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Regional Quadriga Consort in der Klosterkirche Bursfelde
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10:49 06.08.2018
Quadriga Consort mit Philipp Comploi, Nikolaus Newerkla, Dominika Teufel, Michael Metzler, Angelika Huemer und Karin Silldorff (von links). Quelle: Michael Schäfer
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Göttingen

Die Besonderheit: Es waren fast durchweg tanzbare Stücke, das Motto „Dance“ passte vorzüglich.

Eigentlich stand dieses Konzert unter keinem guten Stern: Die ursprünglich vorgesehene Sängerin Ulrike Troppers war aus familiären Gründen kurzfristig verhindert, außerdem war Quadriga-Percussionist Laurenz Schiffermüller wegen einer akuten Erkrankung ausgefallen. Das Ensemble machte aus der Not eine Tugend: Das Programm wurde flugs auf rein instrumentale Stücke umgestellt – und der international renommierte Percussionist Michael Metzler übernahm in allerletzter Minute den Part von Schiffermüller. Irgendwelcher Mangel an Spaß? Nein, davon war überhaupt nichts zu merken.

Das Quadriga Consort, gegründet 2001 in Graz, macht einen ganz eigenen Mix aus alter Musik und Folk. Das ist so gut verrührt, dass kaum wahrzunehmen ist, ob wir einen traditionellen englischen Tanz aus John Playfords „The English Dancing Master“ von 1651 hören, traditionelle Folk-Stücke oder irgendwelche einstimmige Melodien, um die herum Quadriga-Cembalist Nikolaus Newerkla ein paar Begleitstimmen „gebastelt“ hat (O-Ton Newerkla).

Dass die Hörer solche Unterschiede nicht bemerken, liegt zum einen am hohen musikalischen Niveau der Musiker, die allesamt ihre Instrumente hochvirtuos beherrschen und dabei den Spaß, den sie beim Spiel selbst haben, ohne Mühe auf das Publikum übertragen. Zum anderen macht die fast durchgängig gleiche Instrumentierung mit zwei Blockflöten, zwei Gamben, Cembalo und Percussion die Stücke einander ähnlich. Die Flöten spielen Angelika Huemer und Karin Silldorff, die Altgambe Dominika Teufel, die Basse de Violon Philipp Comploi und das Cembalo Nikolaus Newerkla. Klangliche Abwechslung bieten zusätzliche Instrumente, für die aber keine weiteren Spieler nötig sind: Flötistin Huemer greift bisweilen auch zur Diskantgambe, Cembalist Newerkla ist nicht nur für die Arrangements zuständig, sondern steuert auch das „Vibrandoneon“ bei, eine „Luxusmelodica“, wie er das Blasinstrument mit Tastatur und einem S-förmig gebogenen Ansatzrohr bezeichnet.

Die Stücke – durchweg auswendig gespielt, sicherlich auch bisweilen mit improvisierten Passagen – lassen sich in zwei Grundtypen einteilen. Die einen, oft in Moll, haben einen melancholischen Touch und verraten in den Verzierungen manchmal sogar einen Anklang an orientalische Musik wie etwa in dem englischen Tune „Captain James“. Die anderen fahren unwiderstehlich in die Beine, atmen eine ansteckende Fröhlichkeit, für die der letzte Set vor der Pause als Beispiel stehen mag, in dem es einen englischen Tanz („T’Athair Jack Walsh“) sowie eine Reel und eine Jig aus Irland zu hören gab.

Percussionist Metzler interpretierte den Tanz „The Glory of the Kitchen“ von John Playford (1651) auf eigene Weise: Er brachte Küchengeräte auf die Bühne. Ein wassergefüllter Kochtopf, ein Schneebesen und eine Gemüsereibe dienten ihm als Schlaginstrumente, schließlich noch ein Tablett: Wer solche Instrumente derart virtuos beherrscht, verdient Bewunderung. Sanfte Töne schlug Newerkla in einem selbst komponierten Walzer an (dem pfiffigerweise in manchen Takten eine Viertelnote fehlte).

Nach zwei Stunden einschließlich Pause wirkte die fröhliche Musik in der angenehm temperierten Kirche etwas gleichförmig, da tat Abwechslung wohl: Die letzte offizielle Nummer eröffnete Percussionist Metzler mit einem fingersensiblen, ausgesprochen spannenden Tamburin-Solo, mit dem er auch seine Mitmusiker in Erstaunen versetzte. Ganz zum Schluss verabschiedete sich Newerkla singend mit dem schottischen Abschiedslied „Loch Lomond“. Standing Ovations.

Info

Am heutigen Montag, 6. August, ist das Quadriga Consort noch einmal in Göttingen zu hören: um 19 Uhr in der Reformierten Kirche, Untere Karspüle 11.

Die nächsten Termine „Kultur im Kreis“: Zydeco Annie & Swamp Cats am Freitag, 10. August, um 20 Uhr in der Gastwirtschaft „Nachbarschaft“ in Sieboldshausen, Vision String Quartet am Sonntag, 12. August, um 17 Uhr in der St.-Martini-Kirche Bovenden.

Von Michael Schäfer

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