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Regional „Carmen“ ohne „Zigeuner-Klischee“ auf den Domstufen
Nachrichten Kultur Regional „Carmen“ ohne „Zigeuner-Klischee“ auf den Domstufen
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21:02 28.05.2018
Das Modell der Domstufenbühne steht bei einer Pressekonferenz auf einem Tisch. Quelle: dpa-Zentralbild
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Erfurt

Die Veranstalter der 25. Domstufen-Festspiele in Erfurt haben sich zum Jubiläum eine Erfolgsoper gewählt: Georges Bizets „Carmen“. Die Besucher der 21 Aufführungen müssen sich vom 3. August an neben den bekannten Arien auch auf Ungewohntes und Provokantes jenseits der gängigen Romantik einstellen, wie Generalintendant und Regisseur Guy Montavon am Montag zum Probenbeginn sagte.

Kein „Zigeuner-Klischee“ mit bunten Pferdewagen und verführerischen Frauen, sondern der harte Überlebenskampf und die Selbstbehauptung der an den Rand der Gesellschaft gedrängten „Zigeuner“ sowie der unbändige Freiheitswille von Carmen stünden im Fokus.

Stufen werden zum Autoschrottplatz

Dafür verwandeln sich die Stufen zwischen Dom und Severikirche in einen großen Autoschrottplatz. Er soll stellvertretend für eine der Möglichkeiten stehen, mit denen Sinti und Roma heute ihren Lebensunterhalt bestreiten. Die Wracks kommen von Schrotthändlern der Region. Die Stadt Erfurt habe dies mit Auflagen genehmigt, sagte der Technische Direktor des Theaters Erfurt, Christian Stark. Es dürfen keine Schäden an den Domstufen entstehen und die Sicherheit der Akteure muss gewährleistet sein.

Guy Montavon, Regisseur und Intendant des Theaters Erfurt, zeigt das Modell des Bühnenbildes für die Domstufen-Festspiele 2018. Quelle: dpa-Zentralbild

Das Bild der Carmen sei seit Generationen von Zuschauern das einer verführerischen schönen Frau in einem rotschwarzen Kleid und großem Ausschnitt, sagte Montavon. Prosper Mérimée, nach dessen gleichnamiger Novelle Bizets Oper 1875 in Paris uraufgeführt wurde, habe aber nirgends geschrieben, dass Carmen eine Femme fatale sei. Mérimée habe sie mit einem besonderen Gang, einer besonderen Hautfarbe und eine besonderen Blick charakterisiert.

Ohne Sentimentalität

Ausstatter Hank Irwin Kittel orientiert sich deshalb für die Kleidung der Carmen und ihres Clans an dem Aussehen und dem Lebensgefühl heutiger Sinti und Roma ohne Sentimentalität oder Romantik, etwa in Frankreich. Für sein Bühnenbild stehen auch Elendsquartiere mit brennenden Mülltonnen Pate, alte Wohnwagen, Kneipen oder auch Leinen voller Wäsche. Die an einem Stahlskelett angeschweißten und befestigten Autos werden zu einem „Kunstwerk auf Zeit“, bevor sie ihrer endgültigen Verwertung zugeführt werden.

Mehr als 150 Sänger - Solisten, mehrere Chöre und Statisten - stehen jeden Abend auf der Bühne. Erfurts neuer Generalmusikdirektor Myron Michailidis beginnt mit „Carmen“ seine Amtszeit in Erfurt.

Tickets für die weiteren Vorstellungen von „Carmen“ sind in den Tageblatt-Geschäftsstellen erhältlich und unter gt-tickets.de

Von Antje Lauschner

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