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Regional Flachheit eines medialen Durchlauferhitzers
Nachrichten Kultur Regional Flachheit eines medialen Durchlauferhitzers
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00:17 29.12.2012
Überaus höflich und stimmlich durchaus begabt: der schrille Sänger Daniele Negroni. Quelle: Heller
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Göttingen

Was bleibt, sind Gefühle der Sympathie für einen sympathischen, erst 17-jährigen Jungen und Ungläubigkeit angesichts der sich immer wieder selbst übertreffenden Flachheit eines medialen Durchlauferhitzers.

Sicher, was für den einen ein vielleicht zu tiefer Blick in den hässlichen Schlund der kommerziellen Popkultur bedeutet, ist für die hemmungslos verfolgte Zielgruppe der Himmel auf Erden; ein Weihnachtsfest, das schon einen Tag früher begonnen hat. Negroni  weiß, was er seinen Fans bedeutet.

Er behandelt sein Publikum, als wäre es der erste Besuch bei den Eltern einer Angebeteten, was ja auch unzählige Male zugleich irgendwie zutreffend ist: Er lächelt ohne Unterlass, bedankt sich tausendmal bei seinen Unterstützern und verhält sich ganz, wie man es von einem anständigen jungen Mann erwartet.

Die Eltern stehen indes, mit schiefem Grinsen, in den hinteren Reihen und werfen sich untereinander wissende Blicke zu. Sie ahnen, dass dieser stimmlich durchaus begabte „Superstar“ bald wieder vergessen sein wird. Das liegt nicht unbedingt an Negronis Sangeskünsten, sondern an einem Musikmanagement, das seine Schützlinge für ein paar Monate des kommerziellen Erfolges verheizt.

Kreischende Mädchen und selbstgemalte Herzchen-Plakate: Konzert von Daniele Negroni in der Stadthalle Göttingen. © Peter Heller

Denn musikalisch und urheberrechtlich gesehen ist das, was Negroni nachzwitschern muss, eine Katastrophe. Die wenigen, nicht bloß lieblos gecoverten Songs, die aus der Feder Dieter Bohlens stammen, haben – um es vorsichtig auszudrücken – einen zu hohen Wiedererkennungswert.

Dass der Charterfolg „Crazy“ ein musikalischer Frankenstein ist, der einfach den Refrain von Anita Wards „Ring my Bell“ auf den Hals getackert bekommen hat, ist nur die Spitze des Eisbergs. Auch „Absolutely Right“ hat eine etwas betagte, aber unvergessene Vorlage: Nämlich Marvin Gayes „I ­heard it through the Grapevine“.

Aus taktischem Kalkül musste Negroni natürlich auch Gitarre lernen, wie er selbst etwas beschämt zugibt. Dem armen Jungen bleibt nichts erspart: Er muss sich durch Oasis’ „Wonderwall“ schrammeln, obwohl er mit „Knocking on Heaven’s Door“ doch eigentlich schon genug Klischees bedient hat.

Mit alldem füllt er die Stadthalle schon jetzt nur noch zur Hälfte. Es ist irgendwie schade um Negroni, der sympathisch und aufrichtig daherkommt, dazu noch eine passable Stimme hat. Für all das hat er seine Lehre zum Koch hingeschmissen. Wagemutig.

Von Jonas Rohde

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