Bad Gandersheim.

Theaterfest und Karten

Noch vor der ersten Premiere stehen in Gandersheim zwei Veranstaltungen für das Publikum auf dem Programm. Das „Fest der Chöre“ beginnt am Sonntag, 27. Mai, um 15 Uhr auf der Tribüne vor der Stiftskirche.

Am Sonntag, 3. Juni, beginnen ab 11 Uhr Theaterfest und Theaterumzug. In Kostümen ziehen die Schauspieler und Theatermacher gemeinsam mit den Einheimischen durch die Straßen Bad Gandersheims. Der Umzug endet auf dem Festspielgelände. Ab 12 Uhr werden die am Projekt Theatervirus 2018 teilnehmenden Jugendtheatergruppen ihr Stück präsentieren.

Anschließend folgen Vorschauen auf die vier Hauptproduktionen der Jubiläumsspielzeit: Kinderstück Peter Pan (Premiere Sonntag, 10. Juni, 16 Uhr), Jedermann (Premiere Freitag, 15. Juni, 20 Uhr), The Addams Family (Premiere Freitag, 22. Juni, 20 Uhr), Fame – Das Musical, (Premiere Freitag, 29. Juni, 20 Uhr).

Karten unter domfestspiele-gandersheim.de, der Tickethotline 05382 / 73777 oder per Mail unter kartenzentrale@gandersheimer-domfestspiele.de

Von Christiane Böhm

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