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Regional Wollt ihr die totale Transparenz?
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13:24 06.09.2017
Firmengründer Eamon Bailey (Tom Hanks, l.) mit Mae Holland (Emma Watson) und Tom Stenton (Patton Oswalt). Quelle: Universum
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Kamerawinzlinge sind es dieses Mal, die wie kompakte Augäpfel ausschauen und sich unbemerkt auf öffentlichen Plätzen, in Firmen und auch Privatwohnungen, kurz: überall, anbringen lassen. Man stelle sich das nur mal vor: Von nun an bleibt kein Mord mehr ungefilmt, keine Vergewaltigung unbeobachtet und kein Unfall unbemerkt, schwärmt der Firmenchef und wirft lässig zwei oder drei Exemplare der technischen Sensation namens „SeeChange“ in die gierige Menge. Und diese skandiert bereitwillig: „Geheimnisse sind Lügen.“

Natürlich fühlt man sich sogleich an die in Guru-Pose auftretenden Unternehmer im Silicon Valley erinnert, zuerst an den inzwischen verstorbenen Apple-Chef Steve Jobs. Es ist noch nicht lange her, als ein neues Produkt wie das iPhone als Wunderwerk begrüßt wurde (bei der nunmehr achten Telefon-Generation hat sich der Hype doch ein wenig abgenutzt).
In „The Circle“ – so heißt sowohl dieser Film als auch der Konzern darin – kostet der bislang vorrangig als Fernsehregisseur beschäftigte James Ponsoldt den Wiedererkennungseffekt weidlich aus, beinahe bis zum Überdruss. Was hier als Dystopie verhandelt wird, so schreit es förmlich von der Leinwand, das ist beinahe schon Gegenwart. Vorlage für den Film ist der gleichnamige Bestseller des US-Schriftstellers Dave Eggers, der 2013 mit dem Allmachts- und Vernetzungswahn der IT-Branche abgerechnet hat.
Die junge Mae (Emma Watson) ist diejenige, die stellvertretend für uns alle dem Fluch des Digitalen begegnet. Zunächst empfindet die College-Absolventin diese schöne neue Welt aber noch als Segen, als sie vom hippen Konzern „The Circle“ als Kundenbetreuerin eingestellt wird: Von der Kinderkrippe über die Krankenversicherung bis zur coolen Party wird sieben Tage die Woche für die Angestellten gesorgt – umgekehrt aber auch enormer sozialer Druck aufgebaut: Alles soll im Netz gepostet, bewertet und mit anderen geteilt werden. Nur dann ist es von Bedeutung. Das kommt einem doch irgendwie sehr bekannt vor. „Privatsphäre ist Diebstahl“, heißt es hier.
Das Unternehmen selbst ist ein  gewaltiger digitaler Krake, eine Kreuzung aus Google, Facebook, Twitter und Apple, der an der Durchleuchtung der Menschheit arbeitet und totales Machtstreben hinter Heilsversprechen verbirgt. „Die Regierungen brauchen uns mehr als wir die Regierungen“, heißt es. Krankheiten, den Hunger der Welt, Umweltzerstörung: Alles will der Superkonzern in den Griff kriegen. Ließen sich in einem nächsten Schritt nicht auch demokratische Mehrheitsentscheidungen per Mausklick ermitteln? Mit einer allgemeingültigen Internetidentität hat der Konzern seine Kunden schon ausgestattet. So ein Zufall.
Mae wird zum Vorzeige-Girl dieser digitalen Übermacht. Sie lässt sich eine Kamera an die Bluse heften und verkörpert fortan die vom Firmenboss eingeforderte Transparenz in höchster Perversion. Maes Privatsphäre – und auch die ihrer Familie – ist aufgehoben. Millionen Follower sind online, wenn sie ins Bett geht, und sie folgen ihr auch, wenn sie wieder aufsteht. Die Kontrolle über Mae ist total.
Die perfide Logik dahinter: Wer sich ständig beobachtet fühlt, wird zu einem besseren Menschen. Von so einem Zugriff aufs Individuum haben die verblichenen Diktatoren des 20. Jahrhunderts nicht einmal zu träumen gewagt.  So ziemlich alle Gefahren, die die digitale Revolution mit sich bringt, sind hier versammelt. Der Missbrauch ist jederzeit als solcher offenbar. Eine Volksvertreterin verpflichtet sich, sämtliche E-Mails offenzulegen. Eine globale Livestream-Menschenjagd wird mithilfe einer Gesichtserkennungs-Software veranstaltet.
Eine Dystopie ist dann am überzeugendsten, wenn man sie erst einmal gar nicht als solche erkennt. Auf den Leim geht man ihr dann, wenn sie nur Millimeter neben unserer Realität angesiedelt ist. Der diabolische Tom Hanks wird diesem Anspruch in seiner Rolle als charismatischer Firmenboss noch am ehesten gerecht. Emma Watson braucht viel zu lange, bis sie die offensichtliche totale Überwachung als solche begreift. Das, was schon Autor Eggers vorgeworfen wurde, gilt verschärft für den Film: Die Geschichte ist etwas holzschnittartig ausgefallen, die verführerische Dimension geht verloren.
Wenn man nach dem Kinobesuch auf der Heimfahrt in der Bahn sitzt und von Menschen umgeben ist, die allesamt auf ihre Handys starren (und irgendwann auch das eigene zückt), wird einem mulmig. So weit weg ist diese schöne neue Welt vermutlich nicht. Und dass den vermeintlichen Weltverbesserern im Silicon Valley der Aktienkurs des eigenen Unternehmens im Zweifelsfall das Wichtigste ist, glaubt man gern.  
„The Circle“, Regie: James Ponsoldt, 106 Minuten, FSK 12, Cinemaxx Göttingen

Von Stefan Stosch

Vom Kinder- zum Weltstar: Emma Watson

Zunächst kämpfte sie zehn Jahre lang im Kino an der Seite von Harry Potter gegen den faschistoiden Monstermagier Voldemort. Emma Watson war Hermine Granger, die Stimme der Vernunft und der Strebsamkeit im Gryffindor-Flügel der Zaubererschule Hogwarts. Sie setzte Harry und Ron schon mal auf den Pott.
Emma Charlotte Duerre Watson, in Paris geborenes Sonntagskind englischer Eltern, die als Kind die Dragon School in Oxfordshire besuchte, wusste schon mit sechs Jahren, dass sie Schauspielerin werden wollte. Sie ging auf eigene Faust zu einer Theaterschule in Oxford. Der Lehrer dort brachte sie für die „Harry Potter“-Castings ins Spiel. Achtmal sprach die damals Neunjährige vor, dann hatte sie die Rolle, die sie über Nacht zum Weltstar machte.
Nach Ende der Potter-Verfilmungen setzte Watson mit Simon Curtis’ „My Week with Marilyn“ (2011) ihre Karriere nahtlos fort. Sie war in Sofia Coppolas schwarzer Komödie „The Bling Ring“ (2013) zu sehen und in Darren Aronofskys eigenwilliger Bibel-Verfilmung „Noah“ (2014). Zuletzt spielte sie eine anmutige Belle in Disneys Realverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ (2017).
Watson ist sportlich, spielt Feldhockey, Tennis und läuft Ski. Sie hat zwei Katzen – Bubbles und Domino. Zu ihren Potter-Co-Stars Daniel Radcliffe und Rupert Grint hat sie bis heute guten Kontakt. Sie nennt sie „Brüder“. Big

Barry Seal - Only in America

Der Pilot Barry Seal (Tom Cruise) nutzt in den 80er-Jahren seinen Flugschein, um mit Drogen- und Waffenschmuggel das große Geld zu machen. Einen wesentlichen Teil seiner illegalen Aktivitäten wickelt er dabei im kleinen Örtchen Mena im US-Bundesstaat Arkansas ab. Doch seine Erfahrung als Schmuggler macht ihn auch für die CIA interessant, die ihn schon bald für verdeckte Operationen in Südamerika rekrutiert. Barry entdeckt jedoch schnell, dass er weiterhin mit den verschiedensten Parteien Geschäfte machen kann und so verstrickt er sich in ein kompliziertes Netz aus Machenschaften, an dem amerikanische Geheimdienste, Guerrillakämpfer aus Nicaragua und das von Drogenbaron Pablo Escobar geführte Medellin-Kartell beteiligt sind. Schon bald macht ihn sein Doppelleben als Schmuggler und Geheimagent zu einem der reichsten Männer der USA, doch das zieht schnell neue Probleme nach sich...

„Barry Seal - Only in America“, Regie: Doug Liman, 115 Minuten, FSK 12, Cinemaxx Göttingen, Lichtspiele Herzberg

Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs

Mia (Marleen Quentin) und ihre bester Freund und Klassenkamerad Benny (Ruben Storck) sind die Pfefferkörner und gemeinsam mit Mias Schwester Alice (Emilia Flint) lösen sie rund um Hamburg jede Menge rätselhafter Fälle. Ein neues Abenteuer erwartet sie, als sie mit Lehrer Martin Schulze (Devid Striesow) auf Klassenfahrt gehen sollen. Als eine andere Lehrerin krank wird, droht die Reise zu scheitern, doch dann springt Bennys Mutter Andrea (Katharina Wackernagel) ein – sehr zu dessen Leidwesen. Mia freut sich derweil auf ihren guten Freund Luca (Leo Gapp), der am Zielort in Südtirol lebt. Doch Luca scheint etwas zu belasten: Es geschehen seltsame Dinge auf dem von ihm bewohnten Berghof und schon bald stoßen die Freunde auf unheimliche Geister und mysteriöse Zeichen. Zum Glück ist da noch der neue Schüler Johannes (Luke Matt Röntgen), der ihnen unter die Arme greift, und gemeinsam versuchen sie, das Rätsel zu lösen.

„Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs“, Regie: Christian Teede, 99 Minuten, FSK 0, Cinemaxx Göttingen, Neue Schauburg Northeim, Feilenfabrik Duderstadt

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