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Regional Flammen lodern, Pistolen knallen
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22:05 01.11.2009
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Eigentlich ist doch alles gut. Das Mädchen Meggie hat im ersten Teil die Bösewichter besiegt, ihren Vater Mo gerettet, sogar ihre Mutter, die viele Jahre in der Welt des Buches „Tintenherz“ lebte, wieder in das richtige Leben zurück geholt. Doch dann geht der ganze Ärger von vorne los. Und wie!
Staubfinger, ursprünglich ein undurchsichtiger Feuerspucker, ist jetzt endgültig in den Kreis der Guten aufgenommen. Er ist der beste Kumpel von Farid, einem Jungen der aus einer anderen Geschichte stammt. Mit Orpheus taucht eine zwielichtige Gestalt auf, die auch Figuren aus Büchern heraus und wieder herein lesen kann, bislang eine besondere Gabe von Meggie und Mo. Und irgendwann finden sich dann alle Beteiligten in der mittelalterlich anmutenden „Tintenherz“-Welt wieder – zumindest bis kurz vor Schluss.

Nicht leicht zu durchschauen

Es scheint, als sei der Autorin die Phantasie ein wenig durchgegangen. Nach dem stringent aufgebauten ersten Teil hat sie in „Tintenblut“ ein nicht ganz leicht zu durchschauendes Chaos angerichtet. Regisseur von Burchard und sein Ensemble haben ihre liebe Not, neue Figuren einzuführen, alte zu verändern, Orte zu beschreiben und Ortswechsel zu inszenieren. Das gelingt ihnen nur zum Teil überzeugend. Dabei hat ihnen Ausstatterin Jeannine Simon eine bemerkenswerte bildstarke Bühne entworfen.

Für die Bibliothek von Meggies Tante Elinor, einer handfesten älteren Dame, fahren Bildwände voller Bücher von oben auf die Bühne. Werden sie hochgezogen, geben sie den Blick frei auf den verwunschenen Wald, in dem sich das wilde Leben des Buches abspielt.

Das Figurendurcheinander führt auch dazu, dass es in der Inszenierung eigentlich keine zentrale Figur gibt. Mal ist es Meggie, die Anna-Katharina Philippi wieder ganz zauberhaft spielt ­– vor allem in den Augenblicken nach ihrem ersten Kuss. Mal dominiert Staubfinger (Lorenz Liebold) die Szene, dann wieder treibt Tante Elinor, (herrlich schräg und kraftvoll: Imme Beccard) die Handlung voran.

Wirkungsvoll gibt Ronny Thalmeyer den Bösewicht Natterkopf. Gegen diese Ensemble-Schauspieler fällt Gast Stefan Lange etwas ab. Er ist als Meggies Vater Mo optisch vielleicht zu nahe liegend besetzt. Schön aber, dass Jan Exner als Flachnase wieder dabei ist. Er spielt nicht nur diesen lispelnden Rüpel, er hat auch die Musik beigesteuert, die immer wieder die Atmosphäre trägt.
Verschwunden im Totenreichl
Es wird geschossen auf der Bühne, Pistolen knallen. Flammen lodern und jemand kracht aus luftiger Höhe auf die Bühnenbretter; alles im kindgerechten Rahmen (ab neun Jahren). Gegen Ende dann finden sich Paare in Liebe zusammen, die Gefahr ist wieder einmal abgewendet und eine Figur bleibt verschwunden im Totenreich. Sie muss noch gerettet werden. Die Grundlage für eine Fortsetzung und die Vervollständigung der „Tintenherz“-Trilogie ist gelegt. Auf Wiedersehen im nächsten Jahr.

Bis zum 7. März 26 weitere Vorstellungen zu unterschiedlichen Zeiten zwischen 9 und 18 Uhr im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05   51  /  49   69   11.

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