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Festlich, schwärmerisch und leichthändig

Reiche Ernte eines Musikjahres Festlich, schwärmerisch und leichthändig

Festspiele haben Ausnahmecharakter. Davon bilden die Internationalen Händel-Festspiele in Göttingen keine Ausnahme – doch seit einigen Jahren sind sie dazu übergegangen, besondere Musikereignisse auf CD herauszubringen. Im zu Ende gehenden Jahr mit seinen vielen Jubiläen ist die Händel-Fest-CD drei Jubilaren gewidmet: Händel, Mendelssohn und Haydn.

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Solistenterzett in Cherubinis „Chant“: Thomas Cooley, Colin Ainsworth und Dominique Labelle (vorn, von links), rechts Nicholas McGegan beim Händel-Festspiel-Konzert am 31. Mai dieses Jahres in der Göttinger Stadthalle.

Quelle: Schäfer

Die beiden ersteren finden sich in der Erstaufnahme von Mendelssohns Bearbeitung von Händels „Dettinger Te Deum“, letzterer in seinem englischen Madrigal „The Storm“, eine dramatische Rarität. Ergänzt wird die CD mit Luigi Cherubinis „Chant sur la mort de Joseph Haydn“: ein wunderschönes Stück Trauermusik, das Cherubini allerdings, weil er einer Falschmeldung aufgesessen war, noch zu Lebzeiten Haydns komponierte. Die Live-Aufnahme entstand Anfang Juni in Herrenhausen. Die hochqualifizierten Solisten – Dominique Labelle, Thomas Cooley, Colin Ainsworth und William Berger – sowie der NDR-Chor und das Festspiel-Orchester unter Nicholas McGegan garantieren für exquisiten Hörgenuss (Carus 83.358).

Dem Jubilar Mendelssohn widmet sich auch das Hyperion-Trio mit der Göttinger Cellistin Katharina Troe, dem Geiger Oliver Kipp und dem Pianisten Hagen Schwarzrock. Das Ensemble (vor einiger Zeit in einem Aulakonzert zu hören) hat Mendelssohns zwei Trios d-Moll und c-Moll ergänzt mit dem B-Dur-Trio des dänischen Romantikers Emil Hartmann: Dessen Nähe zu Mendelssohn wird gerade in dieser Koppelung besonders deutlich. Den schwärmerischen Ton dieser Musik trifft das Ensemble genau, die Aufnahme hat Spannung, Eleganz und besticht durch ihre kluge Interpretation (Thorofon CTH 2561).

Ein weiteres Musikerjubiläum des Jahres 2009 ist – jedenfalls außerhalb der Stadt Kassel, in der der Musiker lange wirkte – ein wenig untergegangen: Vor 150 Jahren starb Louis Spohr, einer der größten Geigenvirtuosen der Romantik und ein entdeckenswerter Komponist, den seine Zeitgenossen hoch schätzten, um den es aber sehr still geworden ist. Um so schöner, dass sich die aus Österreich stammende, in Göttingen wirkende Flötistin Elisabeth Möst der Sonaten Spohrs für Flöte und Harfe angenommen hat (von denen es auch Fassungen für Violine statt Flöte gibt). Der Harfe war Spohr aus einem einfachen Grund besonders zugetan: Seine Frau Dorette war Harfenistin. Diesen Part spielt der englische Harfenist Ieuan Jones, Professor am Royal College of Music in London, mit großer Virtuosität, der Elisabeth Möst mit ihrem ausdrucksvollen Spiel und ihrem schönen Ton nicht nachsteht. Besonders hübsch: das „Zauberflöten“-Potpourri in der Sonate op. 114 (Naxos 8.57 2269).

Mandoline und Hammerklavier

Nicht minder ausgefallen ist die Instrumentenkombination Mandoline und Hammerflügel, die der Göttinger Pianist Gerrit Zitterbart mit einer CD bedacht hat. Seine Partnerin ist Denise Wambsganß, eine der bedeutendsten Mandolinen-Virtuosinnen Deutschlands, die unter anderem auch mit den Berliner Philharmonikern und dem Ensemble Modern konzertiert hat. Zu hören sind Sonaten und Sonatinen von Bartolomeo Bortolazzi, Beethoven, Hummel (alle in den 1770er Jahren geboren) und Leoné (Jahrgang 1725): geschmackvoll und leichthändig präsentierte Raritäten, die kultivierte Unterhaltung garantieren (Clavier 3).
Etwas gewichtiger geht es auf Gerrit Zitterbarts Solo-CD „Der junge Beethoven in Wien 1795-1800“ zu, ein Bündel vergleichsweise harmloser Rondos und Variationszyklen, das mit einem wahren pianistischen Brocken abgerundet wird, der „Grande Sonate Pathétique“. Wobei es immer wieder überrascht, wieviel an Erdenschwere schwindet, wenn diese Musik auf einem Instrument der Zeit gespielt wird. Zitterbart hat hier einen Hammerflügel genau aus der Entstehungszeit der Klavierstücke verwendet: ein hörbarer Zugewinn an Leichtigkeit und Transparenz (Clavier 4).

Hochvirtuose pianistische Kunst präsentiert die lange in Göttingen, jetzt in Hannoverlebende Pianistin Hisako Kawamura auf ihrer jüngsten Chopin-CD in SACD-Technik. In vier Nocturnes, der As-Dur-Ballade, der Barcarolle und zahlreichen weiteren Stücken entfaltet sie einen wunderbaren poetischen Klangzauber. Das Schlussstück ist die Grande Polonaise Brillante op. 22 mit dem zarten Andante spianato als Einleitung: Das ist Klavierspiel auf allerhöchstem Niveau, frei von jedweden technischen Problemen – ein Vorabgeschenk zu Chopins 200. Geburtstag am 1. März (RCA BVCC 31   115, japanische Pressung).

Mit zwei aktuellen CDs (die sich inhaltlich ein wenig überschneiden) kann der Göttinger Knabenchor sein gewachsenes Niveau präsentieren. Es sind Aufnahmen von Konzerten in Nikolausberg (Dezember 2008) und Reinhausen (Juni 2009), die eine – „Die Freude der Hirten über die Geburt Jesu“ – geistlich zentriert, die andere – „Meine Seele erhebet den Herrn – mit einem geistlich-weltlichen Programm (erhältlich über das Büro des Göttinger Knabenchors, Godehardstraße 19-21).

Michael Schäfer

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