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Regional Festkonzert bei den Orgeltagen in St. Jacobi
Nachrichten Kultur Regional Festkonzert bei den Orgeltagen in St. Jacobi
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11:56 15.09.2018
Beifall für Solist Daniel Roth (links), Dirigent Stefan Kordes (rechts) und das Göttinger Symphonie-Orchester (hinten). Quelle: Schäfer Quelle: Schäfer
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Göttingen

Jacobi-Kantor Kordes hatte für dieses Festkonzert ein musikgeschichtlich stimmiges Programm zusammengestellt: vier Musikstücke, komponiert allesamt in Paris zwischen 1889 und 1939. Roth, einer der derzeit international bekanntesten Orgelvirtuosen, eröffnete den Abend mit Prélude et fugue op. 99 Nr. 3 von Camille Saint-Saëns. Die virtuosen Ansprüche sind hier eher bescheiden. Dementsprechend zurückhaltend und werkgerecht schlicht gestaltete Roth dieses durchweg edle Stück Musik aus dem Jahr 1894.

Dagegen ist César Francks 1889 uraufgeführte d-Moll-Symphonie ein zutiefst emotionales, ja aufwühlendes Werk. Kordes bewies am Dirigentenpult, wie sehr ihm diese Musik am Herzen liegt. Die großen Steigerungen gestaltete er mitreißend, die Tempi variierte er geschmeidig zwischen unruhig drängenden und ruhig ausgebreiteten Passagen. Gewiss hätte man stellenweise Fortissimo-Ausbrüche angesichts der verstärkenden Wirkung der Kirchenakustik etwas mäßigen können – aber schon das Wort Mäßigung will in den Kontext dieser Musik überhaupt nicht passen: lieber ein ehrlicher, nicht ganz durchsichtiger Tutti-Klang als vornehme Zurückhaltung.

Satter Sound und feine Soli

Das Temperament, mit dem Kordes diese Symphonie bezwingend formte, spiegelte sich im musikalischen Enthusiasmus der GSO-Instrumentalisten, die trotz einer etwas ungleichgewichtigen Besetzung sehr wohl einen satten Streichersound zu zaubern imstande waren. Die Bläser steuerten feine Soli bei, besonders ausdrucksstark (wenn auch ein wenig laut) das Englischhorn im Mittelsatz. Die Begeisterung der Zuhörer in der gut besuchten Kirche war schon zur Pause bemerkenswert.

Sanft ging es weiter mit dem „Prélude à l’après-midi d’un faune“ von Claude Debussy, uraufgeführt 1894. Das Stück glänzt mit feinsten Abstufungen der Klangfarbe, mit flirrenden Streicherklängen und vor allem mit dem betörend schönen Flötensolo, das dieser mediterranen Musik eine unverwechselbar eigene Atmosphäre verleiht. Die GSO-Soloflötistin Bettina Bormuth bezauberte mit ihrem zarten, warmen Ton, der auch in tiefen Lagen enorm viel Substanz besitzt und in der Höhe nicht etwa an Schärfe zunimmt, sondern seine Weichheit behält.

Solist und Orchester vereint

Orgelsolist und Orchester vereinten sich im Finale des Abends, dem 1939 komponierten Orgelkonzert von Francis Poulenc. Das Orchester ist in diesem Orchester auf Streicher und Pauken reduziert. Solist und Dirigent sind in einer Kirche immer weit voneinander entfernt. Doch war für den Solisten der Dirigent auf einem Monitor neben seinem Notenpult sichtbar – und außerdem verstanden die beiden einander bestens. Poulenc präsentiert in seinem einsätzigen Konzert verschiedene Stile. Mal ist er an Bach orientiert, dann wieder erscheinen eingängige Harmoniefolgen, die auch zu einer Caféhausmusik passen könnten, hier ist es eher ernst, dort mischt sich Unterhaltsames ein.

Diese Melange ist ausgesprochen wirkungsvoll: Nach dem triumphalen Schlussakkord brach begeisterter Beifall los, es gab Bravorufe und Standing Ovations. Die hochvirtuose Zugabe: das Finale aus Charles-Marie Widors 7. Orgelsymphonie, in dem der 75-jährige Organist im wahrsten Wortsinn alle Register seiner souveränen musikalischen Kunst zog. Einfach hinreißend.

Fortgesetzt werden die 25. Orgeltage in St. Jacobi mit elf weiteren Konzerten bis zum 23. November. Die nächsten Termine in St. Jacobi: Jolanta Kaufman (Sopran) und Michał Dąbrowski (Orgel) am Freitag, 21. September, um 18 Uhr; Jan Hage (Orgel) am Freitag, 28. September, um 18 Uhr.

Von Michael Schäfer

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